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22.05.2020

„Erstaunlich wie so eine Krise zusammenschweißt“

Als stellvertretende Stationsleitung der Station 1 im Hohenloher Krankenhaus erstellte Marion Wielki in den ersten Corona-Wochen zusammen mit ihren Kolleginnen nicht nur Dienstpläne und teilte die Pflegekräfte ein, sondern war auch wichtige Kontaktperson für COVID-Patienten und ihre Angehörigen. Eine besonders positive Erfahrung für sie in der Zeit war der Zusammenhalt in den Teams – auch über die Stationen und Abteilungen hinweg.

Marion Wielki kümmert sich als Stationsleitung nicht nur um Dienstpläne, sondern ist mit ihrem Team auch für die Covid-19-Patienten und ihre Angehörigen eine wichtige Kontaktperson.
Marion Wielki kümmert sich als Stationsleitung nicht nur um Dienstpläne, sondern ist mit ihrem Team auch für die Covid-19-Patienten und ihre Angehörigen eine wichtige Kontaktperson.

Langsam aber doch stabil zeichnet sich eine Entspannung bei der Zahl der Corona-Patienten im Hohenloher Krankenhaus Öhringen ab. Für Marion Wielki, stellvertretende Stationsleitung der Station 1 dennoch kein Grund zum Ausruhen. Wieder muss sie Dienstpläne neu schreiben, Personal neu einteilen, Mitarbeitende auf Bereichen mit infektiösen bzw. Verdachtspatienten von anderen nicht-infektiösen Bereichen trennen. Auch das allmähliche „Hochfahren“ des Krankenhausbetriebes erfordert Organisationstalent und Flexibilität von allen Mitarbeitenden im Hohenloher Krankenhaus.

Das ist eine positive Erfahrung aus diesen Wochen: dieser Zusammenhalt in den Teams auch über die Stationen und Abteilungen hinweg. Alle haben überall zusammen geholfen.

Doch wie zu Beginn der Krise Anfang März kann Marion Wielki auf ihr Team zählen. „Das ist eine positive Erfahrung aus diesen Wochen: dieser Zusammenhalt in den Teams auch über die Stationen und Abteilungen hinweg. Alle haben überall zusammen geholfen“, blickt die erfahrene Krankenschwester zurück. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen Nicole Bieszcz und Martina Schmidt erstellte Marion Wielki in den ersten „Corona“-Wochen die Dienstpläne und teilte die Pflegekräfte ein. „Die ganzen Abläufe im Haus haben sich durch die Corona-Pandemie geändert, die Operationen und Eingriffe wurden praktisch komplett bis auf die Notfallversorgung zurückgefahren, dafür kamen schon früh viele Patienten mit einer SARS-CoV-2-Infektion zu uns. Hohenlohe war ja einer der ersten Hotspots in Deutschland“, berichtet Wielki. „Und viele Dinge waren am Anfang einfach nicht bekannt.“ 

Der Zustand konnte sich schnell ändern

Was die Ärzte und Pflegekräfte auf den Isolierstationen schnell lernten: der Zustand der Patienten konnte sich ohne Vorwarnung rapide verschlechtern. Wer eben noch stabil schien, konnte innerhalb weniger Stunden intensivpflichtig werden. „Weil der Zustand so schnell kippen kann, mussten wir noch mehr als sonst auf die Patienten achten. Mindestens jede halbe Stunde war eine Kollegin im Zimmer und schaute nach dem Patienten, mehrmals am Tag wurden Blutgasanalysen und weitere Messungen durchgeführt.“

Besonders schmerzlich musste sie diese Erfahrung bei einer der ersten COVID-19-Patientinnen im Haus machen. „Das war die Mutter einer ehemaligen Kollegin. Ihr Zustand verschlechterte sich ganz plötzlich und nach circa zwei Wochen ist sie dann bei uns verstorben“, erzählt Marion Wielki. „Jeden Tag hat die ehemalige Kollegin angerufen und sich nach ihrer Mutter erkundigt, sie durfte sie in den zwei Wochen ja nicht besuchen. Da habe ich schon sehr mitgelitten“, räumt die 58-Jährige mit leiser Stimme ein und senkt den Blick. 

