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10.06.2020

„Ich habe sogar nachts vom Telefonklingeln geträumt“

Welche Schutzmaske ist wann die Richtige? Sind Kopfhaube und Visier erforderlich? Wie legt man die  Schutzkleidung nochmal richtig an? Hygienefachkraft Heike Kretzschmar und ihre Kollegin Ulrike Hanselmann  wurden zu den wichtigsten Beraterinnen in Hygienefragen im Hohenloher Krankenhaus Öhringen und der Hohenloher Seniorenbetreuung. 

Fragen über Fragen erreichten Heike Kretzschmar, Hygienefachkraft im Hohenloher Krankenhaus Öhringen. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Ulrike Hanselmann beriet sie die Kollegen fast rund um die Uhr.
Fragen über Fragen erreichten Heike Kretzschmar, Hygienefachkraft im Hohenloher Krankenhaus Öhringen. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Ulrike Hanselmann beriet sie die Kollegen fast rund um die Uhr.

Auf der Beliebtheitsskala standen Hygienefachkräfte im Krankenhaus bis vor kurzem sicher nicht auf Platz eins. Die Aufgabe der hochqualifizierten Pflegefachkräfte ist es, zu kontrollieren, ob alle krankenhaushygienischen Maßnahmen auf Station richtig umgesetzt, ob Richtlinien eingehalten und Schulungen regelmäßig wahrgenommen werden. Sie treten auf den Plan, wenn irgendwo gehäuft Infektionen auftreten und erstellen Arbeitsanweisungen und Hygienepläne - Aufgaben, die normalerweise nicht auf Gegenliebe stoßen.  

Doch einen normalen Alltag gibt es seit Anfang März im Hohenloher Krankenhaus Öhringen nicht mehr, und seither erfährt Heike Kretzschmar so viel Sympathie bei ihren Besuchen auf Station wie nie zuvor. "Früher hieß es immer: Oje, die Hygiene kommt schon wieder; jetzt heißt es: Oh schön, dass die Hygiene vorbeikommt und nach uns schaut", beschreibt die 58-Jährige die Veränderung in den vergangenen Wochen. Sie hat sich diesen positiven Stimmungswandel gemeinsam mit ihrer Kollegin Ulrike Hanselmann in den Tagen der Corona-Pandemie durch ihre Fachkompetenz redlich erarbeitet und auch dadurch, dass sie für die Fragen der Kolleginnen und Kollegen rund um die Uhr erreichbar war und ist.  

Sogar nachts erreichbar

"Das Telefon hörte gar nicht mehr auf zu klingeln. Welche Schutzmaske, soll ich in welcher Situation tragen? Wann brauche ich einen Schutzkittel? Sind Kopfhaube und Visier erforderlich? Kann man das nach einer Desinfektion wieder verwenden oder nicht? Und welches Desinfektionsmittel ist überhaupt geeignet? Wie war das nochmal mit dem richtigen Ablegen der Schutzkleidung? Ein Arbeitskollege meiner Frau ist positiv, muss ich jetzt in Quarantäne und mich auch testen lassen?"  

Die Fragen kamen rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche. Und auch während des Gesprächs an diesem Vormittag soll Heike Kretzschmar am Telefon entscheiden, ob der neue Patient aus dem betreuten Wohnen ohne Symptome nun auf SARS-CoV-2 getestet werden soll oder nicht. Heike Kretzschmar ist und war immer erreichbar, legte das Handy sogar neben das Bett. "Als es nach einiger Zeit etwas ruhiger wurde, habe ich nachts sogar vom Telefonklingeln geträumt."

Für uns als Hygienefachkräfte war das ja etwas völlig Neues. Es gab noch keine Standards, keine Strukturen, das mussten wir uns alles erst erarbeiten.

