BBT-Gruppe
 
 
 
 
 

28.03.2019

Schnelle Hilfe bei Schlaganfall

Ein Netzwerk hilft seit rund zwei Jahren Patienten mit Schlaganfall.Sechs überregionale Schlaganfalleinheiten (Stroke Units) bietenteleneurologische Konsile an, um Schlaganfälle in den teilnehmendenKrankenhäusern in Rheinland-Pfalz rund um die Uhr sicher erkennenund auf fachlich höchstem Niveau therapieren zu können.

Das Team der Klinik für Neurologie/Stroke Unit des Katholischen Klinikums Koblenz ·
Montabaur mit Chefarzt Professor Dr. Johannes Wöhrle (Mitte).
Das Team der Klinik für Neurologie/Stroke Unit des Katholischen Klinikums Koblenz ·
Montabaur mit Chefarzt Professor Dr. Johannes Wöhrle (Mitte).

Mehr als 1.600 Patienten wurden bereits innerhalb des ersten Jahres nach Start des Telemedizinischen  Schlaganfallnetzwerks Rheinland-Pfalz (TemeS-RLP) untersucht. Die Klinik für Neurologie/ Stroke Unit des Katholischen Klinikums Koblenz · Montabaur ist eine der sechs überregionalen Schlaganfalleinheiten im Netzwerk. „Es ist beeindruckend, wie hier im Telemedizinischen Schlaganfallnetzwerk Rheinland-Pfalz moderne Informationstechnologie sinnvoll zum Wohle des Patienten eingesetzt wird“, sagt Professor Dr. Johannes Wöhrle,
Chefarzt der Klinik für Neurologie/ Stroke Unit am Katholischen Klinikum. „Beim Hirninfarkt zählt jede Minute,
die für die Wiederherstellung der Hirndurchblutung und damit der Hirnfunktion gewonnen werden kann.“

Seit Netzwerkbeginn nimmt die Zahl an untersuchten Patienten stetig zu. Während in den ersten zwei Monaten
insgesamt 159 Tele-Konsile abgehalten wurden, waren es nach sechs Monaten schon 705 Konsile. Der 1.000.
Patient wurde schließlich Mitte November 2016 behandelt. In der Regel dauert ein Konsil deutlich unter einer halben
Stunde. Innerhalb des ersten Jahres wurde bei insgesamt 802 Patienten, das entspricht 51,2 Prozent aller untersuchten Patienten, die Diagnose eines akuten ischämischen Schlaganfalls gestellt.

Spezialisten für neurologische Erkrankungen

Die Klinik für Neurologie/Stroke Unit im Brüderhaus Koblenz diagnostiziert und therapiert das gesamte Spektrum
neurologischer Erkrankungen – eingeschlossen die neurologische Intensivmedizin. Die überregionale und zertifizierte Stroke Unit ist neben Mainz und Ludwigshafen die größte in Rheinland-Pfalz. Die neurologische
Behandlung wird von einem Netzwerk physiotherapeutischer, ergotherapeutischer und logopädischer Maßnahmen begleitet. Folgende neurologische Erkrankungen werden behandelt: Schlaganfall, Parkinson, Bewegungsstörungen, Epilepsie, Multiple Sklerose, Entzündliche ZNS-Erkrankungen, Hirnleistungsstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Periphere Nervenlähmungen und Muskelerkrankungen

Verschluss oder Riss?

Ischämische Schlaganfälle entstehen durch Gefäßverschlüsse, während Hirnblutungen auf dem Zerreißen von Gefäßen beruhen. Von diesen 802 Patienten erhielten 113 (14,3 Prozent) eine systemische Lysetherapie zur medikamentösen Auflösung von Gefäßverschlüssen. Insgesamt 41 Patienten (5,2 Prozent) wurden für eine mechanische Intervention in ein überregionales Zentrum verlegt. Bei Lysepatienten dauerte es im Schnitt 31 Minuten, bis nach Eintreffen im Krankenhaus eine systemische Lysetherapie durchgeführt werden konnte.

„Die Zahlen von TemeS-RLP haben alle unsere Erwartungen deutlich übertroffen“, betont Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie des Landes Rheinland-Pfalz bei ihrem Besuch am Klinikum Ludwigshafen. „Mit TemeSRLP haben es die Initiatoren geschafft, neurologische Expertise mit Hilfe der Telemedizin regionalen, nicht neurologisch geführten Stroke Units durchgehend zur Verfügung zu stellen. Schlaganfallpatienten haben dadurch eine größere Chance, rasch die geeignete Akuttherapie zu erhalten
und als Folge ihr Leben weiterhin selbstbestimmt zu gestalten.

