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18.05.2021

Maske und Hautschutz

Gesunde Haut unter der Maske

FFP2- oder OP-Masken sind wichtige Alltagsbegleiter für uns geworden, leider gehen damit auch Probleme einher. Dr. Nicole Lampa, Hautärztin aus Mayen, betreut unter anderem Mitarbeitende der Barmherzigen Brüder Saffig, die mit durch Masken versursachten Hautproblemen zu ihr kommen. Sie erklärt, woher die Probleme kommen und was man dagegen tun kann.

Dr. Nicole Lampa, Hautärztin aus Mayen

Kommen viele Patienten mit Hautproblemen aufgrund der Maske zu Ihnen?

Die Masken sind wirklich ein Problem, zu uns kommen sehr viele Patienten, die vorher keine Probleme mit der Haut hatten. Gerade Patient*innen, die bereits vorher Probleme hatten, leiden sehr unter der Maske. Mittlerweile hat die Pharmaindustrie sogar einen Begriff dafür erfunden – Maskne, das heißt die Mischung aus Maske und Akne.

Betrifft das nur Menschen, die die Maske über längere Zeiträume tragen müssen oder auch diejenigen, die nur kurz diesen Schutz tragen?

Beide Gruppen! Lediglich die Intensität der Erkrankung ist unterschiedlich. Gerade Vielträger wie Pflegekräfte muss ich teilweise krankschreiben, weil die Haut sonst nicht mehr abheilen würde. Vor allem seitdem die FFP2-Masken vermehrt getragen werden, häufen sich die Probleme.

Worin liegen die Probleme der FFP2-Maske?

Sie ist teurer als die OP-Maske und wird deswegen länger getragen. Das ist aus Gründen der Hygiene sehr schwierig, gleichzeitig verstehe ich, wenn Menschen, die nicht über die finanziellen Mittel verfügen, die Maske länger tragen.

Wann sollte man die Maske wechseln?

Nach vier Stunden sollte man die FFP2-Maske wechseln, weil sie durch die Feuchtigkeit nicht mehr dicht ist. OP-Masken sind offiziellen Angaben zufolge bereits nach 20 Minuten durchfeuchtet, aber das sehe ich weniger kritisch. Ich glaube nicht, dass während einer OP die Maske alle 20 Minuten gewechselt wird. Spätestens nach vier Stunden ist jedoch Zeit für den Wechsel.

Warum verursachen die Masken Hautprobleme?

Unter den Masken entsteht beim Ausatmen ein feuchtwarmes Klima. Die Feuchtigkeit führt zu einer Störung der Barriere-Funktion der Haut, weil die Hornhaut aufquillt und damit keine Barriere mehr darstellt. Auch die Reibung der Maske an Nase, Kinn und Wangen stört die Barriere. Zudem fühlen sich Bakterien in dem feuchtwarmen Klima wohl und können ungehindert in die Haut eindringen.

Was sind die Folgen?

Alle Krankheiten, die infolge einer Störung der Barriere-Funktion entstehen oder durch Mikroorganismen getriggert werden, können entstehen oder sich verschlimmern, z.B. die Rosazea, eine entzündliche, chronische Erkrankung der Gesichtshaut, die mit Rötungen, Pusteln und Knötchen einhergeht.

Es betrifft aber auch die Neurodermitis, die Akne sowie die periorale Dermatitis, das heißt ein roter, entzündlicher Hautausschlag vorwiegend in der Region um den Mund.

Das klingt eher nach unreiner Haut, aber viele klagen über trockene Haut. Woher kommt das?

Trockene Haut ist ebenfalls eine Ursache der gestörten Hautbarriere: Der Säureschutzfilm der Haut ist bei den Betroffenen anlagebedingt nicht so aufgebaut wie er sollte: Schützende Lipide wie Linolsäure fehlen den Betroffenen. Die Maske ist dann ein zusätzlicher Störfaktor.

Tipps: 

1. Kein Make-up unter der Maske. Lassen Sie die Augen strahlen.

2. Das Gesicht morgens und abends waschen, jedoch nicht mit zu aggressiven Pflegemitteln.

3. Das Gesicht nicht zu häufig waschen: Zweimal am Tag reicht. Ansonsten mit Gesichtswasser und Wattepad die Haut abreiben.

4. Bei unreiner Haut nach dem Waschen das Gesicht mit Gesichtswasser behandeln. Keine zu fettigen Pflegeprodukte verwenden, auf der sollte „nicht komedogen“ stehen.