Die Unsicherheit gerade zu Beginn der Pandemie war groß, denn mit diesem Virus hatte niemand Erfahrung. "Das Corona-Virus SARS-CoV-2 hat sich anfangs bei uns in Hohenlohe rasend schnell ausgebreitet, das war echt dramatisch", erinnert sich Heike Kretzschmar, "und auch für uns als Hygienefachkräfte war das ja etwas völlig Neues. Es gab noch keine Standards, keine Strukturen, das mussten wir uns alles erst erarbeiten." Fast täglich hatte sie Absprachen mit dem Ärztlichen Direktor und Hygiene verantwortlichen Arzt Dr. Werner Reinosch. "Welche Hygieneregeln gelten aktuell? Was sagt das RKI? Wer wird getestet? Durch wen? Mit welchem Tupfer? Welches Labor wertet die Tests aus? - Diese Fragen mussten wir in kürzester Zeit klären, Verfahrensanweisungen erstellen und Abläufe festlegen." Auch die Mitarbeiter vom Labor waren dabei gefragt.

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten etablierte sich die Zusammenarbeit mit dem Labor des Diak unter Leitung von Dr. Völker. Während die Testergebnisse anfangs erst nach drei bis vier Tagen eintrafen, liegen sie heute spätestens am Folgetag vor. "Das klappt wirklich sehr gut", betont Heike Kretzschmar. Großes Lob hat sie auch für die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt des Hohenlohekreises und vor allem der Leiterin Dr. Haak-Erdmann. "Wir haben uns ganz eng ausgetauscht und ich konnte sie in dringenden Fällen auch privat anrufen, sie war immer erreichbar und hat sich um die Klärung der Fragen gekümmert." 

Festes Mitglied in den COVID-Krisenteams

Sowohl im Hohenloher Krankenhaus wie für die Hohenloher Seniorenbetreuung wurden COVID-Krisenteams eingesetzt mit zeitweise täglichen Besprechungen. Immer dabei: Heike Kretzschmar oder ihre Kollegin Ulrike Hanselmann. Die beiden wurden zu den wichtigsten Beraterinnen in Hygienefragen: Wie richtet man Schleusen zu den Isolierzimmern und -stationen ein? Wie trennen wir Patientenströme? Wie verhindern wir eine Verbreitung des Virus im Seniorenheim? Wer muss wann welche Schutzausrüstung tragen? Unter welchen Bedingungen müssen Mitarbeitende getestet werden, wie lange müssen sie in Quarantäne bleiben, wann dürfen sie wieder arbeiten? - Immer mussten die beiden Hygienefachkräfte auf dem aktuellen Stand sein, die RKI-Informationen verfolgen und für die praktische Umsetzung der Vorgaben in Krankenhaus und Seniorenzentren sorgen.

Fragen beantworten und Entwicklung dokumentieren

Um immer erreichbar zu sein, richteten die beiden einen Schichtdienst ein: "Ich arbeitete meistens von 6 bis 14 Uhr, Ulrike Hanselmann dann von 14 bis 22 Uhr", berichtet Heike Kretzschmar. "Morgens mussten viele aktuelle Fragen geklärt werden, meine Kollegin kümmerte sich dann gegen Abend, wenn es ruhiger wurde, um die Dokumentation und Erfassung der Zahlen, um die aktuelle Entwicklung verfolgen zu können." Denn auch die Dokumentation der Infektionsfälle und die Weitergabe an das Gesundheitsamt gehören zu den Aufgaben der Hygienefachkräfte.   

Dazu gehört auch, den getesteten Kolleginnen und Kollegen aus dem Krankenhaus und den Seniorenheimen die Befunde der SARS-CoV-2-Tests zu übermitteln. "Die Freude und Erleichterung auf der einen Seite, aber auch die Fragen und Sorgen bei einem positiven Testergebnis haben zu vielen intensiven Gesprächen und persönlichen Kontakten geführt", erzählt Heike Kretzschmar. Für die Zukunft wünscht sie sich, dass diese Kontakte zu den Kollegen auch über die Krise hinaus bestehen bleiben. Und noch etwas hat sie sich vorgenommen: Sie will nach der Pandemie eher noch mehr Hygienebegehungen und Schulungen für Ärzte und Pflegende durchführen - ganz gleich, ob sie dafür Sympathien erntet.

Text: Ute Emig-Lange

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