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10.05.2019 Brüderkrankenhaus Trier

Mit Stoßwellen durch die Engstelle

Im Herzzentrum des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Trier kommt seit April 2019 eine neuartige Therapie zum Einsatz. Diese ermöglicht es, auch extrem hartnäckige Verkalkungen in Koronargefäßen erfolgreich zu behandeln. Die sogenannte Lithoplastie bringe eine deutliche Verbesserung für Patienten, bei denen mit den bislang üblichen Verfahren nur temporäre Erfolge hätten erzielt werden können, erklärt Privatdozent Dr. med. Nikos Werner, Chefarzt der Kardiologie am Herzzentrum Trier des Brüderkrankenhauses.

Mit Stoßwellen durch die Engstelle

Mit hartnäckigen Kalkablagerungen kommt ein jeder irgendwann in Berührung, im Haushalt ist das Phänomen keine Seltenheit. Doch was im Abfluss von Badewannen oder unterm Siphon des Spülbeckens ein Ärgernis mit potenziell übelriechenden Folgen ist, hat bei Gefäßen oft lebensbedrohliche Folgen. Das gilt vor allem bei Koronarstenosen, also infolge von kalziumhaltigen Ablagerungen („Plaques“) stark verengten oder verschlossenen Herzkranzgefäßen. Im Herzzentrum Trier wird nun erstmals in der Region ein Verfahren eingesetzt, das auch bei Koronarstenosen mit extrem stabilen Kalkablagerungen dauerhafte Therapieerfolge ermöglicht.

Denn die Konsistenz der Ablagerungen in den Gefäßen ist bei jedem Menschen unterschiedlich, und insbesondere bei Patienten, die an Diabetes oder einer Nierenerkrankung leiden, sind Verkalkungen oft sehr hartnäckig, weiß Privatdozent Dr. med. Nikos Werner, Chefarzt der Kardiologie am Herzzentrum des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Trier. Liegt die Verengung an einzelnen Gefäßen vor und ist das Operationsrisiko infolge von Begleiterkrankungen erhöht, kommen in aller Regel interventionelle und damit minimalinvasive Verfahren  zum Einsatz, allen voran die Erweiterung der betroffenen Koronararterie mit anschließender Implantation eines Stents.

Ein 71-Jähriger Patient, der im April mit einer Angina pectoris ins Brüderkrankenhaus eingeliefert wurde, hatte all das schon mehrfach hinter sich: 2018 wurde dem Mann erstmals ein Stent eingesetzt, doch konnte dieser aufgrund der schweren Verkalkung nicht vollständig aufgedehnt werden. Leider führt dies häufig zu einer Wiederverengung des Gefäßes. So auch in diesem Fall, woraufhin nun der Versuch unternommen wurde, mittels Ultrahochdruckdilatation das Gefäß zu dehnen. Hierbei wird versucht, mit einem Druck von bis zu 40 atü die Stenose zu beseitigen. „Das ist ein Druck, der mehr als dem zehnfachen dessen entspricht, der in einem Autoreifen herrscht“, erklärt Priv.-Doz. Dr. med. Nikos Werner und zeigt das Dilemma auf: „Bei einem derart hohen Druck besteht die Gefahr, dass das Gefäß ein- oder aufreißt.“

Mit der Lithoplastie, welche Priv-Doz. Dr. med. Nikos Werner bereits in seiner vormaligen Tätigkeit als stellvertretender Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II am Universitätsklinikum Bonn etablierte, setzt man auf ein bei anderen Krankheitsbildern schon seit Jahren bewährtes Verfahren. Im Kern basiert dieses auf der Zertrümmerung von Kalkbestandteilen durch Stoßwellen, wie sie etwa bei der Behandlung von Nieren- und Gallensteinen gängig ist.

Bei der Koronarstenose wird ein Ballonkatheter mit integriertem Stoßwellen-Emitter bis zur verengten Stelle geführt. Mithilfe von acht mal zehn Stoßwellenschocks wird die Verkalkung so behandelt, dass diese Risse bekommt und sich die Engstelle so erweitern lässt, dass anschließend erfolgreich eine konventionelle Stent-Implantation erfolgen kann, erklärt Priv.-Doz. Dr. med. Nikos Werner. So gelang auch bei dem 71-jährigen Patienten der Durchbruch, konnte auch ihm ein Stent gesetzt werden. Nach der erfolgreichen Behandlung von inzwischen mehr als 60 Patienten in Bonn und Trier ist der Kardiologe überzeugt, dass das Verfahren für die betroffene Patientengruppe eine neue Behandlungsperspektive bietet. Voraussetzung für den Einsatz der Lithoplastie sind Erfahrung und Expertise des Zentrums bei der Behandlung komplexer Gefäßerkrankungen. Priv.-Doz. Dr. med. Nikos Werner kann hier auf ein eingespieltes Team innerhalb des Herzzentrums zurückgreifen. So werden alle diese Patienten in der Regel vorab im Herz-Team besprochen, in welchem der herzchirurgische Partner eine wichtige Rolle spielt. Professor Dr. med. Ivar Friedrich, Chefarzt der Herz- und Thoraxchirurgie des Brüderkrankenhauses, und sein Team stehen im Herzzentrum Trier jederzeit bereit, auch mittels Bypass-Operation das Problem zu lösen, wenn dies die beste Option für den Patienten darstellt. „Die enge Abstimmung zwischen den verschiedenen Disziplinen des Zentrums führt am Ende zur bestmöglichen Therapie des Patienten“, betont Priv.-Doz. Dr. med. Nikos Werner.


Hintergrund: Herzzentrum Trier

Das überregionale Herzzentrum Trier besteht aus den Fachabteilungen Kardiologie unter Leitung von Chefarzt Privatdozent Dr. med. Nikos Werner, der Abteilung für Herz- und Thoraxchirurgie unter Leitung von Chefarzt Professor Dr. med. Ivar Friedrich sowie der Rhythmologie unter Leitung von Chefarzt Privatdozent Dr. med. habil. Frederik Voss. Zu den internen Kooperationspartnern gehören die Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin, die Abteilung für Neurologie, Neurophysiologie und neurologische Frührehabilitation mit Schlaganfalleinheit, das Zentrum für Radiologie, Neuroradiologie, Sonographie und Nuklearmedizin, die Pneumologie der Abteilung für Innere Medizin III, die Abteilung für Innere Medizin II (Nephrologie und Dialyse, Hochdruckerkrankungen, Rheumatologie/ Immunologie, Endokrinologie / Diabetologie / Angiologie) und das Zentrum für Notaufnahme. 

 
 
 
 
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