Zur Unternehmensseite
10.06.2020

„Wir haben in der Corona-Pandemie das Maximale aus den Möglichkeiten des Hauses herausgeholt“

Durch Corona veränderte sich einiges - auch im Krankenhausalltag von Jan Dieterich, Chefarzt der Orthopädie und Endoprothetik am Hohenloher Krankenhaus Öhringen (HK). Gehörten vorher geplante Operationen zu seiner täglichen Arbeit, wurden diese Mitte März gestrichen und nur noch dringende Notfälle behandelt. Seine gewohnte Beschäftigung tauschte er gegen eine neue Aufgabe und wurde als Corona-Stabsstelle Teil des COVID-Krisenteams im Hohenloher Krankenhaus.

Jan Dieterich ist Chefarzt der Orthopädie und Endoprothetik am Hohenloher Krankenhaus Öhringen. In der Coronazeit übernahm er als COVID-Stabsstelle des Hohenloher Krankenhauses eine neue Aufgabe und wurde Teil des COVID-Krisenteams.
Jan Dieterich ist Chefarzt der Orthopädie und Endoprothetik am Hohenloher Krankenhaus Öhringen. In der Coronazeit übernahm er als COVID-Stabsstelle des Hohenloher Krankenhauses eine neue Aufgabe und wurde Teil des COVID-Krisenteams.

Acht Wochen ohne geplante Operationen - seit Jan Dieterich als Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie tätig ist, hat er noch nie eine so lange Zeit ohne Eingriffe an Knochen und Gelenken verbracht. "Seit 16. März war nichts mehr wie vorher", erinnert sich der Chefarzt der Orthopädie und Endoprothetik am Hohenloher Krankenhaus Öhringen. "Alle planbaren OPs wurden gestrichen, nur noch die dringenden Notfälle wurden behandelt. Auch die Sprechstunden in den Ambulanzen wurden praktisch auf Null heruntergefahren. Die Versorgung von COVID-19-Patienten hatte absolute Priorität." Dadurch war er von einem Tag auf den anderen nahezu ohne seine gewohnte Beschäftigung in der Klinik. Er übernahm dafür bald eine neue Aufgabe: Jan Dieterich wurde COVID-Stabstelle des HK und Teil des COVID-Krisenteams im Hohenloher Krankenhaus. "Es begannen wahnsinnig intensive Wochen mit Sitzungen, Besprechungen, Telefonaten  - und einer Flut an Informationen, die verarbeitet werden mussten."

Jeden Tag neue Informationen

Neben dem Direktorium und den Chefärzten saßen im COVID-Krisenteam auch die Stationsleitungen, die Leiter von Personalabteilung und Materialwirtschaft sowie die Hygienefachkräfte und steuerten gemeinsam den Umgang mit der Corona-Krise. "Zunächst ging es darum, die wichtigsten Grundinformationen einzuholen und zu klären, welche Bestimmungen für uns gelten. Ständig gab es neue Richtlinien des Robert-Koch-Instituts, der Landesregierung, des Landkreises und des Gesundheitsamtes im Kreis sowie täglich mehrseitige Mitteilungen der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG) zu allen möglichen Fragen, dazu aktuelle medizinische Studien zum Corona-Virus SARS-CoV-2. Die mussten ausgewertet und für uns umgesetzt werden", beschreibt Dieterich die Situation Mitte März. Vor allem das Fachwissen und die langjährige Erfahrung der beiden Hygienefachkräfte im Haus - Heike Kretzschmar und Ulrike Hanselmann - waren in dieser Situation sehr wertvoll. "Die beiden haben wahnsinnig viel gearbeitet und gemeinsam haben wir die Verhaltensregeln für das Personal im Umgang mit der Schutzkleidung und die Ausstattung der Isolierstationen festgelegt."

Jede COVID-19-Station wurde mit einer Schleuse versehen, durch die der Zugang nur noch in Schutzkleidung möglich war; auch auf der Intensivstation wurde vor jedem COVID-19-Zimmer eine Schleuse eingerichtet, in der die Mitarbeiter ihre Schutzkleidung anlegen können. "Ich selbst lebte quasi in der Schleuse, die direkt vor dem Zugang zu meinem Büro eingerichtet wurde. Zeitweise wurde außerdem mein Untersuchungszimmer zum Büro der Anästhesisten umfunktioniert, weil deren Räume für die Corona-Ambulanz geräumt wurden."

