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20.04.2020

Mit positiven Aktivitäten durch die Corona-Krise

Psychologin Dr. Pröscholdt und Chefarzt Dr. Jähnel raten zu strukturiertem Tagesablauf und guter Selbstsorge - Krankenhaus Tauberbischofsheim weiterhin für Patienten in psychischen Krisen und psychischen Erkrankungen erreichbar

Mit positiven Aktivitäten durch die Corona-Krise

Die ungewisse Furcht vor einer Infektion mit dem Corona-Virus, erzwungene Einsamkeit und soziale Distanz, schlechte Nachrichten in allen Medien, Reisebeschränkungen und eingeschränkte Freizeitmöglichkeiten betreffen aktuell uns alle. Es gibt jedoch Menschen, die unter diesen Belastungen besonders leiden. "Gerade Menschen mit psychischen Vorerkrankungen, die unter Depressionen, Angststörungen oder Zwangsstörungen leiden, gehören zu den besonders gefährdeten Gruppen", betont Dr. Marie Pröscholdt, leitende Psychologin der Abteilung Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie im Krankenhaus Tauberbischofsheim. "Für diese Personen sind die aktuellen Einschränkungen ein Sprungbrett für verstärktes Grübeln, für vermehrte Ängste und Sorgen." In der Therapie rate man den Patienten in solchen Situationen zu regelmäßigen sozialen Kontakten, Bewegungstraining in Gruppen und anderen positiven Aktivitäten. "Wenn alle diese Ressourcen und positiven Verstärker wegfallen, besteht ein erhöhtes Risiko, dass diese Personen eine Depression entwickeln oder wieder in eine Depression zurückfallen", so die Psychologin.

Vorbeugen mit guter Selbstsorge
Dr. Pröscholdt nennt einige Symptome, die auf eine Depression hindeuten: "Wenn man die Freude an Dingen verliert, die man normalerweise gerne tut; wenn sich die Stimmung deutlich verschlechtert oder wenn ein Antriebsverlust vorliegt und dann noch z.B. ein vermindertes Selbstwertgefühl und übertriebene Zukunftsängste bis hin zu Suizidgedanken hinzukommen und diese Symptome über mindestens zwei Wochen andauern, dann gehen wir von einer Depression aus." Bevor es soweit kommt, könne man gezielt etwas dagegen tun und vorbeugen. "Für alle Betroffenen ist es jetzt sehr wichtig, gut für sich selbst zu sorgen und nachsichtig mit sich selbst zu sein", rät die Psychologin. "Es ist angesichts der Corona-Pandemie völlig normal Angst und Stress zu empfinden. Man sollte sich deshalb nicht selbst unter Druck setzen."

Positive Aktivitäten einplanen
Um gegen diese Tendenzen anzugehen, empfiehlt Dr. Pröscholdt sich täglich positive Dinge im Alltag einzuplanen, auf die man sich freuen kann. "Strukturieren Sie Ihren Tag und planen Sie bewusst Phasen ein, in denen Sie sich selbst etwas Gutes tun. Solche Aktivitäten können zum Beispiel sein: ein Video-Telefongespräch mit Freunden oder Angehörigen, ein täglicher Spaziergang, sich etwas Gutes kochen oder sich eine halbe Stunde in die Sonnen setzen und bewusst den Frühling und die Natur genießen." Auch Entspannungsübungen könnten helfen. Sie warnt davor, die Schlafenszeit zu verlängern und einfach im Bett zu bleiben. "Behalten Sie Ihren regelmäßigen Tagesrhythmus bei und legen Sie sich tagsüber nicht längere Zeit hin. Dies führt eher dazu, dass das Gefühl der Erschöpfung und Niedergeschlagenheit zunimmt."

