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19.06.2019

Das Navi der Chirurgen

Ein scheinbar harmloser Stolperer am Strand, und Elke Brauer musste ihren Urlaub auf Sylt abbrechen. Der Verdacht auf einen Wirbelbruch bestätigte sich schnell. Dank einer robotergestützten Operation im Brüderkrankenhaus St. Josef in Paderborn plant sie heute bereits ihren nächsten Strandspaziergang.

 
 

Urlaub am Meer – das ist Elke Brauers große Leidenschaft. Mehrmals im Jahr fährt sie an die See. „Mal mit meinem Enkel, mal mit Freunden oder Verwandten und fast immer mit meinem Mann und den Hunden“, sagt die 67-jährige Paderbornerin. Der letzte Urlaub führte sie und ihre Schwägerin an die Nordsee nach Sylt. „Das war Ende September, das Wetter war schon etwas durchwachsen, aber das hat uns nicht davon abgehalten, mit den Hunden am Strand spazieren zu gehen. Die Ebbe hatte große Teile des Strandes freigelegt, der nasse Sand bot eigentlich festen Tritt, aber die einsetzende Flut überspülte bereits einige seichte Priele am Strand von Westerland“, erzählt Elke Brauer. „An solch einer Stelle ist mir der Sand unter den Füßen weggerutscht, und ich bin rückwärts auf den harten Sand gefallen.“ 

Zunächst dachte sie sich nicht viel dabei. „Na ja, der Rücken tat schon weh …“ Aber nachdem die Schmerzen über Nacht zugenommen hatten, ging sie am nächsten Tag zum Arzt. Das Röntgenbild deutete auf einen Wirbelbruch hin. 

Dr. Carsten Schneekloth (re.), Chefarzt Wirbelsäulenchirurgie, und Dr. Heiner Gellhaus, Chefarzt Unfallchirurgie, arbeiten bei heiklen Fällen zusammen.
Dr. Carsten Schneekloth (re.), Chefarzt Wirbelsäulenchirurgie, und Dr. Heiner Gellhaus, Chefarzt Unfallchirurgie, arbeiten bei heiklen Fällen zusammen.

Sorgen um die Oma

„Der Arzt hat zwar versucht, mich zu beruhigen“, erinnert sich Elke Brauer, „aber eine Verletzung an der Wirbelsäule – da bekommt man es ja doch mit der Angst zu tun.“ Mit einer Querschnittlähmung, die bei schweren Verletzungen der Wirbelsäule auftreten kann, war bei ihr zwar nicht unmittelbar zu rechnen. Aber auch ohne irreparable Schäden am Rückenmark können Wirbelfrakturen langfristige Symptome wie etwa Nervenreizungen zur Folge haben. Insbesondere wenn sie nicht richtig verheilen. 

„So etwas wäre für mich wirklich schlimm, denn auch wenn ich in Rente bin, habe ich wirklich überhaupt keine Langeweile“, sagt Elke Brauer. Auch im Alltag ist sie unternehmungslustig: Mit ihrem Mann Henry arbeitet sie viel im Garten, und die drei Hunde halten die beiden das ganze Jahr auf Trab. „Aber die größte Sorge um mich hatte wohl Erik, unser Enkel.“ 

Für Erik ist Elke Brauer mehr als eine Oma. Seit dem Tod seiner Mutter vor einigen Jahren ist sein Vater alleinerziehend. „Seinem Beruf als Ingenieur könnte er ohne Unterstützung kaum noch gerecht werden“, sagt Elke Brauer. Deshalb entlastet sie ihren Sohn, wo sie nur kann. „Ich hole Erik von der Schule ab, bringe ihn zu Freunden oder zum Schwimmkurs, oder wir verbringen den Nachmittag zusammen.“ All das schien plötzlich auf dem Spiel zu stehen. 

Eine gute Prognose

Der Arzt auf Sylt passte Elke Brauer ein Korsett an, um den Rücken zu stabilisieren, und gab ihr Schmerzmittel. Zurück in Paderborn überwies ihre Hausärztin sie umgehend an Dr. Carsten Schneekloth, Chefarzt der Wirbelsäulenchirurgie am Brüderkrankenhaus St. Josef in Paderborn. „Frau Brauer hatte sich den elften Brustwirbel recht kompliziert gebrochen“, schildert Dr. Schneekloth seinen Befund. „Wir haben den Fall wie üblich im Kollegium besprochen und waren uns einig, dass es nötig sein würde, den Wirbel durch Schrauben zu stabilisieren.“ 

Insbesondere bei älteren Patienten beraten sich die Ärzte im Brüderkrankenhaus fachübergreifend über Erkrankungen und Verletzungen ihrer Patienten. Für den regelmäßigen Austausch haben die Ärzte der Wirbelsäulenchirurgie, der Orthopädie und der Unfallchirurgie eine eigene Einheit gegründet: das interdisziplinäre Bewegungszentrum.

Bei Elke Brauer waren sich die Ärzte einig, dass der gebrochene Wirbel von alleine zwar nicht richtig verheilen würde, die Heilungschancen aber sehr gut seien. Insbesondere weil den Wirbelsäulenchirurgen im Brüderkrankenhaus ein ganz besonderes Hilfsmittel zur Verfügung stünde. 