Bessere Versorgung

„Rund 16.000 Menschen erleiden jedes Jahr in Rheinland-Pfalz einen Schlaganfall oder eine kurze Durchblutungsstörung des Gehirns“, ergänzt Professor Dr. Armin Grau, Chefarzt der Neurologischen Klinik am Klinikum Ludwigshafen und Mit-Initiator des Netzwerks. „Mit TemeSRLP ist es uns gelungen, die Schlaganfall-
Versorgung in Rheinland-Pfalz in der Fläche zu verbessern. Die bisherigen Zahlen sind äußerst ermutigend und spornen uns zu weiteren Verbesserungen an. Das Netzwerk wächst und funktioniert.“

Logo Temes RLP

Wie funktioniert das Telemedizinische Schlaganfallnetzwerk?

Kern des Netzwerks sind die sechs überregionalen Schlaganfalleinheiten (Stroke Units) in Rheinland-Pfalz (Katholisches Klinikum Koblenz · Montabaur, Klinikum Idar-Oberstein, Klinikum Ludwigshafen, Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Westpfalz-
Klinikum Kaiserslautern), die sich täglich in einem 24-stündigen Bereitschaftsdienst abwechseln. Als Spezialisten auf dem Gebiet der Schlaganfallbehandlung stellen diese sechs Zentren ihre Expertise rund um die Uhr für die teilnehmenden Krankenhäuser in Form von Tele- Konsilen für alle Patienten mit Verdacht auf Schlaganfall zur Verfügung.

Der diensthabende Schlaganfallexperte im Telestroke-Zentrum wird dafür noch in der Notaufnahme sofort über
eine Videokonferenz zugeschaltet, kann den Patienten unmittelbar befragen und zusammen mit dem Arzt vor Ort neurologisch untersuchen. Gleichzeitig werden die Computertomografie-Bilder des Patienten innerhalb weniger Sekunden zur Beurteilung in das Zentrum überspielt. Der Schlaganfallexperte kann dann entscheiden,
ob eine Lysetherapie, eine Auflösung der Gefäßverschlüsse, durchgeführt werden kann oder eine Thrombektomie, eine Gefäßeröffnung mittels Katheter, eingeleitet werden muss. Im letzteren Fall wird der Patient in ein geeignetes, gut erreichbares Krankenhaus verlegt. Finanziert wird das Netzwerk der überregionalen Stroke Units in TemeS-RLP durch das Land Rheinland-Pfalz sowie durch Pauschalbeiträge
der teilnehmenden Häuser.

 
 

Artikel finden

 
 

Artikel-Übersicht

 
 

Das könnte Sie auch interessieren

 
 
  • Alexa, was fehlt mir?

    Alexa, was fehlt mir?

    Sind Sie auch smart? Eine kurze Aufforderung an Alexa und das Licht im Wohnzimmer leuchtet. Oder stellen Sie allmorgendlich die Frage: „Okay, Google, wie wird das Wetter?“ Künstliche Intelligenz macht uns das Leben ein Stück bequemer. Auch im Gesundheitswesen ist die digitale Transformation längst angekommen. Ein Kommentar von Dr. Albert-Peter Rethmann.   

     
  • So werden Medizinprodukte sterilisiert

    So werden Medizinprodukte sterilisiert

    Die neue AEMP im Caritas-Krankenhaus erfüllt die höchsten Qualitätskriterien bei der Aufbereitung von Medizinprodukten. Hier werden alle benutzten Instrumente und Medizinprodukte für den nächsten Einsatz hygienisch gereinigt, sterilisiert und verpackt.   

     
  • Schnelle Hilfe für Schwerverletzte

    Schnelle Hilfe für Schwerverletzte

    Minuten können Leben retten – bei Unfällen oder akuten Erkrankungen ist die zügige und passende Behandlung lebenswichtig. Das Traumanetzwerk, dem mehr als 600 Kliniken angeschlossen sind, stellt die schnelle Versorgung sicher. Als regionales Traumazentrum gehört auch das Brüderkrankenhaus St. Josef Paderborn dazu.   

     
 
 
Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzinformationen