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22.05.2020

„Der frühe Hotspot in Hohenlohe war Glück im Unglück“

Der Anästhesist und Intensivmediziner Dr. Holger Wolff berichtet über die Versorgung der schwer kranken COVID-19-Patienten im Hohenloher Krankenhaus Öhringen. Gemeinsam mit seinem Team hatte er Anfang März ihre Betreuung auf der Intensivstation übernommen. „Mit unserer Erfahrung im Hotspot Hohenlohe sind wir für die Zukunft gut vorbereitet“, sagt er.   

Dr. Holger Wolff ist Facharzt für Anästhesiologie, Spezielle Intensivmedizin und Notfallmedizin. Er und sein Team übernahmen die Betreuung der schwer erkrankten COVID-19-Patienten auf der Intensivstation des Hohenloher Krankenhauses Öhringen.
Dr. Holger Wolff ist Facharzt für Anästhesiologie, Spezielle Intensivmedizin und Notfallmedizin. Er und sein Team übernahmen die Betreuung der schwer erkrankten COVID-19-Patienten auf der Intensivstation des Hohenloher Krankenhauses Öhringen.

Als Anästhesist organisiert Oberarzt Dr. Holger Wolff normalerweise den Alltag im OP und ist für die Narkose und Schmerzausschaltung der operierten Patienten zuständig. Die Dauer der angesetzten Operationen kennt er aus Erfahrung, die Absprache mit den Chirurgen und Operateuren der anderen medizinischen Fachabteilungen ist eingespielt, die Abläufe sind durchgeplant. „In der Corona-Phase hat sich unser Alltag komplett verändert. Der Regelbetrieb im OP wurde bis auf die Notfalleinsätze massiv zurückgefahren, dafür war die  Belastung auf der Intensivstation enorm hoch. Wir standen jeden Tag vor neuen Herausforderungen und mussten uns schnell auf die neuen Erfordernisse einstellen“, erzählt der Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin. Gemeinsam mit seinem Team hatte er Anfang März die Betreuung der schwer erkrankten COVID-19-Patienten auf der Intensivstation übernommen. „Wir wussten nie, wie viele Patienten kommen und wieviel Personal wir zur Verfügung halten mussten, das hat sich ständig geändert und erforderte von allen Mitarbeitenden viel Flexibilität.“ 

In der Corona-Phase hat sich unser Alltag komplett verändert. Wir standen jeden Tag vor neuen Herausforderungen und mussten uns schnell auf die neuen Erfordernisse einstellen.

Anfangs standen auf der Intensivstation sieben Betten zur Verfügung, davon sechs mit Beatmungskapazitäten. „Wir haben dann schnell fünf weitere Plätze eingerichtet, um für den Notfall gerüstet zu sein.“ Die hohe Zahl an intensivpflichtigen COVID-19-Patienten war für alle eine Herausforderung. „Die Patienten werden zunächst in Narkose versetzt, damit wir den Beatmungsschlauch  einführen können. Zugänge werden gelegt für die Infusionen, ein Blasenkatheter, eine Magensonde, oft folgen noch ein EKG und ein Ultraschall. Die beatmeten Patienten müssen außerdem regelmäßig gelagert, gedreht und natürlich komplett gepflegt werden – und das alles mit Schutzkittel, Maske und Handschuhen. Das Atmen unter der Schutzmaske ist auf Dauer anstrengend und macht müde; und dazu kommt die Unsicherheit, wie lange diese Situation noch andauert“, schildert Dr. Holger Wolff die Situation während der Hochphase der Pandemie. 

