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12.04.2021

Harte Arbeit für die Augen

Corona hat dem digitalen Alltag einen Schub verpasst: Wo sich vor der Krise unsere Augen in Meetings vom Blick auf den Computer-Bildschirm entspannen konnten, sitzen wir jetzt in Videokonferenzen. Auch Kinder verbringen beim Home-Schooling und in ihrer Freizeit viel mehr Zeit vor dem Bildschirm. Welche Folgen das für die Augen haben kann, weiß Dr. Johannes Luttke, Chefarzt im Zentrum für Augenheilkunde am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier. Er gibt Tipps wie wir unsere Augen schützen können.

Dr. Johannes Luttke, Chefarzt im Zentrum für Augenheilkunde am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier
Dr. Johannes Luttke, Chefarzt im Zentrum für Augenheilkunde am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier

„Schau nicht zu lange Fernsehen, sonst werden deine Augen viereckig! Das sagen Eltern seit Generationen gerne zu ihren Kindern. Als Augenarzt muss ich dazu sagen, dass mir von allen Bildschirmgeräten der Fernseher am wenigsten Sorgen bereitet“, erklärt Dr. Johannes Luttke, Chefarzt im Zentrum für Augenheilkunde am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier. Digitale Bildschirme sendeten eine Wellenlänge von blauem Licht aus, die langfristig Schäden an der zentralen Netzhaut verursachen kann. Sie liege bei ungefähr 380-450 Nanometer. Die Strahlung des Fernsehers sei jedoch weniger intensiv, weil man in größerem Abstand zum Gerät sitze. „Wenn wir den ganzen Tag Sport auf dem Fernseher schauen, ist das weniger schädlich, als einen Tag vor dem Computer-Bildschirm zu arbeiten“, klärt der Augen-Spezialist auf und kann alle Brillenträger beruhigen: „Die Arbeit am Bildschirm hat für den Erwachsenen jedoch keine nennenswerten Auswirkungen auf Weitsichtigkeit oder Kurzsichtigkeit.“

Auf die zirkadiane Rhythmik, das heißt, den Schlaf-Wach-Rhythmus, könne die blaue Lichteinstrahlung durch Laptop, PC oder Smartphone hingegen Auswirkungen haben, vor allem wenn man spätabends noch vor dem PC oder am Handy sitzt. „Das blaue Licht suggeriert uns, dass es noch hell ist, wir werden nicht müde und gehen später schlafen. So verschiebt sich unser Rhythmus und es kann zu Schlafstörungen kommen. Viele sind dann tagsüber müde und abends wach“, erklärt der Chefarzt.

Schäden an der Netzhaut

Vor allem die langfristigen Folgen der Lichteinstrahlung beschreibt Dr. Luttke als gravierend, denn nach einem langen Arbeitsleben vor dem Bildschirm könne es zu Schäden an der Makula kommen – nur wenige Quadratmillimeter groß ist die Stelle auf der Netzhaut, mit der wir scharf sehen und die Farben erkennen. „Wird die Makula ständig mit blauem Licht bestrahlt, kann das schädlich sein für ihre Pigment- und Sinneszellen. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer Makuladegeneration, die einher geht mit einer verschwommenen und verzerrten Wahrnehmung im Zentrum des Gesichtsfeldes. Lesen und Erkennen von Personen wird immer schwieriger“, beschreibt er. Gewöhnlich betreffe das Patienten erst ab dem 70. Lebensjahr, durch die Bildschirmarbeit könne sie jedoch zehn bis 15 Jahre früher eintreten. Die Experten sprechen in diesem Zusammenhang auch von der digitalen Augenkrankheit. „Das Phänomen kennen wir bereits von Fischern, Landwirten und Bergführern, die sich berufsbedingt viel in der Sonne aufhalten und dort dem blauen Licht ausgesetzt sind. Diese Berufsgruppen werden Sie selten antreffen ohne Sonnen- oder Lichtschutzbrille“, sagt Dr. Luttke.

