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22.04.2020

Bei Notfällen ins Krankenhaus

Warnzeichen nicht ignorieren

Schlaganfall, Herzinfarkt und andere Notfälle treten auch während der Corona-Pandemie auf. Patienten sollten nicht zögern, in diesen Fällen eine Klinik aufzusuchen. Dort können sie sicher behandelt werden. 

Bei Notfällen nicht lange zögern, auch während der Corona-Pandemie behandeln die Kliniken weiter.
Bei Notfällen nicht lange zögern, auch während der Corona-Pandemie behandeln die Kliniken weiter.

Mediziner appellieren an Patienten, Krankheitssymptome auch weiterhin ernst zu nehmen und sich in ärztliche Versorgung zu begeben. Die Krankenhäuser sind gegen eine Ansteckung mit Corona bestens gerüstet und organisiert. "Viele Menschen sind verunsichert und fürchten vielleicht, sich bei einem Krankenhausaufenthalt mit dem Corona-Virus zu infizieren", sagt Dr. Schlembach, Ärztlicher Direktor und hygieneverantwortlicher Arzt im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim. "Angesichts der strengen Hygienemaßnahmen im Caritas-Krankenhaus ist dieses Risiko äußert gering und steht in keinem Verhältnis zu dem hohen Risiko, etwa an einem Herzinfarkt zu versterben." Zugleich gebe es Erkrankungen, die unbehandelt zu schweren Komplikationen führen könnten. 

Gewisse Vorboten und Symptome nicht zu beachten, kann lebensbedrohlich werden.

"Häufig gehen einem Schlaganfall Warnsignale in Form von kurzfristigen Sehstörungen, halbseitigem Taubheitsgefühl, oder halbseitigen Lähmungen voraus - Zeichen einer sogenannten TIA. Typisch ist hier etwa der hängende Mundwinkel", erläutert Privatdozent Dr. Mathias Buttmann, Chefarzt der Klinik für Neurologie im Caritas-Krankenhaus. "Auch eine verwaschene Sprache oder Sprachstörungen können vorkommen. Diese Symptome halten circa 10 bis 30 Minuten an und verschwinden dann wieder." Die Gefahr, so Privatdozent Dr. Buttmann: "Etwa jeder 10. Patient erleidet nach einer solchen Attacke innerhalb der nächsten Woche einen großen Schlaganfall." Eine rechtzeitige fachneurologische Versorgung im Krankenhaus könne dies verhindern. 

Woran erkennt man einen Schlaganfall?

Der Schaganfall hat oft einen Vorboten, die sogenannte transitorische ischämische Attacke (TIA). Woran Sie TIA und Schlaganfall erkennen:

Lähmung und Taubheitsgefühl können ein Hinweis für einen Schlaganfall sein

Lähmung, Taubheitsgefühl

  • gestörtes Berührungsempfinden
  • Lähmungserscheinung auf einer Körperseite
Sprachstörungen können ein Hinweis für Schlaganfall sein

Sprachstörungen

  • stockende Sprache
  • Verdrehen von Silben oder Buchstaben
  • Sprechunfähigkeit
Sehstörungen können ein Hinweis für Schlaganfall sein

Sehstörungen

  • Einschränkung des Gesichtsfeldes
  • Störungen des räumlichen Sehens
  • plötzliche Doppelbilder
  • plötzliche einseitige Blindheit
Starker Kopfschmerz ohne Ursache ist ein Hinweis für einen Schlaganfall

Starker Kopfschmerz

  • ohne erkennbare Ursache
  • kann mit Übelkeit und Erbrechen verbunden sein
Schwindel ist ein Hinweis für einen Schlaganfall

Schwindel


    • Gangunsicherheit
    • fehlender Gleichgewichtssinn
    • Koordinationsschwierigkeiten

"Wenn jetzt Patienten aus Furcht vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus solche Symptome verdrängen und den Krankenhausaufenthalt vermeiden, kann dies zu ernsten Folgen und vermeidbaren Schlaganfällen führen", mahnt Buttmann. Auch bei einem echten Schlaganfall sollte man sofort die Notraufnummer 112 anrufen und nicht zögern. "Jeder Zeitverlust führt zu neurologischen Schäden und kann Langzeitfolgen wie Lähmungen und Pflegebedürftigkeit zur Folge haben."

Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt bitte auch in Corona-Zeiten sofort den Notruf 112 wählen.

Ähnlich äußert sich auch Privatdozent Dr. Mathias Borst, Chefarzt der Medizinischen Klinik 1 im Caritas-Krankenhaus. "Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt bitte auch in Corona-Zeiten sofort den Notruf 112 wählen", macht der Kardiologe deutlich. Typische Symptome sind zum Beispiel ein Engegefühl in der Brust, starke Schmerzen hinter dem Brustbein, die in den Rücken, den Oberbauch, die Arme, oder den Schulterbereich ausstrahlen können, eventuell Atemnot und Kaltschweißigkeit. "Wenn diese Anzeichen auftauchen, sollten die Betroffenen das unbedingt ernst nehmen und im Zweifel den Notarzt rufen." Dies gelte auch bei schweren Herzrhythmusstörungen. Privatdozent Dr. Borst: "Das sind keine beliebig aufschiebbaren Erkrankungen, sondern dringend behandlungsbedürftige Notfälle, sonst droht Lebensgefahr."

Krebstherapie nicht abbrechen oder verschieben

Auch Tumorpatienten sollten angesichts von Corona anstehende Behandlungen nicht bis nach der Pandemie verschieben oder begonnene Krebstherapien unterbrechen. "Ich weiß, dass sich viele Krebspatienten große Sorgen machen und eine Infektion mit dem Corona-Virus fürchten. Daher müssen wir in jedem Einzelfall das Vorgehen gut abwägen", betont Dr. Edgar Hartung, Leiter des Onkologischen Zentrums Tauberfranken im Caritas-Krankenhaus. "Ohne eine Behandlung wachsen Tumoren jedoch einfach weiter, und es besteht die Gefahr, dass sie sich ausdehnen und Metastasen bilden und dann nicht mehr operabel sind." Daher appelliert er an alle Tumorpatienten, die Therapie nicht einfach abzubrechen, sondern dringend den Kontakt mit dem behandelnden Arzt aufzunehmen.

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