BBT-Gruppe
 
 
 
 
 

26.09.2017

Neuer Knorpel "aus eigener Produktion"

Arthrose mit 15 Jahren: Xhemile Cerkini hat schon etliche Methoden kennengelernt, um die Knorpelschäden in ihren Knien behandeln zu lassen. Der dauerhafte Erfolg blieb aus. Vor gut zwei Jahren begann die heute 27-Jährige mit dem aufwendigen Prozedere einer Knorpeltransplantation im rechten Knie. Nun ist das linke an der Reihe.

 
 

Immer wieder huscht ein schüchternes Lächeln über das konzentrierte Gesicht von Xhemile Cerkini, während sie von ihrer bevorstehenden Operation erzählt: „Ich kann wirklich kaum erwarten, dass es losgeht“, sagt die 27-Jährige und nickt dazu energisch, als fürchte sie, man könne ihr nicht glauben. Natürlich kämen da erst mal Schmerzen auf sie zu. „Aber ich kenne das ja schon – vor allem das Ergebnis: Und darauf freue ich mich sehr!“ 

Xhemile Cerkini war 15 Jahre alt, als sie zum ersten Mal ein Knirschen in ihren Knien wahrnahm. „Im ersten Moment dachte ich, das sei ganz normal, aber irgendwann begann es wehzutun.“ Auf Empfehlung wandte sie sich an das Gemeinschaftskrankenhaus Bonn. Dort diagnostizierten die Orthopäden eine Arthrose: In beiden Knien hatte sich Knorpel abgerieben.

Hoffnung auf Heilung: Oberärztin Dr. Julia Abbing (li.) und Chefarzt Dr. Jochen Müller-Stromberg transplantieren neuen Knorpel in die Knie von Xhemile Cerkini.
Hoffnung auf Heilung: Oberärztin Dr. Julia Abbing (li.) und Chefarzt Dr. Jochen Müller-Stromberg transplantieren neuen Knorpel in die Knie von Xhemile Cerkini.

Minimalinvasive Eingriffe

2007 wurde Cerkini zum ersten Mal operiert. Kein großer Eingriff: „Damals wurde minimalinvasiv per Arthroskopie der Abrieb entfernt und der Knorpel geglättet“, erklärt Orthopädin Dr. Julia Abbing, die Xhemile Cerkini heute im Gemeinschaftskrankenhaus Bonn behandelt. 

Die Operation verlief erfolgreich. Wenige Wochen später war das Knie abgeschwollen, und die Schmerzen waren weg. Doch das Glück währte nur kurz: Kaum ein Jahr später knirschte es wieder, und die Knie begannen erneut zu schmerzen. „Ich war bei zig verschiedenen Ärzten“, erzählt Cerkini, „habe Tabletten genommen, Hyaluron-Spritzen bekommen, aber nichts hat mir dauerhaft geholfen.“ Und ungefähr alle zwei Jahre, sagt sie, habe ihr ein anderer Arzt beide Knorpel geglättet. Doch jedes Mal kamen die Schmerzen zurück – stärker als zuvor. 

"Ich bekam langsam Angst, dass ich irgendwann nicht mehr arbeiten könnte" – Xhemile Cerkini

Bewegung ist gut

„Das war unglaublich frustrierend“, sagt Cerkini. „Und ich bekam langsam Angst, dass ich irgendwann nicht mehr arbeiten könnte.“ Als Mitarbeiterin einer Großküche verbringt sie die meiste Zeit des Tages auf den Beinen: gehen, stehen, Treppen steigen. „Bewegung ist eigentlich gut, um Arthrose vorzubeugen, sie kann sogar die Regeneration des Knorpels unterstützen“, erklärt Dr. Jochen Müller-Stromberg, Chefarzt der Orthopädie im Gemeinschaftskrankenhaus Bonn. 

Die tägliche Belastung im Beruf ist zwar hoch, aber keine hinreichende Erklärung für ihre Arthrose: „Bei Frau Cerkini liegt ein genetisch bedingter vorzeitiger Gelenkverschleiß vor“, sagt Oberärztin Dr. Julia Abbing. „Aber, und das ist das Gute, für ihre Genesung ist das unerheblich.“

Mitte 2016 kehrte Xhemile Cerkini an den Ort zurück, an dem ihre Behandlung zehn Jahre zuvor begonnen hatte.
Mitte 2016 kehrte Xhemile Cerkini an den Ort zurück, an dem ihre Behandlung zehn Jahre zuvor begonnen hatte.

Mitte 2016 kehrte Xhemile Cerkini – wiederum auf persönliche Empfehlung – an den Ort zurück, an dem ihre Behandlung zehn Jahre zuvor begonnen hatte: Hier, im Gemeinschaftskrankenhaus, erfuhr sie von der Möglichkeit einer Knorpeltransplantation. Es ist die einzige Klinik in Bonn und Umgebung, die eine Zulassung für dieses Verfahren hat. Bundesweit, sagt Chefarzt Müller- Stromberg, hätten sie nur etwa 150 Krankenhäuser. 

