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27.04.2021 (aktualisiert am 20.05.2021)

„AstraZeneca hat völlig zu Unrecht einen schlechten Ruf!“

Kein Corona-Impfstoff hat für so viel Unruhe gesorgt wie der von AstraZenca. In vielen Impfzentren bleiben Dosen übrig, weil keiner das Vakzin haben will. Damit keine Impfdosen verschwendet werden, haben Mecklenburg-Vorpommern, Bayern und Sachsen die Vakzine mittlerweile für alle Altersgruppen ohne Priorisierung freigegeben. Klaus Striepeke, Allgemeinmediziner im MVZ Westheim erklärt, warum man keine Angst vor AstraZeneca haben muss.

Klaus Striepeke

Können Sie die Bedenken in Bezug auf AstraZeneca nachvollziehen?

Auf jeden Fall, die Negativ-Schlagzeilen begleiten uns schließlich seit Februar. Dennoch gibt es kaum rationale Gründe eine Impfung mit AstraZeneca abzulehnen.

In den Medien liest man immer wieder, dass AstraZeneca eine geringere Wirksamkeit hat als die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna. Was sagen Sie dazu?

Die Daten zeigen, dass der Impfstoff von AstraZeneca ähnlich oder gleich effektiv vor einer lebensbedrohlichen oder tödlichen Infektion mit dem Coronavirus schützt. Auch vor der britischen Mutation, die in Deutschland vermehrt auftritt, schützen alle drei. Nur darauf kommt es an. Die Haltung „Es gibt etwas Besseres auf dem Markt, warum soll ich AstraZeneca nehmen?“, finde ich sehr bedenklich, gerade auch im Hinblick auf die vielen Menschen hierzulande, die noch lange auf eine Impfung warten müssen. Aber es ist schwierig, dass aus den Köpfen rauszubekommen.

Warum war der Impfstoff zunächst nur für über 65-Jährigen zugelassen?

Dass AstraZeneca zunächst nicht für über 65-Jährige in Deutschland zugelassen wurde, hat nichts mit der Wirksamkeit zu tun. Wir sind in Deutschland sehr akribisch, was die Zulassungsstudien angeht. Es wird nur das zugelassen, was in den Studien auch untersucht wurde und hier waren wenige ältere Patienten eingeschlossen. Eine verständliche Vorsichtsmaßnahme, von der wir heute sagen können, dass sie nicht notwendig war. AstraZeneca wirkt erwiesenermaßen auch bei Älteren sehr gut.

Gibt es gesundheitliche Gründe, die gegen eine Impfung mit AstraZeneca sprechen?

Lediglich Patientinnen und Patienten, die bereits eine Sinusvenenthrombose hatten oder an einer Autoimmunkrankheit mit niedrigen Thrombozyten leiden, sind von einer Impfung mit dem Vakzin ausgeschlossen. Aber das ist so gut wie keiner in unserer Praxis.

Impfstart im MVZ Westheim

Die Impfungen im MVZ Westheim können starten

„Endlich geht es los!“ Das ist die einhellige Meinung aller Beteiligten am ersten Impftag in der Praxis für Allgemeinmedizin im MVZ Westheim. Ein reges Kommen und Gehen ist man in der Praxis für Allgemeinmedizin gewohnt, aber dieser Tag ist dann doch etwas Besonderes: 60 Impfdosen des Herstellers BioNTech / Pfizer wurden im Anschluss an die reguläre Sprechstunde verimpft.

Kam es unter Ihren Patienten schon einmal zu einer Hirnvenenthrombose nach der Impfung?

Deutschlandweit gab es bisher 77Fälle einer Sinusvenenthrombose nach der Impfung. 30 Fälle betrafen Frauen im Alter von 20 bis 59 Jahren. Und 18 Männer zwischen 20 und 59 Jahren. Deswegen dürfen nur noch über 60-Jährige mit AstraZeneca geimpft werden. In meiner Praxis hatte ich zum Glück noch keinen solchen Fall.

Sind vielleicht nur Jüngere betroffen, weil zu Beginn lediglich diese Altersgruppe den Impfstoff erhielt?

Möglich ist das, eine solche Hirnvenenthrombose können jedoch alle Altersgruppen erleiden. Ich betone jedoch immer wieder, dass laut RKI eine solche Thrombose bei einem von 100.000 Geimpften auftreten kann, das Risiko ist also sehr gering. Selbst der Bundespräsident und die Bundeskanzlerin haben sich mit AstraZeneca impfen lassen.

Auf welche Warnzeichen muss ich achten?

Wenn innerhalb der ersten zwei Wochen Symptome auftreten wie: Kurzatmigkeit, Brustenge, Schwellungen der Beine, anhaltende Bauchschmerzen, starke und anhaltende Kopfschmerzen, Sehstörungen, Punktförmige Hauteinblutungen.

Wie verhält man sich nach der Impfung richtig?

Auch Geimpfte müssen weiterhin die AHA+A+L-Regeln einhalten: Abstand halten, Hygiene beachten, Maske tragen und regelmäßig Lüften sowie die Corona-Warn-App nutzen. Zwei Wochen nach der Zweitimpfung ist man zwar vor einem schweren Verlauf geschützt, kann aber immer noch erkranken und andere anstecken. Den Fall hatten wir sogar hier in der Praxis: Ein Geimpfter wurde positiv getestet und war symptomlos.

Wie stehen Sie zu der aktuellen Verfahrensweise, dass Geimpfte so zu behandeln sind, wie jemand mit einem Negativtest?

Das finde ich schwierig, weil Geimpfte den Virus weitergeben können. Das haben wir hier in der Praxis gesehen. Weder eine vollständige Impfung noch ein negativer Schnelltest können sicher eine Übertragung ausschließen. Daher gelten weiter zum Schutz der Umgebung die Hygieneregeln.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Julia Gröber-Knapp.

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