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02.10.2020

Der Geruch der Apotheke

Als Kind zog sie der typische Geruch in Apotheken magisch an, als Abiturientin faszinierte sie die naturwissenschaftliche Vielfalt im Pharmaziestudium. Auch heute, 22 Jahre später, ist Ulrike Wölfel noch von ihrem abwechslungsreichen Alltag und der Vielzahl an Themen begeistert. Sie leitet die Zentralapotheke des Katholischen Klinikums Koblenz · Montabaur, die 15 Kliniken mit insgesamt circa 3.000 Betten sowie Rettungsdienste und öffentliche Apotheken mit Arzneimitteln versorgt. Im Interview erzählt sie von ihrem Werdegang und warum ihr der Beruf so gut gefällt.

Ulrike Wölfel

Wie lange arbeiten Sie schon in der Zentralapotheke des Katholischen Klinikums Koblenz · Montabaur?

Seit 1998 bin ich hier, also schon seit 22 Jahren. Es war meine erste Stelle nach dem Studium in Baden-Württemberg.

In der heutigen Zeit ist es eher ungewöhnlich so lange bei einem Arbeitgeber zu bleiben. Was hat Ihnen hier besonders gefallen?

Eigentlich war mein Plan, wieder zurück nach Baden-Württemberg zu gehen, durch eine Veränderung im privaten Umfeld entschied ich mich dann erstmal länger hier zu bleiben. Ein anderer wichtiger Grund war mein Vorgänger Wolfgang Scheer, ein eher ungewöhnlicher Krankenhausapotheker, der stets mit der Zeit ging. Während des Studiums machte ich ein Praktikum in einer Krankenhausapotheke am Bodensee – das kam mir wenig abwechslungsreich und steif vor. Im Rheinland und unter Herrn Scheer ging es ganz anders zu, sehr modern und offen. Er hat mich motiviert, mich fachlich zu spezialisieren und berufspolitisch zu engagieren.So habe ich nach und nach in Koblenz Wurzeln geschlagen. Die ständige Veränderung hat es mir leicht gemacht, zu bleiben. Als ich damals anfing, waren wir sechs Kollegen, heute sind wir 28. Jedes Jahr kam ein neues Haus dazu oder eine neue Dienstleistung hinzu. Irgendwas ist immer im Wandel und das ist einfach schön.

Als Berufsanfänger ist ja immer alles neu und aufregend. Ist mit den Jahren die Vielfalt der Routine gewichen?

Nein, mein Alltag ist immer noch sehr abwechslungsreich. Keine Frage wiederholt sich allzu oft. Ständig kommen neue Themen auf einen zu, seien es organisatorische Fragen, rechtliche Rahmenbedingungen oder auch neue Arzneimitteltherapien. Wir lernen ständig Neues.

Warum haben Sie sich für den Beruf der Apothekerin entschieden?

Als Kind bin ich gerne in die Apotheke gegangen, weil es da so gut roch. Als es dann daran ging, einen Studiengang auszusuchen, haben mich die Vielfalt der Fächer und Themen im Pharmaziestudium angesprochen. Ich wollte mich nicht auf eine Naturwissenschaft festlegen, ich wollte von allem etwas. Außerdem hat mir der Gedanke gefallen, durch die Medikamente etwas für die Gesundheit der Menschen tun zu können. Über Medizin hatte ich kurz nachgedacht und mich dann dagegen entschieden. Retroperspektiv betrachtet, würde ich heute vielleicht eher Ärztin werden, weil man näher am Patienten arbeitet.

Apotheker beraten die Ärzte bei der Wahl des richtigen Medikaments. Nehmen die Ärzte den Rat an?

Genau das ist der Grund, warum ich mich für die Krankenhausapotheke und nicht die öffentliche Apotheke entschieden habe. Hier haben Apotheker sehr viel mehr Einfluss als in der öffentlichen Apotheke, in der sie von den umliegenden Ärzten abhängig sind. Im Krankenhaus hingegen stehen wir uns auf Augenhöhe gegenüber.

Wie läuft der Austausch mit den Stationen und Ärzten? Können Sie auch zurückmelden, wenn es vielleicht ein besseres Medikament für den Patienten gibt?

Die Stationen bestellen ihre Arzneien und Verbrauchsprodukte anhand einer Arzneimittelliste, die mit der Arzneimittelkommission für das Haus festgelegt wurde. Diese enthält Mittel, die nach therapeutisch und wirtschaftlichen Kriterien ausgewählt wurden. Alle georderten Präparate, die nicht gelistet sind, prüfen wir auf Alternativen. Gibt es ein gleichwertiges Produkt, substituieren wir. Ist es nicht genau die gleiche Zusammensetzung, sprechen wir mit dem behandelnden Arzt darüber. Bei teuren Therapien fragen wir obligatorisch nach, wofür das Präparat gedacht ist und machen gegebenenfalls Alterntivvorschläge. Allein für diese Aufgaben haben wir zwei Mitarbeitende, die man eigentlich nur mit Telefon in der Hand sieht.

Zubereitung von Zytostatika
Zubereitung von Zytostatika

In der öffentlichen Apotheke gebe ich mein Rezept ab und bekomme das Mittel. Im Krankenhaus läuft das anders. Was passiert hinter den Kulissen?

