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07.01.2021

Professor Dr. Winfried A. Willinek im Interview

„Wir werden die Pandemie dauerhaft nur durch eine Immunisierung überwinden“

Die Impfungen gegen das Coronavirus sind zum Jahreswechsel in Deutschland angelaufen. Auch in den Einrichtungen der BBT-Gruppe wurden die ersten Bewohner und Mitarbeitenden geimpft. Professor Dr. Winfried A. Willinek, Ärztlicher Direktor des Brüderkrankenhauses Trier und Sprecher der Ärztlichen Direktoren in der BBT-Gruppe, spricht über Lockdown, die Verträglichkeit des Impfstoffes, Impf-Skeptiker und wann mit ersten Effekten zu rechnen ist. 

„Ich vertraue den Prüfverfahren, die es gibt und auf die Erfahrungen anderer Länder mit dem Impfstoff", sagt Professor Dr. Winfried A. Willinek, Ärztlicher Direktor des Brüderkrankenhauses Trier und Sprecher der Ärztlichen Direktoren in der BBT-Gruppe.
„Ich vertraue den Prüfverfahren, die es gibt und auf die Erfahrungen anderer Länder mit dem Impfstoff", sagt Professor Dr. Winfried A. Willinek, Ärztlicher Direktor des Brüderkrankenhauses Trier und Sprecher der Ärztlichen Direktoren in der BBT-Gruppe.

Herr Professor Willinek, der Lockdown wird bis Ende Januar verlängert. Sind Sie froh über diese Entscheidung?

Zuerst einmal bin ich froh, dass wir mit dem Impfen beginnen konnten. Das ist nachhaltig und für Mitarbeitende in den Gesundheitsbereichen ganz entscheidend. Aber es ist auch notwendig, die Zahl der Neuinfektionen möglichst schnell zu reduzieren. Da gibt es nur eine Möglichkeit: Kontakte möglichst vermeiden und die AHA-Regeln weiter zu befolgen. Daher sind die aktuellen Maßnahmen notwendig, um aus den hohen Inzidenzen und der Pandemie herauszukommen.

Das Brüderkrankenhaus Trier hat zum Jahreswechsel die ersten knapp 1.000 Impfdosen erhalten und mit den Impfungen begonnen. Sie haben sich auch bereits gegen das Coronavirus impfen lassen. Haben Sie alles gut vertragen?

Wir haben hier im Brüderkrankenhaus Trier früh mit der Impfung starten können und eine Struktur aufbauen können, die intern sehr schnell durch das große Engagement vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der verschiedenen Berufsgruppen gewachsen ist. Gemäß der Impfstrategie haben wir in unserem Corona-Gemeinschaftskrankenhaus Trier, in dem wir lokal die Mehrheit der Covid-19-positiven-Fälle behandeln, mit der Impfung gestartet. Darauf folgend wurde und wird zur Zeit an Hand einer Prioritätenliste die Impfung der Mitarbeitenden durchgeführt. Auch ich habe die Impfung erhalten und sie sehr gut vertragen. Man sagt ja, das ist so ähnlich wie bei einer Grippeimpfung. Ich habe keine Beschwerden verspürt und war danach voll einsatzfähig. Von allen, die hier geimpft wurden, habe ich gehört, dass die Verträglichkeit sehr gut ist – so wie es auch in den Studien zur Zulassung berichtet wird und wie wir zum Beispiel aus Israel und Großbritannien hören, wo bereits schon früher mit dem Impfen begonnen wurde.

Es gibt keine Langzeitstudien und wie lange der Impfschutz anhält, ist auch nicht bekannt. Viele Menschen sind skeptisch.

Das verstehe ich sehr gut und es ist immer wichtig und richtig, sich ausführlich zu informieren, um eine gewissenhafte Entscheidung treffen zu können. Doch bei all dem zeitlichen Druck wurden die Impfstoffe ordentlich geprüft. Natürlich wissen wir nicht, welche Langzeitwirkung auftreten kann und wie lange die Immunisierung dauert. Aber die Impfung hilft uns aktuell, aus dieser Akutsituation herauszukommen, die niemand haben möchte und die wir uns auch nicht leisten können – weder im Gesundheits- oder Wirtschaftssystem noch auf gesellschaftlicher und sozialer Ebene. Wir werden immer mehr Daten sammeln und immer besser einschätzen können, wann zum Beispiel eine Auffrischungsimpfung erforderlich wird. Langfristig werden wir diese Pandemie dauerhaft nur durch eine Immunisierung überwinden. Es muss das Ziel sein, allen, die sich impfen lassen wollen, entsprechend der Risikoklassifizierung auch eine Impfung zukommen zu lassen.

