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Abschied von Dr. Helmut Reinwald

Abschied von Dr. Helmut Reinwald

Es war ein Abschied, der Corona-bedingt klein ausfallen musste: Nach knapp 12 Jahren als Chefarzt der Inneren Medizin im Krankenhaus Tauberbischofsheim wurde Dr. Helmut Reinwald jetzt im kleinsten Kreis in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet.

„Wenn ein langjähriger Chefarzt wie Dr. Reinwald nur in kleinem Rahmen verabschiedet werden kann, ist das besonders schmerzlich und wird seinen Verdiensten nicht gerecht“, betonte der Hausobere des Krankenhauses Tauberbischofsheim Michael Raditsch bei der Verabschiedung durch das Direktorium. Dr. Reinwald habe in den zwölf Jahren als Chefarzt in Tauberbischofsheim die Abteilung Innere Medizin mit großem persönlichem Einsatz geführt und sich über den Landkreis hinaus einen Namen als anerkannter Spezialist für die Behandlung rheumatischer Erkrankungen gemacht. „Bereits zuvor in seiner Zeit als Oberarzt im Caritas-Krankenhaus und danach als Chefarzt im Krankenhaus Tauberbischofsheim stand für ihn immer die Sorge um den Patienten als Ganzes im Vordergrund; neben der hohen Fachkompetenz zeichnete ihn diese persönliche Zuwendung zum kranken Menschen aus.“ Als hervorragender Arzt habe er immer das Wohl der Patienten im Blick gehabt. „Dafür im Namen des Direktoriums und des gesamten Hauses herzlichen Dank!“

Auch der Ärztliche Direktor des Krankenhauses Tauberbischofsheim Dr. Mathias Jähnel würdigte Dr. Helmut Reinwald als ausgezeichneten Arzt und universellen Internisten: „Ihre Kollegialität zeichnet Sie aus. Bei Konsilanfragen hatten Sie die Gabe, den Beschwerden unserer Patientinnen und Patienten detektivisch auf den Grund zu gehen. Wir haben Sie immer als sehr verlässlichen Kollegen mit einem sehr umfassenden internistischen Wissen erleben dürfen. Diese Verlässlichkeit kam auch Ihren Patientinnen und Patienten zugute, die Sie speziell im Bereich Rheumatologie teilweise über viele, viele Jahre hinweg ambulant betreut haben. “ Besonders jetzt, während der Corona-Pandemie, sei das ganze Kollegium froh und beruhigt gewesen, Herrn Dr. Helmut Reinwald mit seinen hervorragenden internistischen und intensivmedizinischen Kenntnissen im Team zu wissen. „Auf seine Expertise gerade in diesem Bereich und den kompetenten Umgang mit COVID-Patienten konnten wir uns immer verlassen“. Er wünschte Dr. Helmut Reinwald abschließend ruhigere Tage, an denen er es sich mit einem guten Buch in seinem Garten gemütlich machen kann. „Zu einem runden Geburtstag, haben wir Ihnen vor ein paar Jahren ein Buch über medizinische Nobelpreisträger geschenkt – dass wäre doch eine passende Lektüre“, sagte Dr. Mathias Jähnel schmunzelnd.

Dr. Helmut Reinwald dankte dem Direktorium des Krankenhauses für die wertschätzenden Worte zum Abschied: „Als Mediziner zu arbeiten, hat für mich immer bedeutet, Verantwortung zu tragen für die Patientinnen und Patienten. Es bedeutet, sie zu betreuen und zu begleiten und dabei insbesondere auch die chronisch Kranken wie etwa Menschen mit Rheuma oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen aktiv im Leben zu halten – im Arbeitsprozess und in der sozialen Teilhabe. Danke, dass Sie mir das ermöglicht haben.“


„Neugierde und ein gutes Vertrauensverhältnis sind in der Medizin wichtig“

Was bedeutet Ihnen die Arbeit mit und für die Menschen in der Region?