5. Bei empfindlicher Haut keine zu fettigen Produkte verwenden, lieber Produkte mit natürlichen Inhaltsstoffen wie Ceramiden oder Feuchtigkeitspflege mit Hyaluronsäure.

6. Regelmäßige Maskenpausen einlegen, um die Haut trocknen zu lassen.

7. Maske regelmäßig wechseln, spätestens nach vier Stunden.

8. Verschiedene Maskentypen tragen, so werden nicht immer dieselben Hautteile belastet.

9. Schutzcremes können Druckstellen vorbeugen.

Wie kann ich diesen Problemen vorbeugen?

Menschen mit empfindlicher Haut müssen ihre Hautbarriere stärken durch eine dem Hauttyp entsprechende Pflege: Keine zu fettigen Produkte, lieber Produkte mit natürlichen Inhaltsstoffen wie Ceramiden oder eine Feuchtigkeitspflege mit Hyaluronsäure.

Diejenigen, die zu Unreinheiten neigen, sollten ebenfalls keine zu fettigen Pflegeprodukte verwenden. Auf der Verpackung sollte „nicht komedogen“ stehen. Hier ist es besonders wichtig, die Maske regelmäßig zu wechseln, um der bakteriellen Verbreitung vorzubeugen. Auch den pH-Wert der Haut kann man optimieren: Bakterien fühlen sich in basischen Werten wohler, als in sauren. Leitungswasser hat meist einen Wert im basischen Bereich, deswegen sollte man das Gesicht nach dem Waschen mit einem Gesichtswasser behandeln, um wieder einen sauren pH-Wert zu erreichen. Auch von Zeit zu mal ein Fruchtsäurepeeling kann bei unreiner Haut helfen.

Reicht es, morgens und abends das Gesicht zu waschen oder sollte man dies häufiger tun?

Viele Hautärzte raten, das Gesicht häufiger zu reinigen, ich kann das nicht nachvollziehen: Jedes Waschen schädigt die Barriere, weil ich schützende Fette aus der Haut wasche. Zweimal am Tag reicht! Gerade auch Neurodermitis-Patienten dürfen ihre Haut nicht durch zu häufiges Waschen schädigen. Wenn Sie dennoch das Gefühl haben, das Gesicht zwischendurch reinigen zu müssen, verwenden Sie ein Gesichtswasser und Wattepad.

Tipps von Sonja Spieker, stellvertretende Stationsleitung Intensivstation im Brüderkrankenhaus St. Josef Paderborn

„Auf der Intensivstation tragen wir FFP3-Masken, die um den um den Nasen- Mund-Bereich mit einem Gummi abgedichtet sind. Fangen wir darunter an zu schwitzen, reagiert die Haut indem sie rot wird bis hin zu allergieähnlichen Ausschlägen. Dann hilft eigentlich nur die richtige Creme zuhause: Ich nutze eine Fettcreme und wenn es gar nicht mehr anders geht eine kortisonhaltigen Creme. Generell sollte die Hautpflege auf den Hauttyp individuell angepasst werden. Bevor es zusätzlich zu Druckstellen durch die Masken kommt, polstern wir die betroffenen Stellen mit einem Mepiplex-Schaumverband ab. Allen, die durch zu kurze Gummis Segelohren bekommen, rate ich sich einen Mundschutzhaken besorgen, der die Maske am Hinterkopf hält. Aber am wichtigsten sind die Maskenpausen: Zwischendurch können wir immer mal wieder die Masken komplett abnehmen und der Haut eine Pause gönnen.“

Haben Sie noch weitere Ratschläge?

Lassen Sie das Make-up weg und konzentrieren Sie sich auf den Augenbereich. Probieren Sie verschiedenen Masken aus, um die mit dem individuellen höchsten Tragekomfort zu finden. Wechseln Sie über den Tag auch mal die Masken, dann werden nicht immer dieselben Hautareale belastet. Legen Sie die Maske regelmäßig ab, um frische Luft an die Haut zu lassen.

Der Sommer steht vor der Tür und wir werden unter den Masken mehr schwitzen, was tun?

Keine zu fettige Pflege verwenden, lediglich eine ganz leichte Creme oder ein Gel-Creme.

Gerade bei FFP2-Masken kommt es oft zu Druckstellen. Was kann man dagegen tun?

Es gibt Schutzcremes, die dem Scheuern vorbeugen. Diese kann man auf die betroffenen Stellen auftragen.


Vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Julia Gröber-Knapp.

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