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17.09.2020

Dolce Vita dank Defi

Vincenzo Raffas Herz schlägt für die mediterrane Küche – natürlich mit kaltgepresstem Olivenöl. Das stellt er selbst aus den Früchten seines Olivenhains in Süditalien her. Dank eines implantierten Defibrillators kann seine schwere Herzkrankheit ihn nicht dabei bremsen.

In der hellen offenen Küche duftet es nach frischem Basilikum. Mit geübten Messerschnitten würfelt Vincenzo Raffa eine Tomate. „Ich liebe Kochen. Das ist meine Leidenschaft“, sagt der gebürtige Italiener und schaut kurz auf. „Jeden Sonntag koche ich für meine Kinder: Antipasti, Lasagne, Cannelloni – alles, was ich von meiner Mama gelernt habe.“ 

Trotz einer schweren Herzerkrankung wirbelt der 58-Jährige durch seine Wohnung in Trier. Er lacht viel und ist voller Energie. Dass sein Herz nur noch rund 50 Prozent seiner Leistung hat und immer wieder aus dem Rhythmus gerät, ist ihm nicht anzumerken. Außerdem reist er regelmäßig in seine alte Heimat Italien. Dort besitzt er ein Haus und etwas Land im Dorf Villanova del Battista, im Süden nahe Neapel. Dort stellt er aus Oliven sein eigenes Öl her. Möglich macht all das ein hochmoderner Defibrillator, umgangssprachlich auch Defi genannt, den ihm die Herzspezialisten der Rhythmologie im Herzzentrum des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Trier implantiert haben.

Eine verbreitete Erkrankung

Dieses sehr komplexe Gerät ist in der Lage, Herzrhythmusstörungen zu erkennen und zu behandeln. Das dreiköpfige Expertenteam der Rhythmologie rund um Chefarzt Dr. Frederik Voss hat sich auf die Behandlung von Herzrhythmusstörungen und die Implantation von Defibrillator- und Schrittmachersystemen spezialisiert. In dem modern ausgerüsteten Herzkatheterlabor der Klinik können die Fachärzte genaue Diagnosen stellen. Auf dieser Grundlage führen sie rund 800 Eingriffe im Jahr durch. Einige Patienten kommen sogar aus dem benachbarten Ausland.

Vincenzo Raffa leidet an einer verbreiteten Herzerkrankung. Bei fast zwei Millionen Deutschen gerät das Herz immer wieder aus dem Takt. Ein gesundes Herz schlägt gleichmäßig mit 60 bis 90 Schlägen pro Minute. Bei Anstrengung, zum Beispiel durch Sport, kann der Puls auf 160 bis 180 Schläge ansteigen, nachts sinkt er auf 45 bis 55 Schläge. Leidet ein Patient an Rhythmusstörungen, ändert sich die Schlagfolge ohne Anstrengung innerhalb eines Augenblicks. Das Herz rast plötzlich unkontrolliert und stolpert dabei immer wieder. „Betroffene leiden unter Herzklopfen, Herzrasen, Ohnmacht oder Herzschwäche, also Atemnot“, zählt Dr. Frederik Voss typische Symptome auf.

Unbehandelt führen Rhythmusstörungen im schlimmsten Fall zum plötzlichen Herztod, erklärt Privatdozent Dr. Frederik Voss (li.), Chefarzt der Rhythmologie.
Unbehandelt führen Rhythmusstörungen im schlimmsten Fall zum plötzlichen Herztod, erklärt Privatdozent Dr. Frederik Voss (li.), Chefarzt der Rhythmologie.

Die Ursachen sind vielfältig

Unbehandelt führt das im schlimmsten Fall zum plötzlichen Herztod, bei dem das Herz komplett versagt. Die notwendige Wiederbelebung ist nur selten erfolgreich – die meisten Betroffenen überleben ein Herz-Kreislauf-Versagen nicht.