Als Mediziner zu arbeiten, hat für mich immer bedeutet, Verantwortung zu tragen für die Patientinnen und Patienten. Meine Aufgabe ist es, sie zu betreuen und zu begleiten und dabei insbesondere auch die chronisch Kranken wie etwa Menschen mit Rheuma, Tumor- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen aktiv im Leben zu halten – im Arbeitsprozess und in der sozialen Teilhabe.

Mit welchen Gefühlen verlassen Sie jetzt das Krankenhaus?

Mit gemischten Gefühlen. Ich habe immer sehr gerne gearbeitet. Als Arzt lebt man vom gegenseitigen Geben und Nehmen. Besonders das von den Patienten entgegengebrachte Vertrauen und die Dankbarkeit werden mir fehlen sowie das Frohe miterleben die Patienten wieder gesunden oder sich mit ihrer Krankheit arrangieren. Das wird in Zukunft nicht mehr so sein.

Andererseits bin ich froh, die zunehmende Belastung durch den Fachkräftemangel nicht mehr mitmachen zu müssen. Es ist schwierig, gutes Personal zu finden, das macht sich immer mehr bemerkbar und hat in den letzten zwei Jahren weiter zugenommen. Auch die aktuell zusätzliche Belastung durch Corona ist nicht leicht zu tragen. Das hätte ich mir für mein letztes Jahr als Chefarzt sicherlich anders gewünscht. Die Betreuung von Corona-Patientinnen und -patienten ist mit erheblich mehr Zeitaufwand verbunden, alleine schon durch die hygienischen Schutzmaßnahmen. Hinzu kommen weitere durch Corona entstandene Schwierigkeiten im ambulanten Bereich. Die Patientinnen und Patienten sind aktuell sehr verunsichert und kommen aus Angst vor einer Corona-Infektion nicht zur Diagnostik und zur Behandlung ins Krankenhaus. Wichtige Termine werden oft aufgeschoben, dies kann leider zu Kollateralschäden führen.

Wenn Sie auf Ihre Berufslaufbahn zurückblicken, was hat sich im Lauf der Zeit verändert?

Heute haben wir eine viel größere Spezialisierung und die diagnostischen Möglichkeiten haben sich deutlich verbessert. Durch hochauflösende Sonographie, CT, MRT und signalverstärkter Ultraschall können wir den Menschen immer präziser unter die Lupe nehmen. Hier verfeinern sich die technischen Möglichkeiten immer weiter. Es besteht ein stetiger Entwicklungsprozess und ein großer Gewinn für die Patientinnen und Patienten. Das gilt gleichermaßen für die Therapiemöglichkeiten bei Herz-Kreißlauf- und Gefäßerkrankungen. Speziell bei Rheumapatienten hat sich der Einsatz von Biologika (Antikörpertherapie) als erheblicher Fortschritt erwiesen. Die Patientinnen und Patienten erfahren deutlich weniger Progress der Erkrankung und benötigen erheblich seltener operative Eingriffe. Die Entwicklung der Antikörpertherapie war auch für die Tumortherapie ein großer Fortschritt wie auch die Molekulargenetik und die molekulare Pathologie. Auch die intensivmedizinischen Möglichkeiten haben sich deutlich verbessert. Hirn- und Herzinfarkte können wir heute viel rascher und präziserer behandeln. Verändert hat sich aber auch die die Arbeitsdichte. Der dokumentarische Aufwand ist hoch und die Zeit knapp. Wie schon erwähnt, ist es auch schwieriger geworden, gutes Personal zu gewinnen.

Vor welche Herausforderungen sehen Sie das Gesundheitswesen zukünftig gestellt?

Zentrales Thema wird die Digitalisierung sein. Hier den Spagat zum Datenschutz hinzubekommen sehe ich als Herausforderung. Man muss sich künftig aus ethischer Sicht überlegen, inwieweit man den Menschen für einen guten Informationsfluss erfasst und wie viel Freiheit man ihm lässt. Weitere Aufgabe wird es sein, kompetente Fachkräfte aus- und weiterzubilden und die entsprechend notwendigen personellen und zeitlichen Rahmenbedingungen für die Weiterbildung zu schaffen.