Krankenhaus Tauberbischofsheim bietet Hilfe rund um die Uhr
Sollten diese Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg haben und sich die psychische Situation weiter verschlimmern, empfiehlt Dr. Pröscholdt den Betroffenen, sich dringend Rat und professionelle Unterstützung zu suchen. "Patienten, die bereits einmal in Behandlung waren, können sich an ihren vertrauten Arzt oder Therapeuten wenden. Diese sind auch in Zeiten von Corona ansprechbar." Bei Bedarf sei auch ein stationärer Aufenthalt möglich. Auch die Abteilung für Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie im Krankenhaus Tauberbischofsheim steht in psychiatrischen Not- und Eilfällen weiterhin sowohl stationär als auch ambulant rund um die Uhr bereit und hilft in psychischen Krisensituationen.

Keine Angst vor Corona-Infektion
Chefarzt Dr. Mathias Jähnel: "Melden sie sich bei uns, wenn es Ihnen psychisch schlecht geht,  zunächst telefonisch, bei entsprechender Indikation ist natürlich auch ein persönlicher Ambulanztermin oder eine stationäre Aufnahme möglich. Wir gehen besonders sorgsam mit den entsprechenden Hygienemaßnahmen um, Patienten müssen keine übertriebene Angst vor einer Ansteckung mit Corona haben." Daneben verweist Dr. Pröscholdt auf verschiedene online-Angebote, die derzeit gute Unterstützungsprogramme anbieten: So stellt zum Beispiel die Stiftung Deutsche Depressionshilfe ihr Online-Programm "iFightDepression" zur Strukturierung des Alltags zurzeit für sechs Wochen ohne Einschränkungen zur Verfügung. Auch die Psychotherapeutenkammer Hessen hat eine Liste mit nützlichen Informationsmaterialien und Selbsthilfeangeboten sowie telefonische Beratungsangeboten online veröffentlicht, die helfen können, besser durch die Corona-Krise zu kommen.                               

Tipps für den Alltag:

  • Strukturieren Sie Ihren Tag und Ihre Woche im Vorfeld. Vom morgendlichen Aufstehen, Arbeits- oder Lernzeiten, Mahlzeiten bis hin zu schönen Dingen, wie lesen, Serie schauen, Balkon bepflanzen, Yoga, Entspannungsübungen...
  •  Bleiben Sie aktiv! Eine Runde Joggen oder mit dem Fahrrad fahren wirken Wunder.
  •  Kontakte: Wenn Sie im Homeoffice sind oder gar in Quarantäne, verabreden Sie sich mit Freunden und Familie zum Telefonieren. Auch Chats oder Onlineforen helfen gegen die Einsamkeit. 
  • Schlaf: Sie fühlen sich erschöpft und neigen dazu, sich ins Bett zurück zu ziehen? Dies führt allerdings eher zu einer Zunahme des Erschöpfungsgefühls und der Depressionsschwere. Deshalb empfehlen wir, nicht früher ins Bett zu gehen oder sich tagsüber hin zu legen. Eine feste Tagesstruktur kann dabei helfen.
  • Therapie: Auch während der bundesweiten Ausgangseinschränkungen können Sie psychiatrisch- psychotherapeutische Hilfe persönlich in Anspruch nehmen. Die Besuche dort fallen unter die Regelungen zum "Arztbesuch" und psychiatrisch-psychotherapeutische Hilfe ist eine "notwendige medizinische Leistung".
  • Seriöse Informationen: Fakten mindern Ängste. Nutzen Sie seriöse Quellen, um sich zu informieren (Robert-Koch-Institut, www.rki.de) und checken Sie die Nachrichten nur so oft, wie es Ihnen gut tut.
  • Hilfe: Sprechen Sie mit anderen über Ihre Sorgen und Ängste, Hausärzte, Fachärzte und psychiatrische Kliniken sind nach wie vor geöffnet. Scheuen Sie sich nicht in Krisen, nach Hilfe zu fragen.
Hier finden Sie Hilfe:

Lokal und regional:
Krankenhaus Tauberbischofsheim, Abteilung für Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie:
Tagsüber: Tel. 09341 800-1411 oder 09341 800-1412
nachts und an Feiertagen bzw. am Wochenende Tel. 09341 800-0.

Psychiatrische Institutsambulanz am Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim:
tagsüber: Tel.: 07931 58-7700


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