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10.06.2020

Am Empfang läuft alles zusammen

Einlasskontrolle, Infobörse und Seelentröster - auch die Mitarbeiterinnen am Empfang im Hohenloher Krankenhaus sind während der Corona-Pandemie besonders gefordert. Andrea Fischer und Erika Ziegler sind für viele der erste Kontakt im Haus und leiten Patienten, Anrufer und Dinge von Angehörigen an die richtige Stelle weiter.

Immer mit der Ruhe: Erika Ziegler und Andrea Fischer leiten am Empfang des Hohenloher Krankenhauses Öhringen alle an die richtige Stelle weiter.
Immer mit der Ruhe: Erika Ziegler und Andrea Fischer leiten am Empfang des Hohenloher Krankenhauses Öhringen alle an die richtige Stelle weiter.

Ein junger Mann mit einer Fußverletzung humpelt auf den Eingang zu und wird von Andrea Fischer gleich weitergeleitet zur Notaufnahme im ersten Stock; zur Sicherheit telefoniert sie mit den Kollegen dort und kündigt den Patienten an. Auch bei der älteren Dame, die zur Herzschrittmacherkontrolle kommt, fragt die Leiterin der Information am Eingang des Hohenloher Krankenhauses in Öhringen erst noch mal bei den Kardiologen nach, ob die Patientin tatsächlich dort erwartet wird. Eine Frau, die eine Schale Erdbeeren für den Schwiegervater auf Station 2 abgibt; eine andere, die frische Wäsche für die Oma bringt, die zurzeit als Patientin im Öhringer Krankenhaus liegt. 

Jedes Mal erklärt Andrea Fischer geduldig und in ruhigem Ton, dass die Wäsche und auch die Tasche mit den Erdbeeren mit dem Namen der Patienten beschriftet werden müssen. Und nein - Besuche sind im Hohenloher Krankenhaus noch nicht erlaubt, und ja - alle im Haus müssen einen Mundschutz tragen. Dazwischen klingelt permanent das Telefon, Fischers Kollegin Erika Ziegler stellt Anrufer durch auf Station oder zu den Ärzten, beantwortet Fragen und ruft ein Taxi für den Patienten, der gerade entlassen wurde.

Manche sind den Tränen nahe, andere wurden sogar aggressiv und haben uns beschimpft.

Die Information an der Pforte des Hohenloher Krankenhauses Öhringen ist zu Corona-Zeiten ein wenig von allem: Einlasskontrolle, Paketdienst, Wegweiser, Telefonauskunft, Hotline, Infobörse, Beschwerdestelle und manchmal auch Seelentröster. "Viele wollen nicht akzeptieren, dass wir während der Corona-Pandemie keine Besucher zulassen dürfen. Vor allem die Männer, die zu ihren Frauen und Neugeborenen wollen, können das nicht verstehen", erzählt Andrea Fischer. "Manche sind den Tränen nahe, andere wurden sogar aggressiv und haben uns beschimpft", ergänzt Erika Ziegler. "Dabei machen wir die Regeln nicht, wir setzen sie nur um." Da hilft auch der Hinweis nicht, dass jeder Besucher das Risiko einer Infektion für die Menschen im Krankenhaus erhöht - auch für die anderen Mütter auf der geburtshilflichen Station.  

Strenge Regeln galten auch im Hohenloher Krankenhaus

Um dieses Risiko nach Möglichkeit auf ein Minimum zu senken, wurden im Hohenloher Krankenhaus Öhringen am 13. März entsprechend der Vorgabe des Landes Baden-Württemberg alle Besuche verboten, die planbaren elektiven Eingriffe auf einen späteren Zeitpunkt verschoben und nur noch Notfallpatienten behandelt - und natürlich COVID-19-Patienten. "Ich kann mich genau an diesen Freitag erinnern: Der Haupteingang wurde geschlossen, alle mussten von da an am Seiteneingang klingeln und sich dann bei uns an der Information melden", berichtet Andrea Fischer jetzt, zwei Monate später. Hier wurde jeder nach Risikogebieten und Corona-Symptomen befragt und dann entweder in die Corona-Ambulanz im Erdgeschoss oder in die allgemeine Notaufnahme im ersten Stock weitergeschickt. Besucher wurden abgewiesen und nur in Ausnahmefällen, etwa zur Begleitung von sterbenden Patienten, eingelassen.

Niemand im Team hat sich infiziert

Erst einige Tage später wurden die Plexiglasscheiben und Absperrungen zum Schutz der Info-Mitarbeiterinnen installiert, die seither alle auf Abstand von der Informationstheke halten - mit Erfolg: keine der Mitarbeiterinnen aus dem Team von Andrea Fischer hat sich mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2 infiziert. Insgesamt neun Kolleginnen wechseln sich zurzeit im Dienst an der Information ab; ein zusätzlicher Tagdienst von 8.30 Uhr bis 16.45 Uhr wurde eingerichtet, um den hohen Arbeitsanfall bewältigen zu können; nachts ist eine Mitarbeiterin im Einsatz, die dann auch die Aufnahmen zum Beispiel der Schwangeren übernimmt. "Zum Glück sind die Kolleginnen aus Künzelsau inzwischen bei uns, und am Wochenende haben uns auch noch Kollegen aus der Physiotherapie unterstützt. Sonst hätten wir das nicht geschafft", sagt Erika Ziegler.  

Die resolute 53-Jährige bringt so leicht nichts aus der Ruhe. Auch dem Partner der hochschwangeren Frau, die zur Geburtsanmeldung in den Kreißsaal kommt, erklärt sie in sachlichem und freundlichem Ton, dass er an diesem Nachmittag nicht mit ins Krankenhaus kommen kann. Den Routinetermin muss die Schwangere allein wahrnehmen, Väter sind zurzeit nur während der Geburt zugelassen. Die Argumente von Erika Ziegler und den Verweis auf die Infektionsgefahr will der Ehemann nicht gelten lassen und beginnt zu diskutieren. "Je länger die Corona-Pandemie und die Einschränkungen dauern, umso weniger Verständnis haben die Menschen für die Auflagen", sagt Andrea Fischer und schaut besorgt. "Manchmal denke ich, der klare Menschenverstand kommt allmählich abhanden." Für längere Ausführungen und Gedankenspiele hat die 62-Jährige jetzt allerdings keine Zeit, denn schon wieder klingelt das Telefon.    

Papa darf bei der Geburt dabei sein

Diesmal will ein niedergelassener Arzt zum diensthabenden Internisten verbunden werden. Und auch das nächste Ehepaar steht an der Eingangstür und muss nicht erst lange erklären, wohin es will. Die hochschwangere Frau krampft unter den Wehen und Erika Ziegler winkt die beiden durch zum Kreißsaal in den dritten Stock. Es wird wohl heute noch einen neuen Öhringer Erdenbürger geben - und der Papa darf selbstverständlich dabei sein, wenn er oder sie das Licht der Welt im Hohenloher Krankenhaus erblickt.

Text: Ute Emig-Lange

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