Ist das Krankenhaus auf diese Herausforderungen vorbereitet?

Weitere Investitionen gerade in puncto Digitalisierung sind sicherlich auch künftig nötig – hier sind wir bereits auf einem guten Weg. Personell sollten bestimmte Versorgungsbereiche weiter gut aufgestellt bleiben und langfristig weiter ergänzt werden. Auch da ist man bereits dran. Gerade die Schmerztherapie und die Geriatrie sind wichtige Säulen für die Zukunft. Aber auch eine solide Grund- und Regelversorgung in den Bereichen Innere Medizin und Chirurgie ist durchweg gewährleistet. Mit meinem Nachfolger Dr. Sezgin Dalbay, einem versierten Gastroenterologen, kann die Versorgung der Patientinnen und Patienten in der Region auf einem hohen Niveau aufrechterhalten werden.

Was wünschen Sie dem Krankenhaus?

Eine für die Patientinnen und Patienten sowie die Zuweiser zufriedenstellende Versorgung in Somatik und Psychiatrie. Neugierige Mitarbeitende, die gerne Verantwortung übernehmen, die gerne im Team arbeiten. die offen sind und freundlich, die sich einbringen und etwas bewegen wollen. Unser Krankenhaus in Tauberbischofsheim hat viele Vorzüge. Ein ganz wesentlicher sind die kurzen Wege. Man kennt seine Kolleginnen und Kollegen. Diese familiäre Atmosphäre wird auch von den Patientinnen und Patienten als durchweg positiv wahrgenommen.

Was werden Sie vermissen?

Natürlich die Patientinnen und Patienten sowie einige Kolleginnen und Kollegen. Generell die Arbeit im gesamten Team mit Pflege, Funktionsdiensten etc. Besonders vermissen werde ich auch meine Sekretärin, die im Ambulanzbereich sehr versiert ist und mir immer eine große Unterstützung war. Auch die Patientinnen und Patienten, die ich über viele Jahre im ambulanten Bereich betreut habe, die mir immer wieder Ansporn waren, am Ball zu bleiben und zu schauen, wo noch Behandlungschancen bestehen.

Gibt es etwas, dass Ihnen in Erinnerung geblieben ist?

Erfreulich ist es, wenn man Patientinnen und Patienten lange Zeit begleitet. Manche kenne ich schon aus meiner Zeit in Bad Abbach, habe sie dann erst im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim und später hier bei uns im Krankenhaus Tauberbischofsheim behandelt. Da besteht einfach ein gutes Vertrauensverhältnis. Es ist schon überraschend, wenn eine Patientin sagt, dass man sie schon seit 30 Jahren versorgt und sie dann alte Bilder mitbringt. Schön war es auch, seltene Erkrankungen wie Morbus Whipple oder eine Polychondritis präzise zu erkennen und zu behandeln. Aus diesem Grund ist lebenslanges Lernen in der Medizin notwendig. Dann erkennt man einfach auch mehr und kann den Patientinnen und Patienten besser helfen.

Wie geht’s für Sie persönlich weiter?

Vorerst bin ich noch eine Weile mit Ausräumen und dem Schreiben von Zeugnissen beschäftigt. Dann ist es vorübergehend wie Urlaub. Ich werde für meine Familie da sein und sie unterstützen. Ich möchte auch wieder Freundschaften und alte Kontakte pflegen, die in den letzten Jahren etwas zu kurz gekommen sind und mehr für meine eigene Gesundheit tun. Ich möchte mich viel bewegen, das eine oder andere Hobby wieder aufleben zu lassen, lebendig bleiben, mir mehr Zeit für Spirituelles nehmen und Kunst genießen. Und wenn es klappt, noch einige Rheumapatienten ambulant in einer Praxis weiter betreuen und dort auch sonographieren. Ich bin dran, hierfür die Rahmenbedingung zu schaffen und bin zuversichtlich.

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