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04.05.2020

Pflegen auf Abstand? Unmöglich!

Carina Möldner ist Pflegedienstleitung im Seniorenzentrum Haus Heimberg in Tauberbischofsheim. Kümmern um die Bewohner aus zwei Metern Entfernung? - Das ist für sie und das Team aus Pflegekräften und Alltagsbetreuerinnen zurzeit nicht möglich.

„Vielen Dank, dass ihr für uns zuhause bleibt“ ist an den Fenstern von Haus Heimberg zu lesen.
„Vielen Dank, dass ihr für uns zuhause bleibt“ ist an den Fenstern von Haus Heimberg zu lesen.

Die Corona-Pandemie verlangt dem Team in Haus Heimberg in ihrem Job noch mehr ab als ohnehin schon. Aber auch die Bewohnerinnen und Bewohner leiden trotz herzlicher Einzelbetreuung unter der Situation. Sie dürfen sich nicht frei im Haus bewegen, Gruppenangebote entfallen, Besuche von Freunden und Angehörigen sind verboten, die Tagespflege bleibt geschlossen. Dennoch ziehen alle Mitarbeitenden an einem Strang, um für die Seniorinnen und Senioren den Tag so normal wie möglich zu gestalten. "Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier im Haus Heimberg geben wirklich alles. Und das trotz privater Sorgen und Nöte. Einige haben selbst pflegebedürftige Angehörige, andere haben keine Betreuungsmöglichkeit für ihre Kinder. All das berücksichtigen wir bestmöglich in der Dienstplanung", berichtet Carina Möldner. 

Hinzu komme, dass Pflegekräfte und Alltagsbetreuerinnen sich aktuell nur einzeln um die Bewohnerinnen und Bewohner kümmern. "Im Normalbetrieb unterstützen oft die Angehörigen bei der Pflege, externe Dienstleister wie Frisör und Fußpflege kommen ins Haus und Ehrenamtliche kümmern sich gemeinsam mit Alltagsbetreuerinnen um die Tagesgestaltung und gemeinsame Aktivitäten. All das wird nun intern gestemmt - zusätzlich zum Zeitaufwand, den das permanente Desinfizieren sowie An- und Ablegen der Schutzkleidung in den Pflegebereichen bedeutet", so die Pflegedienstleitung weiter. Da die Tagespflege vorübergehend geschlossen ist, könne man auf die Pflegekräfte aus diesem Bereich zurückgreifen. 

Eine Vielzahl neuer Herausforderungen

Dennoch gebe es weiterhin täglich Herausforderungen zu meistern: "Ab und zu erschrickt der Anblick einer mit Schutzkleidung vermummten Pflegekraft die Senioren. Und an Demenz erkrankte Bewohner verstehen nicht, dass ihr Tagesablauf nun ein anderer ist und ihre Bezugsperson nicht mehr zu Besuch kommen darf", erklärt Carina Möldner. Hinzu komme, dass Neueinzüge oder auch Bewohner, die nach einem Krankenhausaufenthalt zurück ins Seniorenzentrum kommen, zunächst zwei Wochen in Quarantäne müssen. Da bedürfe es viel Organisation, um den Auflagen des Gesundheitsamtes gerecht zu werden. Außerdem werde dreimal täglich bei allen Bewohnern in den Pflegebereichen Fieber gemessen, um auf jedwede Erkrankung direkt reagieren zu können. "All das sind Herausforderungen, die man täglich individuell angehen muss. Aber gemeinsam schaffen wir das", so die Pflegedienstleitung weiter. 

Ein herzliches Dankeschön geht von Carina Möldner explizit an die Kollegen im Seniorenzentrum Haus Heimberg, die sie tatkräftig unterstützen und großartige Arbeit leisten sowie Durchhaltevermögen und trotzdem Freude an der Arbeit zeigen. Besonderer Dank geht auch an Pflegedirektor Holger Kraft und die Mitarbeitenden im Krankenhaus Tauberbischofsheim. "Auf dem kurzen Dienstweg hilft und unterstützt man sich. Als es gerade mit Covid19 losging, hat man über das Krankenhaus zunächst auch die Materialversorgung sichergestellt. Überhaupt läuft die Versorgung über die Materialwirtschaft schnell und zuverlässig", lobt die Pflegedienstleitung aus Haus Heimberg. 

Carmen Möldner, Pflegedienstleitung im Seniorenzentrum Haus Heimberg.
Carmen Möldner, Pflegedienstleitung im Seniorenzentrum Haus Heimberg.

Dass sich auch die Mitarbeitenden im Seniorenzentrum kreative Lösungen gegen die Isolation der Bewohner einfallen lassen, beweisen zunächst die gemeinsam mit den Bewohnern von Hand gestalteten Plakate in leuchtendem Grün, die an den Fenstern im Pflegebereich 1 hängen. "Vielen Dank, dass ihr für uns zuhause bleibt"  ist darauf zu lesen. Zudem wurde für den Pflegebereich 2 ein Tablet angeschafft. So können die Betreuungsassistentinnen mit den Senioren gemeinsam die Familien kontaktieren. "Wenn kein persönlicher Kontakt möglich ist, kann man sich wenigstens über den Monitor sehen. Den Bewohnerinnen und Bewohnerinnen hilft das einerseits bei der Strukturierung des Tagesablaufs, zugleich können auch psychische Probleme durch die Isolation verringert werden", sagt Carina Möldner. "Wir überlegen jetzt außerdem Besuchsmöglichkeiten mit Plexiglasschutz zu schaffen."

Musik schafft Verbindung in diesen Tagen

Schwierig sei auch, dass die Gottesdienste und Andachten nicht stattfinden und Musikgeragogik sowie Gesangsrunden ausgesetzt seien. "Die meisten hier im Haus Heimberg sind gläubig; mindestens genauso viele spielen Instrumente oder haben im Chor gesungen. Hier brechen zwei wichtige Lebensbereiche inklusive sozialer Kontakte weg", berichtet Carina Möldner.  Aber natürlich bemühe man sich auch hier im Team um eine gewisse Kompensation. So bestehe die Möglichkeit, mit der Betreuungsperson gemeinsam zu beten oder in der Bibel zu lesen. Ein besonderer Höhepunkt seien die Freilichtkonzerte in den letzten Wochen gewesen: "Frank Mittnacht und Bandkollege Peter Lesch haben vom Fitnesspark und Garten der Stille aus für unsere Seniorinnen und Senioren gespielt. Viele kamen auf ihre Balkone und an die Fenster, um der Musik zu lauschen und sogar tatkräftig mitzusingen. So konnte der Mindestabstand problemlos eingehalten werden und trotzdem waren alle über die Musik verbunden. Eine tolle Sache!" 

Text: Jasmin Paul

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