Brillen mit Blaulichtfilter

„Deswegen empfehlen Augenärzte Menschen, die viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen, Bildschirmarbeitsplatzbrillen mit Blaulichtfilter, unabhängig davon, ob sie sonst eine Brillen tragen oder nicht. Die gelbfarbenen Gläser filtern das schädliche Blaulicht“, sagt der Chefarzt. Zu beachten sei jedoch, dass die Farbwahrnehmung durch den Einsatz von Lichtschutzbrillen möglicherweise verfälscht werde. Mittlerweile würden auch bei Patienten bei einer Grauen-Star-Operation Kunststoff-Linsen eingesetzt, die über einen Blaulichtfilter verfügen und dieses schädliche Licht herausfiltern.

Trockene und brennende Augen

„Ein weiteres Phänomen, das viele kennen dürften nach einem langen Tag vor dem Bildschirm, sind trockene und brennende Augen. Verursacher ist eine niedrigere Lidschlagfrequenz, wenn wir auf den Bildschirm starren. Der Lidschlag benetzt das Auge mit Tränenflüssigkeit, blinzeln wir weniger, wird das Auge im Laufe des Tages trockener“, beschreibt der Chefarzt.

Augentropfen seien nicht zwingend nötig, es genüge nach jeder Stunde am Bildschirm fünf bis zehn Minuten Pause zu machen und in die Ferne zu schauen. „Wenn wir den ganzen Tag auf den Bildschirm schauen, ist das Naharbeit für die Augen, denn der Ziliarmuskel wird angespannt, um für den Nahbereich scharfes Sehen zu ermöglichen. Die ständige Anspannung kann zu Kopfschmerzen führen. Schauen wir in den Pausen in die Ferne, kann das Auge entspannen. Dazwischen auch mal die Augen schließen, so dass ein ausreichender Tränenfilm die Augen benetzt“, rät der Experte.

Augenfreundlicher Arbeitsplatz

„Außerdem kann der Arbeitsplatz augenfreundlich eingerichtet werden: Halten Sie einen Mindestabstand von etwa 65 Zentimetern zum Bildschirm ein. Ihre Augen sollten dabei schräg von oben auf die Oberkante des Bildschirms blicken, ideal ist eine Blickneigung von 25 bis 30 Grad. Das entlastet Nacken und Schultern. Stellen Sie den Bildschirm am besten seitlich zum Fenster. Wenn das nicht geht, vermeiden Sie möglichst Gegenlicht oder Licht von hinten, denn das kann zu irritierenden und langfristig ermüdenden Spiegelungen auf dem Bildschirm führen. Aber auch die Helligkeit im Raum ist wichtig, es sollte weder zu hell noch zu dunkel sein, am besten ist Tageslicht.“

Foto: iStock
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Angestrengte Kinderaugen

Vor allem für die Augen von Kindern und Heranwachsenden sei der digitalisierte Alltag nicht immer von Vorteil. „Das Home-Schooling am Laptop geht noch, viel schlimmer ist das Smartphone, weil die Benutzung stets in der maximalen Nähe stattfindet. Die Arbeit mit dem Handy verlangt dem Auge ein Höchstmaß dessen ab, was es leisten kann: Wir machen es künstlich kurzsichtig auf drei bis vier Dioptrien“, betont Dr. Luttke. „Als würde ich einen weichen Kinderknochen krumm biegen und zwei Jahre so lassen. Danach könnte man ihn nicht wieder begradigen. Auch im Auge ist die Muskulatur der Kinder noch weich und verformbar. Verbringen die Kinder ihre Zeit nur am Handy, wird ihr Ziliarmuskel stark trainiert und kann am Schluss nicht mehr loslassen – in die Ferne schauen ist nicht mehr möglich. Die Auswirkungen sehen wir täglich in der Praxis: Die Kinder werden immer kurzsichtiger!“

„Je weniger Zeit sie am Handy verbringen, desto besser. Die Schädigung der Augen ist am Ende von der Dauer der blauen Lichteinstrahlung abhängig. Wie immer spielt die Menge oder in diesem Fall die Dosis die wesentliche Rolle. Kurze Nutzungszeiten sind sicherlich folgenlos: Viermal 30 Minuten am Tag mit langen Pausen dazwischen sind noch verträglich“, rät Dr. Luttke.

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