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22.05.2020

Wie COVID-19 auf die Psyche wirkt

Die Behandlung und Pflege von COVID-19-Patienten bedeuten für alle Beteiligten eine enorme Herausforderung und erhöhen die Belastungen für Ärzte und Pflegende. Die Ungewissheit über den individuellen Krankheitsverlauf, der auch tödlich enden kann, bringt Angehörige an psychische Belastungsgrenzen. Mit dem Krisen- und Ressourceninterventionsteam (KIT) wurden im Corona-Gemeinschaftskrankenhaus in Trier von Beginn an Strukturen geschaffen, um professionelle psychologische Begleitung anbieten zu können. Hier arbeitet Petra Fröhlich. 

Diplom-Psychologin Petra Fröhlich vom Fachpsychologischen Zentrum des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Trier zählt zum Krisen- und Ressourceninterventionsteam des Corona-Gemeinschaftskrankenhauses.
Diplom-Psychologin Petra Fröhlich vom Fachpsychologischen Zentrum des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Trier zählt zum Krisen- und Ressourceninterventionsteam des Corona-Gemeinschaftskrankenhauses.

Die Diplom-Psychologin und gelernte Krankenschwester Petra Fröhlich hat an diesem Morgen Dienst auf der Intensivstation des Corona-Gemeinschaftskrankenhauses im Norden Triers. Sie fällt nicht weiter auf unter Ärzten und Pflegenden, trägt sie doch die hier übliche blaue Bereichskleidung. Die Mitarbeiterin des Fachpsychologischen Zentrums im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier ist so auch sichtbar Teil eines großen Teams. Der Einsatz auf einer Intensivstation verlangt Ärzten und Pflegenden alles ab, doch bedeutet die Behandlung von an COVID-19 erkrankten Menschen für sie auch Neuland. Mehr noch stellt die Therapie auf einer Intensivstation für Patienten und deren Angehörige, die infolge eines absoluten Besuchsverbots keinen Zugang zum Corona-Gemeinschaftskrankenhaus haben, eine psychische Stresssituation dar. "Wir wissen, dass rund 25 Prozent der intensivmedizinisch behandelten Patienten psychische Probleme entwickeln, die von Ängsten über Depressionen bis hin zur Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) reichen können", erläutert Petra Fröhlich, die schon als staatlich examinierte Krankenschwester auf Intensivstationen tätig war.    

Eine psychosoziale Notfallversorgung

Nun zählt sie zum Krisen- und Ressourceninterventionsteam (KIT) im Corona-Gemeinschaftskrankenhaus, gemeinsam mit acht weiteren Psychologinnen und Psychologen. Wie in den gemischten Ärzte- und Pflegeteams arbeiten das Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen und das Brüderkrankenhaus in Trier auch auf diesem Gebiet eng zusammen, gemeinschaftlich setzt man damit auch Handlungsempfehlungen der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, kurz DIVI, um. Die hatte die Krankenhäuser bundesweit zum Aufbau einer "klinischen psychosozialen Notfallversorgung im Rahmen von COVID-19" geraten. Die Begründung: In der Pandemie könnten "Behandlungs- und Betreuungssituationen von Patienten, Angehörigen sowie Professionellen im Gesundheitswesen psychisch belastend, sogar traumatisierend erlebt werden und kurz- und langfristig zur Ausbildung psychischer Belastungsfolgen führen."     

Manchmal reicht ein bestimmter Piep-Ton oder einfach die Geräuschkulisse, um Ängste bis hin zu Panikattacken auszulösen.

Viele der Patienten, die wieder auf Normalstation verlegt und später entlassen werden, haben nur bruchstückhafte Erinnerungen an ihren Aufenthalt auf der Intensivstation. Das liegt auf der Hand, da an COVID-19 erkrankte Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf ins künstliche Koma versetzt werden, um so eine Beatmungstherapie zu ermöglichen. Die Patienten haben an diese Zeit nur wenige oder verschwommene Erinnerungen und können meist für sie belastende Ereignisse nicht mehr einordnen, weiß Petra Fröhlich und nennt ein Beispiel: "Manchmal reicht ein bestimmter Piep-Ton oder einfach die Geräuschkulisse, um Ängste bis hin zu Panikattacken auszulösen." Hier setzt das "Intensivtagebuch" an: Dabei dokumentieren die Pflegenden in wenigen Sätzen, wie es dem Patienten an einem Tag erging und welche besonderen Vorkommnisse es gab. Geht es dem Erkrankten besser und hat er das Krankenhaus womöglich schon verlassen, hilft ihm dieses Intensivtagebuch weiter, das Geschehene und doch nicht bewusst Erlebte zu rekonstruieren und zu verarbeiten. Auch die Angehörigen bekommen auf Wunsch ein Exemplar, in dem sie sowohl das Tagesgeschehen als auch ihre Sorgen und Ängste festhalten können. 

Hilfe für Personal, Patienten und Angehörige

Das ist nur ein Beispiel, wie Patienten und deren Angehörigen in dieser schwierigen Phase geholfen werden kann. Und auch die Mitarbeitenden auf Station wissen, dass sie bei psychisch belastenden Erfahrungen auf professionelle Unterstützung bauen und sich telefonisch oder persönlich an die Fachpsychologen beider Häuser wenden können. So gibt es beispielsweise für das Intensivteam feste Telefon- und Gesprächszeiten, berichtet Anna Sequeira, die KIT-Organisatorin und eine der leitenden Psychotherapeutinnen des Klinikums Mutterhaus der Borromäerinnen; "Das wird angenommen, und bei Bedarf bieten wir auch Entspannung an." 

"Wenn erforderlich, gewährleisten wir auch eine ambulante Nachsorge der Mitarbeiter", ergänzt Dr. rer. nat. Birgit Albs, Leiterin des Fachpsychologischen Zentrums im Brüderkrankenhaus. "Wir hoffen, dass wir wenig gebraucht werden, aber wir sind gut vorbereitet", sagt Petra Fröhlich. Und Dr. Birgit Albs freut sich: "Das menschlich und fachlich sehr gute Miteinander der psychologischen Kolleginnen und Kollegen beider Häuser sowie die kollegial abgestimmte multidisziplinäre Betreuung der Covidpatienten hier in Trier sind etwas Besonderes."  

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