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24.06.2020

„Es war toll zu erleben, wie alle mitgeholfen haben“

Nicole Bieszcz, die stellvertretende Stationsleiterin von Notfallaufnahme und Zentralambulanz im Hohenloher Krankenhaus Öhringen, lobt den Rückhalt im Team von Notaufnahme und Corona-Ambulanz. Besondere Herausforderung: Gleich zu Beginn mussten einige Kolleginnen in Quarantäne. Heute ist sie dankbar für jeden Tag mehr an Normalität.

„Der Rückhalt durch die Kolleginnen und Kollegen war einfach super“, sagt Nicole Bieszcz, stellvertretende Stationsleitung von Notfallaufnahme und Zentralambulanz im Hohenloher Krankenhaus Öhringen.
„Der Rückhalt durch die Kolleginnen und Kollegen war einfach super“, sagt Nicole Bieszcz, stellvertretende Stationsleitung von Notfallaufnahme und Zentralambulanz im Hohenloher Krankenhaus Öhringen.

Der Tag, an dem Nicole Bieszcz klar wurde, dass Hohenlohe ein Corona-Hotspot ist, war ein Donnerstag im März. "Die Corona-Ambulanz war schon voll mit Patienten, und es kamen immer neue dazu, denen man zum Teil schon ansah, dass sie krank waren. Auf der Intensivstation waren fast alle Plätze belegt. Und dann kam der Anruf aus einem Seniorenheim, dass dort viele Bewohner positiv getestet sind", erinnert sich die stellvertretende Stationsleitung von Notfallaufnahme und Zentralambulanz im Hohenloher Krankenhaus Öhringen. Dank der guten Kontakte mit den umliegenden Krankenhäusern, die selbst noch kaum Corona-Patienten hatten, konnten dann einige Patienten verlegt werden. "Die Kommunikation mit den anderen Krankenhäusern hat sehr gut funktioniert und so bekamen wir die Situation rasch unter Kontrolle", berichtet Nicole Bieszcz, die alle nur Nikki nennen. "Aber da habe ich mir gedacht, wie sollen wir das überstehen, wenn das so weitergeht?"

Alles war im Krisenmodus

Zwar hatte sich das Krankenhaus schon seit Mitte Februar auf die Pandemie vorbereitet und zunächst einige Zimmer und dann eine ganz Station für COVID-19-Patienten geräumt. "Aber dann ging alles Schlag auf Schlag", erzählt Nicole Bieszcz. "Seit Anfang März existierte im Hohenloher Krankenhaus nur noch Corona. Alles war im Krisenmodus."

Die stellvertretende Stationsleiterin war Teil des Krisenteams und bekam so alle Informationen aus erster Hand. "Meine Aufgabe war es die Dienstpläne für die Notaufnahme zu erstellen und die Leute einzuteilen." Problem: Gleich zu Beginn mussten einige Kolleginnen in Quarantäne. "Sie hatten Kontakt mit einem Patienten in der Notaufnahme, der sich später als positiv herausstellte. Obwohl das Testergebnis bei allen Kolleginnen negativ war, mussten sie 14 Tage zu Hause bleiben." In dieser Zeit kam personelle Unterstützung durch das OP-Team, da kaum noch operiert wurde und alle planbaren Eingriffe abgesagt waren. 

Corona hat das Team zusammengefügt

Um die Patientenströme von infektiösen bzw. Verdachtspatienten und nicht-infektiösen Notfallpatienten zu trennen, wurde Mitte März eine zweite Notaufnahme im Erdgeschoss eingerichtet. "An einem Nachmittag haben wir diese Corona-Ambulanz im Erdgeschoss aus dem Boden gestampft. Das war toll zu erleben, wie alle mitgeholfen haben, von der Technik, über die IT bis zur Materialwirtschaft, der Hygiene, den Ärzten und der Pflege war an einem Tag die komplette Ambulanz ausgestattet und einsatzfähig." Für die stellvertretende Stationsleiterin war durch die Zweiteilung allerdings noch mehr Organisation erforderlich. "Jetzt mussten wir zwei Stationen mit Personal besetzen: die Corona-Ambulanz im Erdgeschoss und die bisherige Notaufnahme im ersten Stock." 

