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Professionelle Pflege mit mehr Zeit für Hingabe und Zuwendung

Die kirchlichen Krankenhäuser in Baden-Württemberg verstärken ihren Druck auf die politisch Verantwortlichen, um die Situation für die Mitarbeitenden in der Pflege nachhaltig zu verbessern. Bei einem gemeinsamen Aktionstag Pflege am Freitag, 13. Juli in Stuttgart sprachen sie sich für eine professionelle Pflege mit mehr Zeit für Hingabe und Zuwendung zum Patienten aus. Mit dabei eine Delegation aus dem Caritas-Krankenhaus.

Beim Aktionstag Pflege in der Stuttgarter Liederhalle überreichten die Vertreter der kirchlichen Krankenhäuser in Baden-Württemberg eine entsprechende Resolution mit 5000 Unterschriften ihrer Mitarbeitenden an die beiden Bundestagsabgeordneten Heike Baehrens (SPD) und Karin Maag (CDU).

Mehr Zeit für die Pflege am Patienten
„Als kirchliche Krankenhäuser ist es uns ein besonderes Anliegen, dass es tatsächlich eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Pflege gibt“, machte Bernd Rühle, Geschäftsführer des Evangelischen Krankenhausverbandes Baden-Württemberg e.V., in seiner Einführung deutlich. Der christliche Auftrag „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ erfordere auch entsprechende Rahmenbedingungen. Aus der Politik gebe es mit dem Entwurf zum Pflegepersonal-Stärkungsgesetz dazu im Moment erste „positive Signale“. „Es ist sehr erfreulich, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Leistungen der Pflege anerkennt.“ Aber es gebe noch viele offene Fragen. „Wir brauchen nachhaltige Lösungen und keine Strohfeuer“, so Rühle. „Wir brauchen mehr Zeit für die Pflege am Patienten, mehr Zeit für eine professionelle Pflege mit Hingabe“.

Heribert Prantl: Pflege ist nicht börsenfähig, sondern muss Würde des Menschen achten
In einem nachdenklichen und sehr persönlichen Impuls griff Prof. Dr. Dr. h.c. Heribert Prantl von der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung diesen Gedanken auf. Bei der Sorge um alte und kranke Menschen sei „eine Auferstehung der Nächstenliebe und wärmende Zuneigung notwendig“, betonte er. „Für gute Pflege braucht es Zeit, Geborgenheit und Barmherzigkeit.“ Diese könne man nicht betriebswirtschaftlich optimieren. Er warnte vor einer „umfassenden und radikalen Ökonomisierung des Gesundheitswesens“: „Die Versorgung von Alten und Kranken darf nicht Mittel zur Gewinnerzielung sein, Pflege und Krankheit sind nicht börsenfähig“, so Prantl. In älteren Darstellungen sei die Hölle „ein Ort, wo Liebe nicht mehr hindringt, ein Abgrund des Verlassenwerdens“. „In fast jeder Stadt finden wir heute Pflegeheime und Demenzstationen, die einen solchen Namen tragen.“ Dies dürfe unsere Gesellschaft nicht hinnehmen. „Alte Menschen dürfen keine Angst haben aussortiert zu werden“, forderte Prantl und verwies auf den ersten Artikel des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Es sei die Aufgabe des Sozialstaates, dies zu organisieren. „Und Krankenhäuser sind Orte, an denen sich dieser Satz bewähren muss.“ Daher müsse jede Reform im Gesundheitswesen diese Würde achten und schützen. Prantl: „Krankenhäuser und Pflegeheime dürfen keine Fabriken sein, in denen das Wichtigste ist Geld zu machen, sondern Orte, an denen geheilt und gepflegt wird.“

Krankenhaus ohne Pflege nicht denkbar
Damit traf der Journalist die Stimmung der anwesenden Pflegekräfte, wie der lang anhaltende Applaus zeigte. In anschließenden „Blitzlichter“ berichteten einige von ihnen von ihren Arbeitsalltag auf den Stationen im Krankenhaus. Darin verlangten sie vor allem mehr Respekt und Wertschätzung für ihren Beruf. Pflege habe sich professionell etabliert und ein Krankenhaus ohne Pflege sei nicht denkbar. Bei aller Kritik zeigten sie sich zugleich überzeugt: „Pflege ist ein schöner, vielseitiger und sinnhafter Beruf.“

