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28.12.2020 (aktualisiert am 13.04.2021)

Schutzmaßnahmen sollten weiterhin beachtet werden

Covid-19-Impfung bei Krebs

Die Klinik für Hämatologie und Onkologie des Brüderkrankenhauses St. Josef Paderborn empfiehlt in Übereinstimmung mit den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) die Impfung gegen Covid-19 für Patienten mit einer Krebserkrankung.

Dr. Tobias Gaska
Dr. Tobias Gaska

„Dies gilt insbesondere bei aktiver Erkrankung und wenn in absehbarer Zeit eine Chemo- und/oder Antikörpertherapie erforderlich ist“, sagt Dr. Tobias Gaska, Chefarzt der Klinik für Hämatologie und Onkologie am Brüderkrankenhaus St. Josef Paderborn. Eine offene Frage ist, ob Patienten mit einem geschwächten Immunsystem schlechter auf die Impfung ansprechen. Hier könnten vor allem Patienten unter einer Therapie mit Anti-CD20-Antikörpern wie zum Beispiel Rituximab und Obinutuzumab und Patienten nach einer Stammzelltransplantation betroffen sein. „Möglicherweise kann es deshalb in diesen besonderen Situationen sinnvoll sein, mit der Impfung drei bis sechs Monate nach der letzten Antikörpergabe bzw. nach der Stammzelltransplantation zu warten. In jedem Fall ist der beste Zeitpunkt für die Impfung mit Ihrem behandelnden Onkologen abzustimmen“, so Dr. Gaska.

Wirkung der in Deutschland zugelassenen Impfstoffe

Alle drei in Deutschland zugelassenen Impfstoffe (BioNTech/Pfizer, Moderna, AstraZeneca) bieten einen hervorragenden Schutz vor schweren Covid-19-Verläufen. Die am 21.12.2020 respektive am 06.01.2021 für die EU zugelassenen Impfstoffe von BioNTech/Pfizer (Comirnaty®) und Moderna basieren auf einer neuen Technologie (mRNA-Impfstoffe). Sie reduzieren das Risiko an Covid-19 zu erkranken um ca. 95%. Der am 29.01.2021 zugelassene Vektorimpfstoff von AstraZeneca reduziert das Risiko an Covid-19 zu erkranken um ca. 60%. Hieraus zu schlussfolgern, dass der AstraZeneca (Vaxzevria®) Impfstoff schlecht ist, ist schlichtweg falsch! Kein Studienteilnehmer, weder in den Zulassungsstudien der mRNA-Impfstoffe noch in der zur Zulassung führenden Studie des AstraZeneca-Impfstoffes, musste wegen Covid-19 stationär aufgenommen werden oder ist an Covid-19 gestorben. Schwere Verläufe werden somit von allen drei Impfstoffen zuverlässig verhindert. Anders gesagt schützt der AstraZeneca-Impfstoff zwar nicht ganz so gut vor Husten wie die beiden mRNA-Impfstoffe, verhindert aber sehr zuverlässig schwere, zu stationären Aufnahmen oder gar zum Tod führende Covid-19-Verläufe. Nach derzeitigem Kenntnisstand gilt dies auch für Infektionen durch die bisher in Deutschland relevanten Virusmutanten.

Diese Nebenwirkungen sind bekannt

Die Verträglichkeit der jetzt zugelassenen Impfstoffe ist gut. Allerdings treten bei vielen Impflingen Schmerzen an der Injektionsstelle auf. Im Laufe der nächsten 24-48 Stunden kann es zu einer in der Regel nur kurz anhaltenden Impfreaktion in Form von Müdigkeit (Fatigue), Kopfschmerzen und seltener auch Fieber kommen. Bei den mRNA-Impfstoffen sind die Reaktionen häufig nach der zweiten Impfung heftiger als nach der ersten, bei dem AstraZeneca-Impfstoff ist es genau umgekehrt. Impfstoffe reichern sich nicht, wie es bei Medikamenten möglich ist, im Körper an, sondern werden schnell abgebaut. Langzeit-Nebenwirkungen, also Nebenwirkungen, die erst Monate bis Jahre nach einer Impfung auftreten, sind bei Impfungen deshalb bisher generell nicht aufgetreten und demgemäß auch für die Covid-19-Impfungen nicht zu erwarten. 