Eine Herausforderung, denn Notaufnahme lässt sich nicht planen: wann wie viele Patienten kommen, ob nacheinander oder alle gleichzeitig - das ist in diesem Bereich des Klinikbetriebes schon zu normalen Zeiten nicht planbar und in Corona-Zeiten mitten im Hotspot Hohenlohe noch weniger. "Das ganze Team hat toll zusammengearbeitet, alle waren flexibel und hoch motiviert. Der Rückhalt durch die Kolleginnen und Kollegen war einfach super. Die haben nicht diskutiert, die waren einfach da - manchmal 12 Stunden am Tag." Da gab es dann auch keinen Unterschied mehr zwischen Kollegen aus Künzelsau und aus Öhringen. "Corona hat unser Team zusammengefügt", sieht Nicole Bieszcz als positiven Nebeneffekt.

Triage war nie ein Thema – zum Glück

"Sechs bis acht Wochen waren ziemlich intensiv für uns alle und es gab ein paar Tage, die waren richtig krass", blickt sie zurück. Vorsorglich hatte das Krisenteam sich auch mit dem Thema Triage beschäftigt, also welche Patienten behandelt werden sollen, wenn die Kapazitäten nicht mehr für alle ausreichen sollten, und welche dann nicht. "Ich habe das Triage-Konzept gelesen und hatte zum ersten Mal während der Corona-Pandemie Angst: Wenn es soweit kommen sollte, was macht das mit uns, mit meinen jüngeren Kolleginnen und Kollegen? Zum Glück ist diese Situation nie eingetreten", sagt Nicole Bieszcz und in ihrer Stimme ist noch immer Erleichterung hörbar.

Standards oder Erfahrungen gab es zu diesem frühen Zeitpunkt der Pandemie in Deutschland kaum, nur ein paar Informationen aus Italien.

Im Alltag in der Corona-Ambulanz stand das Team täglich vor neuen Entscheidungen: "Welche Patienten nehmen wir auf? Wen können wir nach einer ambulanten Behandlungen wieder nach Hause schicken? Welche Symptome und Kriterien sprechen für eine stationäre Aufnahme?" Standards oder Erfahrungen gab es zu diesem frühen Zeitpunkt der Pandemie in Deutschland kaum, nur ein paar Informationen aus Italien. "Wir haben dann relativ viele Patienten stationär aufgenommen - zum Glück, denn einige von ihnen verschlechterten sich plötzlich nach ca. einer Woche und wurden intensivpflichtig." Und davon waren längst nicht nur ältere Menschen betroffen. "Wir hatten auch Patienten mit Mitte 50, die einen schweren Verlauf hatten und sogar einen Patienten Anfang 20, der zunächst äußerlich noch ganz stabil wirkte, aber am Monitor eine extrem schlechte Sauerstoffsättigung zeigte und später auf Intensiv behandelt werden musste." 

Inzwischen, Mitte Mai, ist die Corona-Ambulanz im Hohenloher Krankenhaus wieder geschlossen; ganz langsam und stufenweise kehrt der Normalbetrieb ins Krankenhaus zurück. "Wir sind gut vorbereitet auf die Rückkehr zum Normalbetrieb", gibt sich Sr. Nicole zuversichtlich. "Wir haben in der Notaufnahme nach wie vor einen separaten Bereich für infektiöse Patienten, täglich kommen noch circa zwei bis drei Personen mit Verdacht auf eine Corona-Infektion." Diese werden bei Bedarf in getrennten Bereichen auf Station untergebracht. Außerdem wird jeder Patient, der zu einem geplanten Eingriff kommt, präoperativ abgestrichen. 

Nicole Bieszcz selbst kehrt langsam aus ihrer "sozialen Quarantäne" der letzten Wochen, die mit der Arbeit im Krankenhaus ausgefüllt waren, in den Alltag zurück. "Es war fast ein Schock als ich zum ersten Mal wieder Leute im Biergarten gesehen habe." Und obwohl sie kein Fußballfan ist, freut sie sich, dass es in den Nachrichten wieder um Bundesligaergebnisse geht und nicht nur um Corona. "Ich bin dankbar für jeden Tag mehr an Normalität."

Text: Ute Emig-Lange

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