Frank Feinauer beim Aktionstag Pflege der kirchlichen Krankenhäuser in Stuttgart

Frank Feinauer gegen Personaluntergrenzen und Pflege auf unterstem Niveau
Bei der anschließenden Podiumsdiskussion mit den beiden Bundestagsabgeordneten Heike Baehrens (SPD) und Karin Maag (CDU) trugen die Vertreter der Krankenhäuser noch einmal ihre Forderungen an die Politik vor. Frank Feinauer, Pflegedirektor im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim, wandte sich gegen eine Kultur des Misstrauens. „Als kirchliche Krankenhäuser haben wir den Willen das Geld, das uns zur Verfügung steht, sinnvoll einzusetzen, aber wir werden von den Rahmenbedingungen behindert.“ Er verlangte eine „langfristige und nachhaltige Finanzierung der Pflege“ und keine kurzfristigen auf wenige Jahre ausgelegten Fördermaßnahmen. Gemeinsam mit Bernd Rühle kritisierte er die im neuen Gesetzentwurf vorgesehen Pflegeuntergrenzen, die Mindestzahlen für die Pflege festlegen sollen. Diese berücksichtigten zum einen nicht die unterschiedliche Organisation der Arbeit in den Kliniken „Außerdem kann es nicht das Ziel sein, auf unterstem Niveau zu pflegen, eine gute Pflege ist damit nicht zu machen“, so Feinauer und Rühle übereinstimmend. Zugleich habe das noch mehr Bürokratie und Dokumentation zur Folge.

Karin Maag (CDU): Teil der DRG künftig für Pflege am Bett
Die beiden Politikerinnen verwiesen auf die intensiven Bemühungen mit dem Pflegepersonal-Stärkungsgesetz in der laufenden Legislaturperiojde, die Situation in der Pflege zu verbessern. „Wir haben die Pflege in den letzten Jahren nicht vergessen“, betonte Karin Maag, gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag. Jährlich würden rund 72 Mrd. Euro in die Krankenhausfinanzierung gehen. „Es ist genug Geld im System, aber wir brauchen mehr Transparenz, wohin das Geld fließt.“ Künftig solle in den DRGs ein Teil des Geldes ausschließlich für die Pflege am Bett zur Verfügung stehen.

Heike Baehrens (SPD): Gemeinsam mehr Ansehen für Pflegeberuf schaffen
Die pflegepolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Bundestag, Heike Baehrens, räumte Fehlsteuerungen in der  Vergangenheit ein. „Im Moment profitieren diejenigen Krankenhäuser, die nicht nach Tarif zahlen. Das müssen wir ändern.“ Aber die geplante volle Finanzierung der Tarifsteigerungen durch die Krankenkassen sei ein „großer Schritt, wenn dies jetzt für die Pflege umgesetzt wird.“ Sie bat um Verständnis für die Aufgabe der Bundespolitiker, die bei ihrer Gesetzgebung die unterschiedliche Situation in den einzelnen Bundesländern berücksichtigen müssten. „In Baden-Württemberg haben Sie schon eine gute Krankenhauslandschaft erreicht, im Gegensatz etwa zur Situation in Nordrhein-Westfalen.“ Zugleich wandte sie sich mit einem Appell an alle gesellschaftlichen Gruppen: „Wir sind eine Verantwortungsgemeinschaft und es ist die Aufgabe von uns allen, dass die Pflege wieder mehr Ansehen gewinnt.“

Rainer Brockhof: Zusammenschluss von Dienstgeber und Dienstnehmer
Diesen Appell griff auch Diözesancaritasdirektor Dr. Rainer Brockhoff in seinem Fazit auf: „Wir werden nicht in zwei Monaten alle Problem lösen, die sich in den letzten 20 Jahren angehäuft haben. Aber wenn wir uns als Dienstgeber und Dienstnehmer in den kirchlichen Krankenhäusern zusammenschließen, können wir gemeinsam Verbesserungen erreichen.“
Info: In den 44 kirchlichen Krankenhäusern und Reha-Kliniken in Baden-Württemberg versorgen rund 21.800 Mitarbeitende jährlich rund 336.000 Patientinnen und Patienten.

Auch der TV-Sender LTV berichtet über denAktionstag Pflege.

 
 
 
 

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