Ursachen für Herzrhythmusstörungen können äußere Einflüsse wie starker Stress, häufiger Koffein-, Alkohol- oder Drogenkonsum oder Nebenwirkungen bestimmter Medikamente sein. Sogenannte Arrhythmien können aber auch organisch bedingt sein, etwa durch Herzmuskelerkrankungen, Klappenfehler, Schilddrüsenfehlfunktionen, Bluthochdruck oder einen Herzinfarkt.

Viel Arbeit im eigenen Restaurant

Bei Vincenzo Raffa hat vermutlich Stress die Probleme ausgelöst. Noch bis vor wenigen Jahren stand er nicht nur in seiner Wohnung in Trier am Herd, sondern auch im Traditionsrestaurant „Frankenturm“ im Herzen der Römerstadt. „Das war viel Arbeit, hat aber auch viel Spaß gemacht. Wir haben dort Musik gemacht und getanzt, wie in Italien. Die Gäste haben sich immer toll amüsiert“, erinnert sich der ehemalige Gastronom. Er arbeitete sehr viel, an den Wochenenden häufig auch bis in die frühen Morgenstunden.

Eine enorme Belastung für den Körper, die nicht ohne Folgen blieb. „An einem Wochenende war mir plötzlich sehr schlecht. Mein Herz ist gerast, ich hatte Probleme, Luft zu bekommen“, erzählt Vincenzo Raffa. Ein Freund fuhr mit ihm sofort in die Notaufnahme des Brüderkrankenhauses Trier. Er kam auf die Intensivstation. Verdacht: Herzinfarkt.

Schlimmeres verhindern

Der Verdacht bestätigte sich nicht, die Ärzte stellten allerdings starke Herzrhythmusstörungen fest. Dr. Voss erinnert sich: „Herr Raffa wurde mit einer schweren Herzschwäche aufgenommen. Wir haben ihn daraufhin mit einem Defi versorgt, wodurch wir Schlimmeres verhindern konnten.“

„Patienten, denen wir einen Defibrillator einsetzen, haben in der Regel lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen“, macht er deutlich. „Ohne einen Defi oder Herzschrittmacher haben sie ein hohes Risiko, plötzlich zu versterben.“

Der Defi gibt den Takt vor

Beide Geräte messen die Herzaktivität. Schlägt das Herz zu langsam oder gar nicht, geben sie kleine Stromstöße ab, die einen Herzschlag simulieren. Der Patient spürt davon in der Regel nichts. Defibrillatoren können darüber hinaus einen zu schnellen Herzschlag behandeln. Erkennen sie die Anomalie, geben sie einen stärkeren Stromstoß ab. Das stoppt die übermäßige Tätigkeit und das Herz findet wieder in einen normalen Rhythmus.

Betroffene kommen meist auf Anraten ihres niedergelassenen Kardiologen in die Rhythmologie des Herzzentrums Trier. Dieses besteht aus den drei Kernabteilungen Kardiologie, Herzchirurgie und Rhythmologie und ist Referenzzentrum für alle Therapieformen von Herzerkrankungen in der Region. Oft haben die Patienten zunächst nichts gespürt – erst ein Elektrokardiogramm (EKG) zeigt  die Rhythmusstörungen. Einige werden, wie Vincenzo Raffa, aber auch mit akuten Herzbeschwerden in die Klinik eingeliefert oder wurden bereits wiederbelebt.

Direkt zurück an den Herd

Die Implantation ist ein unkomplizierter Eingriff mit örtlicher Betäubung – die Patienten können dabei sitzen. Nur ein kleiner Schnitt auf der linken Seite unterhalb des Schlüsselbeins ist nötig, um das Gerät einzusetzen. Der Kardiologe platziert Elektroden im Herzen, die genau den Herzschlag aufzeichnen und die Muskulatur stimulieren können. 

„Die OP war schnell und ganz einfach. Ich habe nichts davon gemerkt und konnte schon nach ein paar Tagen wieder nach Hause“, berichtet Vincenzo Raffa. Schnell habe er wieder gekocht und sich um seine Kräuter gekümmert, sagt er und zeigt auf den Balkon. Basilikum, Thymian, Rosmarin, Oregano, Salbei und Minze wachsen dort in terracottafarbenen Töpfen. Sie erinnern ihn an Italien.

