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05.03.2021

Corona-Selbsttests: Wie sicher sie sind und wie sie richtig angewendet werden

Ab Samstag werden die ersten Antigen-Selbsttests im Handel erhältlich sein. Welche unterschiedlichen Tests es gibt, wie zuverlässig sie sind und was bei der Anwendung zu beachten ist, erklärt Uwe Riedesel, Hygienefachkraft im Brüderkrankenhaus St. Josef Paderborn.

Uwe Riedesel ist Hygienefachkraft im Brüderkrankenhaus St. Josef Paderborn.
Uwe Riedesel ist Hygienefachkraft im Brüderkrankenhaus St. Josef Paderborn.

Welche unterschiedlichen Tests gibt es zurzeit?

1. Der PCR-Test wird in speziellen Testzentren durchgeführt und im Labor ausgewertet. Dafür wird ein Abstrich aus dem tiefen Nasen-Rachen-Raum entnommen – viele müssen dabei weinen oder würgen. Es ist das sicherste Verfahren um eine Infektion nachzuweisen. Die Auswertung dauert jedoch mindestens 12- 24 Stunden.

2. Antigen-Schnelltests basieren auf der gleichen “Technik„, allerdings haben sie sozusagen das Labor in einer beiliegenden Test-Katusche integriert. Das Ergebnis liegt innerhalb von 15 – 30 Minuten vor. Auch dieser Test muss von geschultem Personal durchgeführt werden, da ebenfalls eine Probe dem tiefen Nase-Rachen-Raum entnommen wird.

3. Antigen-Selbsttests funktionieren nach dem gleichen Prinzip, werden jedoch im vorderen Nasenbereich entnommen, und können daher von jedem selbst angewendet werden.

4. Antikörper-Tests weisen vor allem eine abgelaufene Infektion nach, wenn der Körper bereits Antikörper gegen den Erreger gebildet hat. Antikörpertests sagen nichts darüber aus, ob die Betroffenen noch infektiös sind, wie lange die Infektion zurück liegt oder ob ein ausreichender Immunschutz gegen eine erneute Infektion vorhanden ist.

Wie unterscheiden sich die Schnelltests im Testzentrum und Selbsttests?

Die Tests sind identisch. Lediglich die Probenentnahme unterscheidet sich. Der Antigen-Schnelltest in Testzentren oder medizinischen Einrichtungen wird von geschultem Personal aus dem tiefen Nasen-Rachen-Raum entnommen. Das können Laien nicht selbst machen, weil sie sich dabei verletzen können. Die Proben für die Selbsttests hingegen werden im vorderen Nasenbereich entnommen. Das kann jeder!

Bild: Siemens Healthineers
Bild: Siemens Healthineers

Wie zuverlässig sind die Tests für zu Hause?

Diese Frage konnte ein Forschungsteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin – und des Universitätsklinikums Heidelberg Ende vergangenen Jahres mittels einer Studie beantworten. 289 Studienteilnehmer führten bei sich einen Antigen-Schnelltest in der vorderen Nase durch. Anschließend entnahmen die Forscher je eine Probe aus dem Mund-Rachen-Raum für einen professionellen PCR-Test und einen Antigen-Schnelltest. „39 der 289 Studienteilnehmer erwiesen sich auf Basis der PCR-Testung als infiziert mit SARS-CoV-2. Bei 31 von ihnen (knapp 80 Prozent) schlug auch der Antigen-Schnelltest an, wenn die Probe professionell tief aus der Nase entnommen wurde. Der Selbstabstrich aus der vorderen Nase lieferte bei 29 von den Infizierten (rund 74 Prozent) das korrekte Ergebnis“, heißt es in den Studienergebnissen.

Haben die Schnelltests auch Schwächen?

Die Schnelltests schwächeln ein wenig in den ersten beiden Tagen einer Infektion und gegen Ende einer Infektion, denn zu diesen Zeitpunkten ist die Viruslast zu gering. Da schlägt der Antigen-Schnelltest nicht immer an, im Gegensatz zu einem im Labor ausgewerteten PCR-Test. Bei einer hohen Viruslast hingegen liegt die Treffsicherheit bei 96 Prozent.

Sind die Selbsttests leicht in der Anwendung?

Auf jeden Fall. Zunächst Hände waschen oder desinfizieren. Danach die vorgeschriebene Menge Pufferlösung in ein Teströhrchen füllen. Anschließend einen Nasenabstrich mit dem Tupfer entnehmen. Gewöhnlich führt man diesen in zwei bis drei Zentimeter Tiefe für 15 Sekunden in kreisenden Bewegungen an den Innenwänden der Nase entlang. Stellen Sie sich am besten vor einen Spiegel, das hilft. Achten Sie auf die Anweisungen im Beipackzettel zum richtigen Einführen und der Dauer des Abstrichs.

Danach den Tupfer für einige Sekunden in die Lösung tauchen. Kurz einwirken lassen und dann die Kappe auf das Röhrchen stecken. Anschließend die Lösung auf die Testkassette tröpfeln. Nach der vorgegebenen Wartezeit, etwa 15 bis 30 Minuten, wird das Ergebnis wie bei einem Schwangerschaftstest mit zwei Strichen optisch dargestellt.

Kann ich mich dabei verletzen?

Eigentlich nicht, denn man bleibt im vorderen Nasenbereich. Lediglich Patienten, die blutverdünnende Mittel einnehmen, rate ich zur Vorsicht. Bei tiefen Abstrichen sind Verletzungen möglich, deswegen darf das auch nur geschultes Personal durchführen.

Was mache ich, wenn der Test positiv ausfällt?

Fällt der Test positiv aus, sollten Sie sich sofort in Quarantäne begeben und den Hausarzt kontaktieren. Dieser wird einen professionellen PCR-Test machen, um das Ergebnis zu überprüfen.

Gibt es beim Einsatz zu Hause etwas zu beachten?

Lesen Sie sich auf der Packung zunächst die Lagerbedingungen durch. Sollte er kühl gelagert werden, ist ein Platz mit direkter Sonneneinstrahlung nicht optimal. Außerdem sollten Sie unbedingt auf das Verfallsdatum achten.

Im Internet werden demnächst wahrscheinlich viele unseriöse Tests angeboten. Daher mein Rat: Nur Tests mit einer CE-Kennzeichnung kaufen. Hilfreich ist auch die Liste mit zugelassenen Antigen-Selbsttests des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte.

Empfehlen Sie den Kauf?

Auf jeden Fall, denn es entlastet die Labore und theoretisch kann es uns auch mehr Freiheiten ermöglichen. Es macht zum Beispiel den Besuch bei den Großeltern ein wenig sicherer. Dabei dürfen wir allerdings nicht vergessen, die AHA+L-Regeln weiter einzuhalten. Der Test ist nur eine Momentaufnahme und gilt lediglich für 24 Stunden. Wir sollten also nicht unvorsichtig werden.

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