Ansprechpartner und Schnittstelle

Als Koordinator war Dieterich Ansprechpartner und Schnittstelle zwischen den unterschiedlichen Bereichen. "Gemeinsam mit dem Anästhesisten Dr. Holger Wolff habe ich Begehungen auf der Intensivstation gemacht, um die Frage zu klären, wie wir zusätzliche Intensivplätze einrichten können. Wie viele Bettenplätze, Beatmungsgeräte und Personal wären rekrutierbar? Als die Corona-Ambulanz im Erdgeschoss eingerichtet wurde, habe ich gemeinsam mit der Pflegedienstleitung der Ambulanz, der IT und der Medizintechnik geregelt, welche Ausstattung dort vorhanden sein muss. Von der medizinischen Ausstattung, über den PC und den Schreibtisch bis hin zu einem neuen Röntgengerät - all diese Dinge mussten schnell bereitgestellt werden. In der Geburtshilfe habe ich zusammen mit Dr. Drößler überlegt, wie wir die Gebärenden am besten vor einer möglichen Infektion schützen können, welche Kreißsäle wir wie trennen und wie die Reinigung dort organisiert werden kann." Und alles musste im COVID-Krisenteam zusammengeführt und die Entscheidungen dann an die Mitarbeitenden kommuniziert werden. "Die ersten zwei, drei Wochen waren wahnsinnig intensiv, eine absolute Hochdruckzeit, bis die Regelungen klar waren und die Abläufe sich allmählich eingespielt hatten." 

Die ersten zwei, drei Wochen waren wahnsinnig intensiv, eine absolute Hochdruckzeit, bis die Regelungen klar waren und die Abläufe sich allmählich eingespielt hatten.

Trotz der hohen Arbeitsbelastung zieht Jan Dieterich für sich eine durchweg positive Bilanz: "Ich habe in dieser kurzen Zeit unglaublich viel gelernt, nicht nur über Hygiene, sondern auch Informationen zu beschaffen, zu organisieren, zu delegieren und zu koordinieren. Und hier im Krankenhaus habe ich ganz viele Bereiche und Leute kennengelernt, mit denen ich vorher kaum zu tun hatte. Ich weiß jetzt genau, auf wen ich zugehen muss und wer bei welchen Problemen weiterhelfen kann."

Als Kollegen zusammengewachsen

Auch mit Blick auf das Hohenloher Krankenhaus fällt sein Fazit positiv aus: "Wir waren gut vorbereitet, als die ersten Patienten kamen und haben das Maximale aus den Möglichkeiten des Hauses und des Personals herausgeholt. Die Patienten waren immer gut versorgt und wir sind nie an die Grenze unserer Kapazitäten gekommen - auch weil wir bei Bedarf in andere Krankenhäuser verlegen konnten. Hier hat uns die gute Zusammenarbeit mit den SLK-Kliniken in Heilbronn und Löwenstein wirklich sehr geholfen, wofür wir sehr dankbar sind." Und noch einen Vorteil sieht der Chefarzt: "Wir sind in dieser Zeit als Kollegen im Hohenloher Krankenhaus wirklich zusammengewachsen. Die Leute haben sich engagiert, sind kreativ geworden und haben eigene Ideen entwickelt. Manche haben sogar von zuhause angerufen und ihre Hilfe angeboten oder Lösungen vorgeschlagen - das war großartig!" Für ihn macht das auch den Charme des Hohenloher Krankenhauses aus. "In einem kleineren Haus wie hier in Öhringen kennt man sich, ich kann die Leute direkt ansprechen, wir tauschen uns persönlich aus und besprechen die Themen vor Ort. Die Dienstwege sind kurz und das ermöglicht schnelle Lösungen, was wirklich Spaß und Freude bei der Arbeit bringt."

Dennoch freut sich Dieterich jetzt wieder auf die Rückkehr zum Normalbetrieb und in den OP. Seit wenigen Tagen ist seine Ambulanz wieder in Betrieb und er hat gerade den ersten OP-Tag hinter sich: zwei Patientinnen, die schon seit Wochen auf eine neue Hüfte gewartet haben.

Text: Ute Emig-Lange

Diese Website verwendet Cookies.
Diese Webseite nutzt externe Komponenten, wie z.B. Karten, Videos oder Analysewerkzeuge, welche alle dazu genutzt werden können, Daten über Ihr Nutzungsverhalten zu sammeln. Personenbezogene Daten werden von uns nicht erhoben und bedürfen, wie z. B. bei der Nutzung von Kontaktformularen, Ihrer expliziten Zustimmung. Weitere Informationen zu den von uns verwendeten Diensten und zum Widerruf finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen. Ihre Einwilligung dazu ist freiwillig und für die Nutzung der Webseite nicht notwendig.