Operation per Roboter

„Seit 2016 haben wir einen Navigationsroboter“, sagt Chefarzt Schneekloth mit sichtlichem Stolz. Der Operationsroboter im Brüderkrankenhaus ist eines von genau drei Exemplaren des Typs RenaissanceTM, die in Deutschland existieren. Die anderen beiden befinden sich in den Universitätskliniken von Mainz und Regensburg. 

Der RenaissanceTM ist eigentlich ein ganzes Operationssystem. Dazu gehört eine 3D-Software, die mit Daten aus dem Computertomografen gespeist wird. Das Programm erstellt daraus ein dreidimensionales Bild der Wirbelsäule, mit dem die Operateure den Eingriff präzise planen und die genaue Lage der Schrauben festlegen können. Der Roboter steuert eine Führungsschiene, durch die der Operateur die Schrauben exakt in die vorher programmierte Position bringen kann. Der Roboter operiert also nicht, aber er ist eine präzise Navigationshilfe. 

„Die Schrauben“, erklärt Schneekloth, „müssen sehr genau eingebracht werden, damit sie weder Knochenmark noch Nerven beschädigen.“ Allerdings, stellt der Chirurg klar, sind solche Fehllagen ohnehin sehr selten. Mit dem Navigationsroboter, das haben Studien gezeigt, hat sich die Häufigkeit von Korrekturoperationen aber noch einmal halbiert. 

Im interdisziplinären Bewegungszentrum besprechen die Ärzte gemeinsam die Behandlung: Im Fall von Elke Brauer sahen sie sehr gute Heilungschancen, vor allem durch den Einsatz eines OP-Navigationsroboters.
Im interdisziplinären Bewegungszentrum besprechen die Ärzte gemeinsam die Behandlung: Im Fall von Elke Brauer sahen sie sehr gute Heilungschancen, vor allem durch den Einsatz eines OP-Navigationsroboters.

Vorteile für Patienten und OP-Personal

Viele Röntgenaufnahmen entfallen durch den Einsatz des Roboters. Das kommt den Patienten zugute, aber erst recht natürlich uns, die wir praktisch jeden Tag im OP arbeiten. – Dr. Carsten Schneekloth

Dazu kommen weitere Vorteile der robotergestützten Chirurgie: Die Operationen können häufiger minimalinvasiv ausgeführt werden. Kleinere Schnitte bedeuten im Allgemeinen schnellere Genesung. Zudem ist die Operation mit dem RenaissanceTM in der Regel kürzer; auch das verringert die Komplikationsrate – Studien zufolge um etwa 50 Prozent. 

Und auch die Strahlenbelastung sinkt. Normalerweise müssen Patienten während einer Wirbelverschraubung vielfach geröntgt werden, damit die Operateure die Lage der Wirbel und der Schrauben immer wieder bestimmen und überprüfen können. Viele dieser Röntgenaufnahmen entfallen mit dem Roboter. „Das kommt den Patienten zugute, aber erst recht natürlich uns, die wir praktisch jeden Tag im OP arbeiten“, sagt Chefarzt Schneekloth. 

Für die Extrakosten, die der Einsatz des Roboters erzeugt, müssen übrigens weder der Patient noch die Krankenkasse aufkommen. „Das ist ein Beispiel dafür, wie das Brüderkrankenhaus beziehungsweise die BBT-Gruppe als Träger ihre christlichen Grundsätze lebt“, sagt Schneekloth anerkennend. Die BBT-Gruppe investiere hier eine wirklich erhebliche Summe in die Sicherheit ihrer Patienten und Angestellten. „Das ist keineswegs selbstverständlich, und dafür sind wir wirklich dankbar.“ 

Nächster Urlaub: Ostseestrand

Dankbar und erleichtert sind auch Elke Brauer und ihre Familie. Inzwischen sind drei Monate seit der Operation vergangen, und sie holt Erik längst wieder von der Schule ab. Ganz schmerzfrei ist sie zwar noch nicht, aber die letzte Nachuntersuchung hat ergeben, dass die Genesung wie erwartet verläuft und der Wirbel gut zusammenwächst. 

Ein bisschen Geduld und einige Sitzungen bei der Physiotherapie wird es sie noch kosten, bis der Rücken wieder so stabil wird wie vor dem Sturz. Aber das sei das Geringste, sagt Elke Brauer. „Mir geht es ja schon wieder richtig gut, und die Hauptsache ist, dass ich wieder aktiv sein kann.“ 

Der nächste Urlaub ist auch schon geplant. Diesmal nehmen die Brauers wieder Enkel Erik mit an die Ostsee. „Nein, Angst vor der Nordsee habe ich nicht“, lacht Elke Brauer, „da fahren wir demnächst auch wieder hin. Ganz bestimmt.“

Nur dreimal in Deutschland im Einsatz: der RenaissanceTM. Der Roboter ermöglicht präzise und minimalinvasive Eingriffe an der Wirbelsäule.
Nur dreimal in Deutschland im Einsatz: der RenaissanceTM. Der Roboter ermöglicht präzise und minimalinvasive Eingriffe an der Wirbelsäule.

Text: Jan D. Walter | Fotos: André Loessel

 
 

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