Gesicherte Versorgung vor Ort

Das Pech mit dem frühen Hotspot in Hohenlohe habe sich, rückblickend betrachtet, für das Hohenloher Krankenhaus und seine Patienten als Glück im Unglück erwiesen. „Die umliegenden Krankenhäuser hatten selbst noch kaum Corona-Patienten aus ihrer Region zu versorgen und viele Kapazitäten frei. So konnten wir Intensivpatienten bei Bedarf problemlos weiterverlegen“, betont der Intensivmediziner. „Uns ist es dadurch gelungen, für die Patienten vor Ort immer aufnahmefähig zu bleiben.“ Und den Ärzten auf der Intensivstation im HK blieb so auch die schwierige Entscheidung einer Triage erspart. „Zum Glück waren wir nie in der Situation entscheiden zu müssen, wer einen Beatmungsplatz bekommt oder wer nicht. Es gab immer ausreichend Kapazitäten entweder bei uns im Haus oder in einem der Nachbarkrankenhäuser.“ Hier habe sich die jahrelange gute Zusammenarbeit mit den umliegenden Krankenhäusern vor allem mit der Lungenklinik in Löwenstein bewährt.  „In der Krise ist das gegenseitige Vertrauen weiter gewachsen. Das wird uns sicher auch in Zukunft enger verbinden“, so Dr. Wolff.

Gewachsener Zusammenhalt

Auch im Hohenloher Krankenhaus selbst ist der Zusammenhalt in der Krise nach Einschätzung des kommissarischen Leiters der Anästhesie gewachsen. „Die Solidarität und die Zusammenarbeit der Mitarbeiter untereinander sind trotz der hohen Anstrengungen enorm. Plötzlich helfen sich Kollegen, die vorher nicht einmal genau wussten, was die Aufgabe des anderen ist. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der Intensivstation aber auch aus anderen Bereichen haben sich sehr engagiert. Anästhesisten und Internisten haben sehr gut zusammengearbeitet, gemeinsam Standards erarbeitet und sich bei Fragen schnell abgesprochen.“ Schon gleich zu Beginn der Krise habe man sich – auch in Austausch mit dem Krisenstab des Krankenhauses – gut vorbereitet. 

Es ist ein phantastisches Gefühl, wenn man sieht, dass die eigene Arbeit sinnvoll und erfolgreich ist.

In dieser guten Vorbereitung und der guten Vernetzung mit den anderen Kliniken sieht er auch den Grund dafür, dass nur ein geringer Teil der COVID-19-Patienten im Hohenloher Krankenhaus verstorben ist. „Inzwischen konnten schon mehrere Patienten, die wir aus Platzgründen in umliegende Krankenhäuser verlegt hatten, in verbessertem Zustand zurückkehren. Es ist ein phantastisches Gefühl, wenn man sieht, dass die eigene Arbeit sinnvoll und erfolgreich ist“, freut sich der Arzt. Und doch bleibt bei Dr. Wolff Respekt vor dem Corona-Virus. „ Die Krankheit ist einfach merkwürdig. Einerseits ist das Virus hoch kontagiös, aber es ist bis heute nicht klar, weshalb einige sich anstecken und andere nicht. Und der Verlauf der Krankheit ist einfach langwierig.“   

Er selbst hat keine Angst sich zu infizieren. „Ich weiß, wie ich mich schützen kann und halte die Hygienevorgaben ein, daher ist die Infektionsgefahr gering. Wir sind im Krankenhaus gut mit Schutzmaterial ausgestattet und geschützt. Und wahrscheinlich wird es sowieso irgendwann passieren, ich habe eigentlich damit gerechnet.“ Vorsichtshalber hat er vorübergehend sogar Abstand zu seiner Frau und dem dreijährigen Sohn gehalten, die bei den Großeltern im Haus leben. „Ich wollte einfach nichts riskieren“, sagt er. Doch bisher war seine Sorge unbegründet, er selbst ist gesund und freut sich nun auf ein paar Urlaubstage mit der Familie.

Gut vorbereitet für die Zukunft

Für die Phase der allmählichen Lockerung sieht er das Hohenloher Krankenhaus gut gerüstet: „Wir bleiben vorsichtig, checken alle Patienten schon bei der Aufnahme auf COVID-Symptome und halten uns eng an die Empfehlungen der Fachgesellschaften. Mit unserer Erfahrung im Hotspot Hohenlohe sind wir für die Zukunft gut vorbereitet.“

Text: Ute Emig-Lange

 
 

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