Wir versorgen im Grunde genommen nicht direkt den Patienten, sondern stellen den Stationen Medikamente zur Verfügung. Aber auch Rettungsdienste und öffentliche Apotheken statten wir mit Arzneimitteln und eigenen hergestellten Rezepturen aus. Die Bestellungen der Stationen gehen bei uns elektronisch ein, werden kontrolliert und danach an die automatische Kommissionierung weitergegeben. Ein Automat übernimmt für uns das Zusammenstellen der Bestellung. Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Herstellung von Arzneimitteln, das sind bei uns vor allem individuell für den Patienten hergestellte Zytostatika, die für die Krebstherapie eingesetzt werden. Allein in diesem Bereich stellen zehn Mitarbeiterinnen jeden Tag von morgens sechs bis abends halb fünf im Schichtbetrieb her. Ein Zytostatikum herzustellen, dauert ungefähr zwanzig Minuten. Dazu kommen noch weitere Rezepturen, zum Beispiel Salben oder Augentropfen.

Damit die Bestellungen im Regal überhaupt stehen können, müssen sie die Medikamente einkaufen. Dabei hilft Ihnen die Apotheken-Einkaufsgemeinschaft der pharmaceutical benefit management group (PBMG eG). Wie sieht die Zusammenarbeit mit der PBMG aus?

Die PBMG lebt von der Mitarbeit der Mitglieder. Wir als Leiter der Mitgliedsapotheken haben ein relativ großes Aufgabenspektrum, weil wir in die Vertragsverhandlungen mit Arzneimittelherstellern involviert sind. Das heißt, wir bearbeiten und verhandeln im Zweier-Team die Verträge für bestimmte Arzneimittelgruppen. Trotzdem darf man die PBMG nicht als reine Einkaufsgemeinschaft verstehen. Wichtig ist für uns auch die Vernetzung miteinander. Schlagen aktuelle Themen wie zum Beispiel Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen auf, können wir uns schnell untereinander austauschen. In der Krankenhauspharmazie gibt es selten eine Standardlösung, da ist es immer hilfreich, wenn man im Kollegenkreis Best-Practice Beispiele austauschen kann.

Die pharmaceutical benefit management group (PBMG eG), ein Zusammenschluss von Apotheken von Krankenhäusern in ganz Deutschland, feiert in diesem Jahr ihr 10-jähriges Jubiläum. Gegründet wurde die Genossenschaft, um von einem gemeinsamen wirtschaftlichen Arzneimitteleinkauf zu profitieren. Ende der 1990er Jahre als freundschaftlicher Austausch von sechs Krankenhausapotheken gestartet und zum 1. Oktober 2010 professionalisiert, arbeiten heute 25 Krankenhausapotheken in ganz Deutschland in der pharmaceutical benefit management group (PBMG eG) zusammen – mit einem Arzneimittelumsatz von etwa 700 Millionen Euro. Darunter sind auch fünf Apotheken der BBT-Gruppe. Die Corona-Pandemie als Bewährungsprobe im Jubiläumsjahr machte die Vorteile des gemeinschaftlichen Einkaufs und der Vernetzung untereinander nochmals deutlich: Erfahrungsaustausch, gegenseitige Unterstützung, Liefersicherheit, Qualität und gut ausgehandelte Preise.

Haben Sie sich auch während der Corona-Krise ausgetauscht?

Vor allem haben wir uns über die Lieferengpässe ausgetauscht. Wir haben uns z.B. gegenseitig über alternative Bezugsquellen von Rohstoffen/Packmitteln für die Herstellung von Desinfektionsmitteln oder von Medikamenten, die während der Pandemie besonders knapp sind, informiert.

Da ich für eine Medikamentengruppe zuständig war, die für die intensivmedizinische Versorgung von Covid-19-Patienten notwendig war und die ständig drohte leer zu laufen, war ich in der Zeit sehr beansprucht. Da war es sehr hilfreich, noch eine Kollegin zur Seite zu haben, sodass wir gemeinsam die Verteilung der knappen Arzneimittel in der Gruppe organisieren konnten. Daneben waren aber auch Fragestellungen zur betrieblichen Organisation in der Pandemie häufig Gegenstand des regelmäßigen Austauschs.

Welche Vorteile haben Sie noch von der PBMG?

Wir haben klar wirtschaftliche Vorteile: Durch unseren gemeinsamen Einkauf können wir gute Preise aushandeln. Zudem sind sehr unterschiedliche Arten von Apotheken Mitglied, auf der einen Seite Apotheken der Universitätskliniken, von denen man einiges lernen kann, weil sie ganz anders strukturiert sind. Andererseits haben wir Krankenhausapotheken, die sich in ihrem Dienstleistungsspektrum deutlich unterscheiden. So hat man für viele Themen, einen geeigneten Ansprechpartner.

Außerdem können wir uns untereinander in Bezug auf die Therapiekosten vergleichen und hinterfragen, worin ein möglicher Unterschied in der eigenen Klinik begründet ist oder eben nicht.

Das klingt nach sehr viel Arbeit. Was motiviert Sie jeden Tag?

Als Leiterin motiviert mich mein Team jeden Tag aufs Neue, für das ich einen sicheren Arbeitsplatz sowie eine gute Arbeitsatmosphäre schaffen möchte. Die meiste Kraft schöpfe ich aber daraus, dass wir hier Positives für die Patienten bewirken können: Ohne Arzneimittel stößt auch die ärztliche Kunst an ihre Grenzen.

Trotzdem sind die Mitarbeitenden in der Apotheke wahrscheinlich eher Akteure hinter den Kulissen – oder erhalten Sie auch manchmal ein Dankeschön?

Ein Feedback von Patienten ist selten. Dann erhalten wir schon eher eine Rückmeldung von Ärzten und aus der Pflege. Aber wenn wir ein Feedback bekommen, ist es umso schöner.

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