Skeptisch sind auch Personen in den Gesundheitsfachberufen. Müssten sie es nicht besser wissen?

Das Fachwissen führt natürlich dazu, dass man die Gesamtsituation relativ gut einschätzen kann und da hinterfragt der ein oder andere das Ganze vielleicht intensiver – im Gesundheitssektor ist irgendwie jeder sein eigener Experte. Auch hier ist es wichtig, Überzeugungsarbeit zu leisten und aufzuklären. Es ist ja nicht so, dass wir hier irgendein Produkt einsetzen, das keine Tests durchlaufen hat. Ich vertraue den Prüfverfahren, die es gibt und darauf, was jetzt bereits an Erfahrungen in anderen Ländern gemacht wurde. Wir haben inzwischen weltweit schon eine relativ große Population von Geimpften, die viel größer ist als in normalen Zulassungsstudien gefordert wird – das stimmt mich sehr zuversichtlich. Ich bin überzeugt: Niemand, der auf einer Intensivstation hautnah miterlebt, was dieses Virus anrichten kann, möchte selbst das Risiko einer Infektion dauerhaft eingehen.

Könnten Sie sich für bestimmte Gruppen eine Impfpflicht vorstellen?

Im Moment würde ich das nicht begrüßen. Verpflichtungen führen womöglich zu größerer Ablehnung. Ich hoffe, dass die überwiegende Mehrheit auch ohne Impfpflicht überzeugt ist, dann können wir diese Jahrhundertpandemie erfolgreich bekämpfen.

Beunruhigend sind Meldungen von Mutationen von SARS-CoV-2, etwa aus Großbritannien. Wie wirksam ist der Impfschutz auch bei diesen veränderten Formen?

Diese Entwicklung müssen wir sehr ernst nehmen. Wie bei anderen viralen Erkrankungen wissen wir, dass Mutationen immer eine Gefahr darstellen. Wir kennen das zum Beispiel von der Influenza. Wir wissen aber auch, dass diese Mutationen bei SARS-CoV-2, soweit bekannt, nicht zu einer Zunahme von schlimmeren Krankheitsverläufen oder Todesfällen führen. Aber die Infektionsrate steigt erheblich. Bisher ist mein Kenntnisstand, dass die Impfung auch hier wirksam ist.

Die Impfungen erfolgen nach der Impfverordnung des Bundesgesundheitsministeriums, die die Reihenfolge der Verteilung des Impfstoffs festlegt. Wann können wir erste Effekten auf die Zahl der Neuinfektionen sehen?

Vor Ende März werden wir vermutlich keinen entscheidenden Effekt sehen, denn zunächst muss die Inzidenz reduziert werden. Dazu trägt die Impfung am Anfang zahlenmäßig nicht ausreichend bei. Nach der ersten Impfung erfolgt mit einem Abstand von bis zu vier Wochen bei dem von uns verwendeten Impfstoff eine zweite Impfung und nach weiteren zwei bis drei Wochen liegt offensichtlich erst der maximale Schutz vor. Daher müssen auch Geimpfte die Vorsichtsregeln weiterhin beachten.

Wann rechnen Sie mit einer „Rückkehr“ zu mehr Normalität?

Wir müssen, um die Fallzahlen zu senken, deutlich zu einem R-Wert von unter 1 kommen. Wenn wir einen R-Wert von 0,7 erreichen, dann können wir schneller die Fallzahlen auf eine Sieben-Tage-Inzidenz von 50 senken, bei der die Lage wieder kontrollierbarer wird. Wenn man hingegen nur einen R-Wert von 0,9 erreicht, dauert der Rückgang der Fallzahlen etwa drei bis vier Monate länger. Also wenn mit dem stärkeren Lockdown so weitergemacht wird und die Zahlen unter den magischen Inzidenz-Wert von 50 sinken, dann wird es wahrscheinlich erst zu einer bemerkbaren Lockerung kommen können. Nicht vor Mai/Juni können wir mit einer Art Rückkehr zu Normalität rechnen, schätze ich. Ohne pessimistisch sein zu wollen, rechne ich damit, dass wir uns wohl noch auf einen längerfristigen Einschränkungsprozess einrichten müssen. Umso wichtiger ist die flächendeckende Impfkampagne und die Nachricht über eine steigende Zahl an Impfdosen und zugelassenen Impfstoffen. Das macht Mut.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Judith Hens.

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