„Wie ein Arzt, der immer dabei ist“

An seine Krankheit denkt Vincenzo Raffa seit dem Eingriff kaum noch. Er weiß, dass der Defibrillator sein Herz rund um die Uhr überwacht. „Ich fühle mich sehr sicher. Für mich ist das wie ein Arzt, der immer bei mir ist. Wenn etwas passiert, kann er mir das Leben retten“, sagt er dankbar.

Das moderne Gerät kann sogar noch mehr: Es zeichnet durchgehend Daten auf und sendet sie an einen Transmitter, der auf dem Nachttisch steht. Alle drei Monate schickt Vincenzo Raffa diese an das Krankenhaus. Das funktioniert komplett digital. An festgelegten Tagen sendet er die auf dem Transmitter gespeicherten Daten einfach per Knopfdruck. Dr. Voss erklärt: „Durch die telemedizinische Nachsorge, also die Fernüberwachung von zu Hause, sind weniger Kontrollen in der Klinik nötig. Der Patient lebt wieder mehr in seinem häuslichen Umfeld und vergisst oft, dass er überhaupt Defi-Patient ist.“

Fernüberwachung in Echtzeit

Nur einmal im Jahr muss Vincenzo Raffa ins Herzzentrum kommen. Das ist trotz Fernüberwachung wichtig, wie Wilma Thinnes-Giessbrecht erklärt. Die Medizinisch-technische Assistentin leitet die  Schrittmacherambulanz im Brüderkrankenhaus Trier und koordiniert die Nachsorge nach der Defibrillatorimplantation. „Die Kontrollen sind wichtig, damit die Patienten immer optimal eingestellt sind.“ Jedes Defibrillator- und Schrittmachersystem wird individuell auf den Patienten eingestellt. Die Einstellungen werden regelmäßig angepasst, da sich die Herzleistung im Laufe der Zeit verändern kann. 

Sollte es doch einmal zu Unregelmäßigkeiten kommen, werden Wilma Thinnes-Giessbrecht und ihr Team sofort informiert. „Der Transmitter übermittelt uns die Daten in Echtzeit. Wir informieren dann den Arzt, der anhand der Aufzeichnungen entscheidet, ob ein Notfall vorliegt und der Patient in die Ambulanz kommen muss. Dann rufen wir den Patienten an“, beschreibt sie das Vorgehen in einem solchen Fall. Manchmal würde das Team schon alarmiert, bevor der Betroffene überhaupt Beschwerden bemerke.

So abgesichert können Patienten wie Vincenzo Raffa ihren Alltag wieder unbesorgt bestreiten. Zeit mit der Familie verbringen, Sport treiben, reisen: All das wird wieder möglich. „Wir nehmen den Menschen ihre Ängste. Sie haben mehr Sicherheit, eine gesteigerte Lebensqualität und Freiheit. Das zu sehen, ist schön“, sagt Wilma Thinnes- Giessbrecht.

Vorfreude auf die Heimat

Vincenzo Raffa hat inzwischen die Pfanne vom Herd genommen, das Pastagericht auf drei Tellern angerichtet und seiner Frau und seiner Tochter Katharina auf dem Balkon serviert. Er lebt nun seit zehn Jahren mit dem Defibrillator. Einen Notfall hatte er nie. Seine neu gewonnene Freiheit genießt der Familienvater, der inzwischen Rentner ist, in vollen Zügen. „Ich lebe wieder. Die Maschine läuft gut, und ich bin glücklich. Nächste Woche fahre ich nach Italien. Ich freue mich sehr auf mein Haus, meine Familie. Und meine Oliven.“

Kochen ist seine Leidenschaft. Vincenzo Raffa genießt das Leben wieder.
Kochen ist seine Leidenschaft. Vincenzo Raffa genießt das Leben wieder.

Text: Lena Reichmann
Fotos: André Loessel

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