Viele Patienten litten unter der Einsamkeit

Gerade die Einsamkeit machte vielen Covid-Patienten zu schaffen. „Die meisten Patienten waren wegen der Quarantänebestimmungen alleine im Zimmer und wir Pflegenden und Ärzte waren die einzigen Kontakte am Tag – und noch dazu vermummt unter der Schutzausrüstung. Darunter haben viele Patienten gelitten.“ Auch die Angehörigen, die sich mit ihren Sorgen und Ängsten per Telefon an die Pflegenden wandten. „Neben unserer eigentlichen Arbeit haben wir täglich viele Telefongespräche mit Angehörigen geführt, die sich besorgt nach dem Zustand ihrer Lieben erkundigt haben.“ Eine zusätzliche Belastung für Kolleginnen und Kollegen auf Station. Eine Erleichterung war da die Unterstützung durch die Pflegeschülerinnen und Pflegeschüler, die viel Routinearbeit abnehmen konnten. „Die haben uns ganz toll geholfen und waren echt top“, lobt Marion Wielki. „Ohne die hätten wir es nie geschafft.“ 

Gefühl der Zusammengehörigkeit und Teamgeist

Hier ist es wieder – dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit und der Teamgeist. „Erstaunlich wie so eine Krise zusammenschweißt, auch Kollegen aus dem Labor, aus dem Röntgen oder Frau Junge aus dem Direktorium haben uns unterstützt, waren persönlich da und haben gefragt, was wir auf der COVID-Station brauchen.“ Marion Wielki hofft, dass das über die Corona-Phase hinaus erhalten bleibt. „Denn auch jetzt stehen wir jeden Tag vor einer neuen Herausforderung“, betont sie. Noch ist die Corona-Pandemie nicht zu Ende und wie schnell die Zahl der Infektionen ansteigen kann, ist in Hohenlohe noch gut in Erinnerung. Deshalb bleiben Betten und Stationen für Corona-Patienten reserviert, Intensivbetten für COVID-19-Kranke gesperrt.

Vieles ist inzwischen Routine, wie etwa das Anlegen der Schutzausrüstung mit Schutzkittel, Handschuhen, Mund-Nasen-Schutz und Visier vor dem Betreten eines Isolationszimmers. „Das läuft inzwischen schnell und dauert nur wenige Minuten“, erzählt die erfahrene Krankenschwester. Die anfängliche Angst sich selbst mit dem SARS-CoV-2-Virus zu infizieren, ist längst verflogen. „Die Arbeit hat das recht schnell verdrängt und außerdem war für uns immer genug Schutzausrüstung da. Das war und ist ein beruhigendes Gefühl.“    

Nicht Applaus vom Balkon oder eine Einmalprämie, sondern einfach die Anerkennung und die Wertschätzung für das, was wir in unserem Job jeden Tag leisten.

Auch privat hat sie versucht, sich vor einer möglichen Infektion zu schützen und den Kontakt zu Freunden und Bekannten gemieden. „Aber in der Familie selbst geht das gar nicht. Meine Kinder und Enkel sind oft bei uns.“ Sich wieder mit Freunden und Bekannten etwa zum wöchentlichen Sauna-Gang zu treffen und mit ihrem Mann essen zu gehen, darauf freut sich Marion Wielki schon jetzt. „Ich bin außerdem gespannt, ob und wie sich die Arbeit künftig verändern wird.“ Eines wünscht sie sich dabei vor allem: „Nicht Applaus vom Balkon oder eine Einmalprämie, sondern einfach die Anerkennung und die Wertschätzung für das, was wir in unserem Job jeden Tag leisten.“   

Text: Ute Emig-Lange

 
 

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