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22.05.2020

„Das Ausmaß war heftiger, als ich mir vorgestellt hatte“

In Hohenlohe kam der Corona-Ausbruch recht früh und sehr heftig. In kurzer Zeit nahm das Krankenhaus in Öhringen viele COVID-19-Patienten auf. "In einer Woche haben wir so viel Material für die Beatmungsgeräte verbraucht, wie sonst in einem Vierteljahr", beschreibt der Leiter der Materialwirtschaft Martin Scholl die Entwicklung. Die Warenbeschaffung in Zeiten der Corona-Pandemie war eine besondere Herausforderung. 

Martin Scholl leitet die Materialwirtschaft im Hohenloher Krankenhaus Öhringen. Die Abhängigkeit von asiatischen Produzenten und Lieferanten für medizinisches Material sieht er sehr kritisch.
Martin Scholl leitet die Materialwirtschaft im Hohenloher Krankenhaus Öhringen. Die Abhängigkeit von asiatischen Produzenten und Lieferanten für medizinisches Material sieht er sehr kritisch.

Ganz früh befiel Martin Scholl eine Ahnung, dass sich da etwas zusammenbrauen könnte. Der Leiter der Materialwirtschaft im Hohenloher Krankernhaus Öhringen hatte im Januar von dieser neuartigen Grippe gehört, die sich in China rasch ausbreitete. Er ging zur Kaufmännischen Direktorin Melanie Junge und schlug vor, etwas mehr Schutzausrüstung einzukaufen als sonst üblich. Denn der Lagerraum im Hohenloher Krankenhaus ist begrenzt, der Warenbestand daher überschaubar, die Bestellmengen eher kleinteilig. "Aber alles, was dann kam, war heftiger als ich mir das nach den ersten Meldungen aus China je vorgestellt hatte - und zwar sowohl was die Geschwindigkeit wie auch das Ausmaß der Krise angeht", erinnert sich Martin Scholl an die erste Phase der Corona-Pandemie im März.  

Jeden Tag habe ich überlegt, wo bekomme ich neues Material für den Schutz der Kollegen her, wo kann ich vielleicht noch etwas beschaffen?

"Bei uns in Hohenlohe kam der Ausbruch ja ganz früh und ganz plötzlich." In kurzer Zeit nahm das Krankenhaus in Öhringen viele COVID-19-Patienten auf und bei einigen von ihnen verschlechterte sich der Zustand so dramatisch, dass sie beatmet werden mussten. "In einer Woche haben wir so viel Material für die Beatmungsgeräte verbraucht, wie sonst in einem Vierteljahr", beschreibt der Leiter der Materialwirtschaft die Entwicklung.  

Verbrauch an Material stieg rasant an

Im selben Ausmaß stieg der Verbrauch von Mund-Nasen-Schutz, FFP-2-Masken, Schutzkitteln, Handschuhen, Seife und Desinfektionsmittel. Scholl: "Die globalen Lieferketten haben ganz schnell nicht mehr funktioniert und auch die Lieferung durch die BBT-Zentrale in Koblenz wurde zunehmend schwieriger." Dazu kam es immer mal wieder zu Schwund und Verlust von Material. "Als Konsequenz haben wir die Schutzmaterialen dann kontingentiert und persönlich an die Mitarbeitenden verteilt. Die Angst, sich anzustecken war anfangs überall greifbar."

Martin Scholl trieb vor allem eine Sorge um: "Jeden Tag habe ich überlegt, wo bekomme ich neues Material für den Schutz der Kollegen her, wo kann ich vielleicht noch etwas beschaffen?" In dieser Zeit hätten sich vor allem langjährige Kontakte und persönliche Beziehungen zu Lieferanten bewährt. "Wir haben alle Lieferanten abtelefoniert und die Firma, die uns sonst mit Waschhandschuhen beliefert, konnte auch noch Masken beschaffen, das hat uns dann wieder drei, vier Tage gerettet."  

Verbundenheit in der Region

Auch die Spenden verschiedener Firmen aus der Region waren in dieser angespannten Situation enorm wichtig, ebenso wie die Zusammenarbeit mit dem Caritas-Krankenhaus in Bad Mergentheim. "Der Zusammenhalt und die Verbundenheit in der Region - sei es durch die regionalen Zulieferer, die Spenden der Firmen oder den guten Austausch mit dem Caritas-Krankenhaus - haben uns sehr geholfen." Für den Leiter der Materialwirtschaft hat sich gezeigt: "Dinge, die gut funktionieren und sich bewährt haben, funktionieren auch in Zeiten der Krise - und es sind die persönlichen Kontakte in der Region, die zählen."

Krise schweißt das Team noch mehr zusammen

Dies gilt für ihn auch in der Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen im Haus. "Diejenigen, die auch sonst den Karren ziehen, waren da und haben verlässlich Hervorragendes geleistet. Einen ganz großen Dank an meine Kolleginnen", lobt der Abteilungsleiter. "Die Krise schweißt unser Team noch einmal zusammen, und man weiß, auf wen man sich verlassen kann." 

Inzwischen hat sich die Liefersituation zwar etwas entspannt, aber die wirtschaftlichen Auswirkungen allein im Bereich der Materialwirtschaft sind nach Einschätzung von Martin Scholl enorm. "Wir mussten Ware zu deutlich überhöhten Preisen ans Lager nehmen. Während ein Mund-Nasen-Schutz vor der Corona-Pandemie etwa sechs Cent gekostet hat, war es zu Corona-Hochzeiten mehr als ein Euro pro Stück. Aktuell liegt der Preis bei etwa 50 bis 60 Cent - und er wird wohl nicht mehr zu dem ursprünglichen Ausgangsniveau zurückkehren." Hier werde die Abhängigkeit der Lieferanten von Produzenten aus Asien spürbar.          

Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sind enorm. Das hätte sich wohl vorher niemand vorstellen können.

Diese Abhängigkeit zu mindern, ist für ihn ein Auftrag an die Politik für die kommenden Monate. Er selbst blickt mit gemischten Gefühlen auf die kommenden Wochen. "Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sind enorm. Das hätte sich wohl vorher niemand vorstellen können. Und niemand hat ein Interesse daran, dass die Zahl der Infizierten wieder ansteigt, aber man muss jetzt lockern." 

Text: Ute Emig-Lange

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