Für die Behandlung wird ein kleines Stück gesunden Knorpels entnommen und in einem aufwendigen biotechnologischen Verfahren gezüchtet. Nach etwa sechs Wochen hat sich eine ausreichende Zahl neuer Knorpelzellen gebildet, die dann in einer zweiten minimalinvasiven Operation implantiert werden. 
Das Verfahren ist die bisher einzige Möglichkeit, zerstörten Knorpel wiederherzustellen, und bei richtiger Anwendung lägen die Heilungschancen bei nahezu 100 Prozent. Ein Allheilmittel, stellt Müller-Stromberg klar, ist die Knorpeltransplantation allerdings nicht: „Die Auswahlkriterien sind sehr streng: Nur bestimmte Knorpelschäden können überhaupt so behandelt werden, und nur wenige Patienten werden zugelassen.“ Menschen mit starkem Übergewicht, ausgeprägten X- oder O-Beinen oder Rheuma kommen nicht infrage. Die Krankenkassen zahlen nur für Patienten zwischen 18 und 50 Jahren. 

Für die Behandlung wird ein kleines Stück gesunden Knorpels entnommen und in einem aufwendigen biotechnologischen Verfahren gezüchtet. Nach etwa sechs Wochen hat sich eine ausreichende Zahl neuer Knorpelzellen gebildet, die dann in einer zweiten minimalinvasiven Operation implantiert werden. 

Das Verfahren ist die bisher einzige Möglichkeit, zerstörten Knorpel wiederherzustellen, und bei richtiger Anwendung lägen die Heilungschancen bei nahezu 100 Prozent. Ein Allheilmittel, stellt Müller-Stromberg klar, ist die Knorpeltransplantation allerdings nicht: „Die Auswahlkriterien sind sehr streng: Nur bestimmte Knorpelschäden können überhaupt so behandelt werden, und nur wenige Patienten werden zugelassen.“ Menschen mit starkem Übergewicht, ausgeprägten X- oder O-Beinen oder Rheuma kommen nicht infrage. Die Krankenkassen zahlen nur für Patienten zwischen 18 und 50 Jahren. 

Heilung durch Transplantation

Bei Xhemile Cerkini aber war schnell klar: Sie gehört zu den fünf Prozent der Arthrosepatienten, bei denen eine Knorpeltransplantation indiziert ist. Außerdem war sie absolut überzeugt davon, dass sie die aufwendige Therapie durchstehen würde. „Das gehört zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Therapie“, sagt Müller- Stromberg, „denn ohne sorgfältige Vor-und Nachsorge sinken die Heilungschancen rapide.“ 

Gute Aussichten: Die Behandlung des rechten Knies zeigt bereits Erfolg. Nun beginnt die Prozedur auch auf der anderen Seite.
Gute Aussichten: Die Behandlung des rechten Knies zeigt bereits Erfolg. Nun beginnt die Prozedur auch auf der anderen Seite.

Immerhin unterzieht man sich pro Gelenk zwei Operationen, jede ist mit Schmerzen und Bewegungseinschränkung verbunden. Die Rehabilitation bedeutet mindestens sechs Wochen Schonung und Krankengymnastik. Und in vielen Fällen einen erheblichen Verdienstausfall. So auch bei Xhemile Cerkini. „Aber für mich war das nie eine Frage“, sagt sie, „die Gesundheit geht schließlich vor.“

Knapp zwei Jahre ist es nun her, dass ihr Knorpelzellen ins rechte Knie implantiert wurden. Seit Abschluss der Nachbehandlung hat sie dort keine Schmerzen mehr gehabt. „Das ist eine Heilung“, bestätigt Müller-Stromberg. 
Nun ist das linke Knie an der Reihe. Die neuen Knorpelzellen wachsen bereits heran, bald sind es genug, um implantiert zu werden. „Ja, ich kann es wirklich kaum erwarten“, sagt Cerkini und lacht ganz unbefangen.

Text: Jan D. Walter | Fotos: André Loessel

 
 

Artikel finden

 
 

Artikel-Übersicht

 
 

Das könnte Sie auch interessieren

 
 
  • Oganspende: Ein Ringen um den richtigen Weg

    Die Zahl an Spenderorganen ist nach mehreren gesetzlichen Initiatven immer noch zu niedrig. erfreulich. Allerdings reicht das noch nicht aus. Daher will der Bundestag noch in diesem Jahr über zwei Vorschläge abstimmen, die sehr unterschiedliche Strategien vorsehen. Eine Einschätzung von Oberarzt Michael Kiefer aus dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier.   

  • Operationsroboter: Das Navi der Chirurgen

    Operationsroboter: Das Navi der Chirurgen

    Ein scheinbar harmloser Stolperer am Strand, und Elke Brauer musste ihren Urlaub auf Sylt abbrechen. Der Verdacht auf einen Wirbelbruch bestätigte sich schnell. Dank einer robotergestützten Operation im Brüderkrankenhaus St. Josef in Paderborn plant sie heute bereits ihren nächsten Strandspaziergang.   

     
  • Inklusion: Den Wahnsinn auf die Bühne bringen

    Inklusion: Den Wahnsinn auf die Bühne bringen

    Menschen mit psychischen Erkrankungen proben einmal die Woche mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen in dem inklusiven Theaterprojekt Soul LaLa. Es bringt unterschiedliche Menschen zusammen und fördert das Verständnis füreinander. Und manchmal gehen die Schauspieler gemeinsam an ihre Grenzen.   

     
 
 
Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzinformationen