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26.09.2017

Der Nächste, bitte!

Ein Termin beim Facharzt ist erst in vier bis sechs Wochen zu bekommen, die Wartezeit beim Hausarzt zieht sich in die Länge. Dazu wird gerade in ländlichen Regionen die medizinische Versorgung immer dürftiger. Medizinische Versorgungszentren wie das MVZ Westheim bieten einen Lösungsansatz. 

 
 

Mittwochmorgen, kurz nach neun Uhr: Rund 15 Patienten sitzen im Wartezimmer, lesen Illustrierte oder unterhalten sich leise. Stetig fahren neue Wagen vor dem schlichten, weiß verputzten Haus vor. Und ebenso stetig klingelt das Telefon. Arzthelferinnen rufen die Patienten nach und nach in die Behandlungsräume. Eine ganz normale Arztpraxis, irgendwo in der Stadt? Nicht ganz – wie bei der Begrüßung am Telefon bereits deutlich wird. „MVZ Westheim, einen schönen guten Morgen“, sagt die Mitarbeiterin am Empfang und nutzt dabei ganz selbstverständlich eine Abkürzung, die sicher keinem der Patienten vor wenigen Jahren geläufig war. 

MVZ, das steht für Medizinisches Versorgungszentrum. Der Begriff bezeichnet eine medizinische Kooperationsform, die der Gesetzgeber seit 2003 erlaubt: Unter einem Dach sind verschiedene Fachdisziplinen ähnlich wie in einer Gemeinschaftspraxis vereint. In Westheim sind es neben der Allgemeinmedizin noch die Anästhesiologie, Gastroenterologie, Innere Medizin und Schmerztherapie sowie – an einem zweiten Standort in Marsberg – Orthopädie und Chirurgie. Das Ziel dahinter: die beste medizinische Versorgung vor Ort sicherstellen. 

Hubert Lange fühlt sich im MVZ Westheim sehr gut aufgehoben.
Hubert Lange fühlt sich im MVZ Westheim sehr gut aufgehoben.

„Ich fühle mich hier gut aufgehoben.“ So lautet das Resümee von Hubert Lange. Der Rentner wohnt in Westheim und kennt das MVZ noch aus der Zeit, als es eine einfache Praxis für Allgemeinmedizin war. Einer der ursprünglichen Ärzte ist auch heute noch in dem Zentrum tätig. Lange: „Es kommen viele Patienten aus mehreren Ortsteilen hierher. In Marsberg ist ja auch nicht mehr viel. Hier wird man morgens, wenn man anruft, nicht vertröstet. Und wenn man einen Termin hat, kommt man auch sehr schnell dran.“ 

Das geht dank eines guten Teams, erklärt Facharzt Klaus Striepeke, der seit Anfang 2017 als Allgemeinmediziner und Ärztlicher Leiter im MVZ Westheim tätig ist. „Für die Region ist das Konzept des Medizinischen Versorgungszentrums sehr gut“, erklärt er. Denn der fehlende Nachwuchs für die Landarztpraxen in der Umgebung zeichnet sich bereits ab. „Die Nachbesetzung von Praxen ist heute schwieriger“, weiß Striepeke. Aktuell sei die Versorgung in Westheim und Umgebung noch gut, aber „weniger darf es nicht mehr werden“. 

Klaus Striepeke selbst war 25 Jahre lang im Krankenhaus tätig, zuletzt als Oberarzt. Bewusst entschied er sich für den Wechsel in das Medizinische Versorgungszentrum. Er wollte noch einmal etwas anderes machen. Eine Entscheidung, die er bis heute nicht bereut hat. „Die Arbeitsweise ist anders hier“, sagt er. „Die Frequenz an Patienten ist deutlich höher als im Krankenhaus.“ In der Grippesaison kommt da leicht eine Patientenzahl im hohen zweistelligen Bereich zusammen. Gut machbar mit den vier Hausärzten, die im MVZ Westheim arbeiten. „Die Dienstbesetzung ist mit dieser Zahl einfacher. Die Hausbesuche lassen sich aufteilen. Und auch in den Urlaubszeiten ist es leichter, die Besetzung der Praxis zu gewährleisten.“ Zwei Ärzte müssen immer vor Ort sein, so die Regel. Striepeke: „Allein eine Landarztpraxis zu übernehmen, muss man sich gut überlegen.“ Denn als Einzelkämpfer sei das Pensum nur schwer zu stemmen. Für manchen Hausbesuch fahre man auf dem Land auch schon mal eine Stunde, so Striepeke. 

„Es kommen viele Patienten aus mehreren Ortsteilen hierher. In Marsberg ist ja auch nicht mehr viel. Hier wird man morgens, wenn man anruft, nicht vertröstet. Und wenn man einen Termin hat, kommt man auch sehr schnell dran.“ – Hubert Lange

Vom Hausarzt zum Facharzt

Die Stärke des MVZ liegt allerdings nicht allein in der medizinischen Grundversorgung, sondern vor allem auch in der Fachmedizin. Hubert Lange erzählt: „Ich habe Stahlbauschlosser gelernt und war zuletzt Betriebsschlosser in der Ziegelei.“ Eine schwere körperliche Arbeit, die nicht spurlos an ihm vorübergegangen ist. Drei Hüftoperationen musste er bereits hinter sich bringen, und auch sein Rücken bereitet Probleme. „Ich bin auf die medizinische Versorgung angewiesen“, sagt Lange. „Daher bin ich froh, dass es die Praxis im Ort gibt und dass die Ärzte auch zusammenarbeiten.“ 
Als Hubert Lange die Hüfte erneut schmerzte, war sein erster Gang zu seinem Hausarzt Klaus Striepeke. „Das ist auch der richtige Weg“, erklärt der Mediziner. „Die Patienten sollen eine Vertrauens- und Bezugsperson haben. Wir dienen dann als Lotse und koordinieren die Überweisung zum Facharzt oder auch ins Krankenhaus.“ Bei den Kollegen, die unter einem Dach agieren, ist der Austausch über den jeweiligen Patienten besonders leicht. 

Natürlich haben die Patienten dabei das Recht auf freie Arztwahl. Bei der Überweisung zum Orthopäden fand Hubert Lange dann allerdings dennoch den Weg in die Praxis von Dr. Ergül Kaya und ihrem Kollegen Dr. Frank Söllner, die als Filiale in Marsberg dem MVZ Westheim angegliedert ist. „Der nächste Orthopäde wäre schon 25 Kilometer weit weg“, erklärt der Rentner. 

Weites Einzugsgebiet

Die Fachärztin für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie bestätigt das. „Wir sind die einzige chirurgisch-orthopädische Praxis in Marsberg. Unsere Patienten kommen aber nicht nur aus dem Ort, sondern auch aus Brilon, Warburg und sogar aus Kassel. Diese Patienten kommen vor allem, weil es unser Ziel ist, schnell Termine zu vergeben“, erzählt Dr. Kaya. Ein anderes Bild als in Köln, von wo sie ursprünglich stammt: „Da gab es in jedem Bezirk eine eigene chirurgische Praxis.“ 
Für viele Patienten ist die Behandlung in der Nähe des Wohnortes wichtig. Dr. Kaya übernimmt die Behandlung ganzheitlich und blickt neben der Schulmedizin auch auf Disziplinen wie Akupunktur und Osteopathie. In ihrer Praxis bietet sie mit ihrem Kollegen eine umfassende chirurgische beziehungsweise orthopädische Behandlung, stellt Diagnosen, nimmt kleinere chirurgische Eingriffe vor und kümmert sich um die Nachsorge nach Eingriffen im Krankenhaus. „Mit den Allgemeinmedizinern des MVZ kooperieren wir genauso wie mit den weiteren niedergelassenen Ärzten.“ Liegt der Befund vor, wird der Patient an den jeweiligen Hausarzt zurück oder an ein Krankenhaus zur weiteren Behandlung überwiesen. Bei Hubert Lange wird es wohl auf diese zweite Option hinauslaufen. Bei ihm besteht der Verdacht, dass sich die Pfanne des künstlichen Hüftgelenks gelockert hat. Eine erneute Hüft-OP wäre dann unumgänglich. 

Optimale Betreuung

Für die Patienten hat ein Medizinisches Versorgungszentrum gerade in ländlichen Regionen deutliche Vorteile. Denn so ist eine gute ärztliche Versorgung vor Ort gewährleistet. Vorteile gibt es aber auch für die Mediziner, sind sich Klaus Striepeke und Dr. Ergül Kaya einig. Denn beide sind sie keine eigenständig niedergelassenen Ärzte, sondern beim MVZ Westheim angestellt. „Dadurch entfällt das unternehmerische Risiko“, so Klaus Striepeke. Und auch die Strukturen lassen sich durch die Kooperation besser optimieren. Dr. Kaya: „Wir arbeiten zwar an unterschiedlichen Standorten, haben aber eine gemeinsame Geschäftsführung. In unseren Quartalsgesprächen können wir uns untereinander austauschen und Entwicklungen, Probleme und Verbesserungsvorschläge besprechen.“ Und das kommt letztlich ebenfalls den Patienten zugute – durch eine optimale Betreuung im Krankheitsfall 

Text: Christoph Lindemann | Fotos: André Loessel

 
 

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