Eine sehr seltene Nebenwirkung, die nach Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff auftreten kann, sind Thrombosen in Kombination mit Thrombopenien (Abfall der Blutplättchen). Die Symptome treten 4 bis 16 Tage nach der Impfung auf. Aufgefallen sind hier vor allem Hirnvenenthrombosen (sogenannte Sinusvenenthrombosen; SVT), aber auch andere thrombotische Ereignisse, wie Mesenterialvenenthrombosen und Lungenembolien sowie, noch seltener, auch Blutungsereignisse. Bisher wurden diese schweren, teilweise sogar tödlich verlaufenden Nebenwirkungen überwiegend bei Frauen im Alter ≤ 55 Jahren beobachtet, aber auch Männer und Ältere waren betroffen. Daher wird derzeit die Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff nur für Menschen im Alter > 60 Jahre empfohlen. 

Weitere seltene Nebenwirkungen sind, obwohl inzwischen Millionen Impfdosen weltweit verabreicht wurden, weder bei dem AstraZeneca-Impfstoff noch bei den mRNA-Impfstoffen aufgetreten.

„Da der Impfschutz nicht hundertprozentig ist und vielleicht bei Krebspatienten sogar weiter abgeschwächt sein könnte, ist es unbedingt erforderlich, dass die empfohlenen Schutzmaßnahmen weiterhin beachtet werden“, empfiehlt der Onkologe.

Wie lange hält der Impfschutz?

Es ist derzeit unklar, wie lange der Impfschutz anhält. Um langfristig gegen Covid-19 geschützt zu sein, könnten, ähnlich wie bei anderen Erkrankungen, regelmäßige Auffrischimpfungen notwendig sein. Bei weiteren Mutationen des Virus könnte es auch sinnvoll sein, im Verlauf den Impfstoff anzupassen. Erfreulicherweise wäre eine solche Anpassung mit den modernen genetischen Impfstoffen vergleichsweise einfach durchzuführen. Weitere Erfahrungen bleiben abzuwarten, bis hier genauere Aussagen gemacht werden können. Gemäß derzeitigen Empfehlungen sollten ehemals an COVID-19 erkrankte Personen etwa 6 Monate nach Genesung geimpft werden.

Empfohlene Patientengruppen

Besonders wichtig ist die Impfung für folgende Patientengruppen:

Patienten mit malignen hämatologischen Erkrankungen, insbesondere mit:

  • Akuten und Chronischen Leukämien
  • Malignen Lymphomen
  • Multiplem Myelom
  • Patienten mit fortgeschrittenen soliden Tumoren, deren Erkrankung nicht in Remission ist oder deren Remissionsdauer < 5 Jahre beträgt.
  • Patienten vor, unter oder nach einer Chemotherapie, einer gezielten Therapie und/oder einer Immuntherapie

Patienten mit einem geschwächten Immunsystem sprechen wahrscheinlich schlechter auf die Impfung an. Hier sind vor allem Patienten unter einer Therapie mit Anti-CD20-Antikörpern (z.B. Rituximab, Obinutuzumab) und Patienten nach einer Stammzelltransplantation betroffen. Möglicherweise kann es deshalb in diesen besonderen Situationen sinnvoll sein, mit der Impfung 3-6 Monate nach der letzten Antikörpergabe bzw. nach der Stammzelltransplantation zu warten. Es muss betont werden, dass diese Empfehlung auf der Annahme beruht, dass kein oder nur ein abgeschwächter Impfschutz aufgebaut wird. Hinweise für schädliche Auswirkungen einer Covid-19-Impfung in diesen Situationen haben sich definitiv nicht ergeben. In jedem Fall ist der beste Zeitpunkt für die Impfung mit Ihrem behandelnden Hämatologen/Onkologen abzustimmen.

Nach aktueller Rechtsverordnung haben, neben Personen, die das 70. Lebensjahr vollendet haben, Patienten mit malignen hämatologischen Erkrankungen oder behandlungsbedürftigen soliden Tumorerkrankungen, die nicht in Remission sind oder deren Remissionsdauer weniger als fünf Jahre beträgt, Anspruch auf eine Schutzimpfung mit hoher Priorität (Kategorie 2). Hierfür bedarf es einer Bescheinigung, die ausschließlich durch von den obersten Landesgesundheitsbehörden autorisierte Einrichtungen ausgestellt werden darf. Wir verstehen darunter die Kliniken, Abteilungen, Ambulanzen und Praxen mit Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie, in denen diese Patienten behandelt werden.

https://www.116117.de

https://www.mags.nrw/coronavirus-impfablauf

https://www.zusammengegencorona.de/

https://www.pei.de/DE/home/home-node.html

https://www.rki.de/DE/Home/homepage_node.html

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