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14.07.2021

Mini-Herzschrittmacher kann Leben retten

Neues Schrittmacherverfahren für Patient*innen mit Herzrhythmusstörungen im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim – minimalinvasive Implantation direkt ins Herz

Privatdozent Dr. Mathias M. Borst, Kardiologe und Chefarzt der Medizinischen Klinik 1 im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim, zeigt den kleinen Herzschrittmacher.
Privatdozent Dr. Mathias M. Borst, Kardiologe und Chefarzt der Medizinischen Klinik 1 im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim, zeigt den kleinen Herzschrittmacher.

Es ist der kleinste Herzschrittmacher der Welt, aber er kann Menschen mit einem zu langsamen Herzschlag (Bradykardie) das Leben retten: Der Herzschrittmacher mit dem Namen Micra wird seit Kurzem erfolgreich im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim implantiert. „Herzschrittmacher werden in der Medizin seit mehr als 60 Jahren eingebaut, im Caritas-Krankenhaus seit 1974. Sie regen den natürlichen Herzrhythmus wieder an, wenn das Herz krankheitsbedingt zu langsam schlägt oder ganz aussetzt“, erläutert Privatdozent Dr. Mathias M. Borst, Kardiologe und Chefarzt der Medizinischen Klinik 1 im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim. „Über die Jahre wurden die Geräte dabei immer kleiner und haben heute etwa die Größe eines Teebeutels. Das Prinzip ist seither im Wesentlichen gleich geblieben: Unterhalb des Schlüsselbeins wird ein kleiner Schnitt gesetzt und der Herzschrittmacher in eine kleine Hauttasche eingebettet. Von dort wird er mit einer Elektrode, einem dünnen beweglichen Draht, durch die Vene mit dem Herzen verbunden und kann nun Impulse direkt ins Herz senden und so den Herzschlag regulieren.“

Direkt ins Herz

Der neue Herzschrittmacher mit dem Namen Micra ist eine echte Revolution. „Mit dem Micra-System haben wir erstmals einen Schrittmacher, der direkt ins Herz platziert wird“, unterstreicht der leitende Oberarzt Dr. Hansmartin Jetter. „Im Herzkatheterlabor führen wir die kleine Kapsel mithilfe eines Katheters durch die Vene von der Leiste bis zum Herzen vor“, beschreibt der Facharzt für Kardiologie (Herzerkrankungen) und interventionelle Kardiologie den Eingriff. „Dort wird die Kardiokapsel mit kleinen Häkchen an der Herzwand verankert und der Katheter wieder zurückgezogen.“ Vorteile des neuen Verfahrens: Zum einen ist die Verbindung zwischen Schrittmacher und Herzkammer über eine Elektrode nicht mehr erforderlich. Zum anderen hinterlässt das minimalinvasive Implantationsverfahren des Micra äußerlich keine Veränderungen, die auf ein medizinisches Gerät hinweisen.

Alternatives Verfahren

Das neue Verfahren wird vor allem bei Patienten angewendet, bei denen die bisher übliche Implantation eines Herzschrittmachers nicht möglich ist. „Dazu gehören beispielsweise Dialysepatienten, bei denen der venöse Zugang durch einen Dialyse-Shunt belegt ist, oder Patienten, bei denen die venösen Zugänge krankheitsbedingt verengt sind“, erläutert Dr. Jetter. „Auch bei Patienten, die bereits mehrmals einen Herzschrittmacher- Eingriff hinter sich haben, kann es zu Problemen kommen, weil die Herzklappe nicht mehr komplett schließt.“ In solchen Fällen bietet das innovative Schrittmachersystem erstmals eine zuverlässige Alternative.

Folgen eines zu langsamen Herzschlags

Das neue Verfahren ergänzt damit das breite Spektrum der Behandlungen von Herzrhythmusstörungen im Caritas- Krankenhaus Bad Mergentheim. „Wir entscheiden in jedem Einzelfall und nach ausführlicher Diagnostik, für welchen Patienten das neue System geeignet ist“, erläutert Chefarzt Privatdozent Dr. Borst. „Bei den allermeisten Patienten, die unter einer sogennanten Bradykardie leiden, hat sich das bisherige Verfahren als Standard bewährt.“ Bei Patient*innen mit Bradykardie schlägt das Herz weniger als die üblichen ca. 60 Mal pro Minute oder setzt mitunter sogar ganz aus. Körper und Gehirn werden dann nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt und es kann zu Schwindel, Ohnmacht, Kurzatmigkeit oder chronischer Erschöpfung kommen. „Treten solche Symptome auf, müssen sie beim Haus- oder Facharzt abgeklärt und die genauen Ursachen der Bradykardie festgestellt werden“, so der Chefarzt. „Das Ergebnis der Untersuchungen entscheidet dann über die Therapie.“ Mitunter könne eine medikamentöse Therapie helfen. „Ob ein Herzschrittmacher erforderlich ist und welches System geeignet ist, besprechen wir dann in der Kardiologie im Caritas-Krankenhaus ausführlich mit dem Patienten.“

So funktioniert ein Herzschrittmacher 

Herzschrittmacher sollen den natürlichen Herzrhythmus nachahmen, wenn er zum Beispiel durch Pausen aus dem Takt gerät. Der Herzschrittmacher erfasst die natürliche elektrische Herzaktivität. Nimmt der Herzschrittmacher einen natürlichen Herzschlag wahr, gibt er keinen Stimulationsimpuls ab. Ist der natürliche Herzrhythmus jedoch zu langsam oder setzt aus, sendet er einen elektrischen Impuls an das Herz. Der Schrittmacher wird nach dem Einsetzen von außen programmiert und auf den jeweiligen Patienten eingestellt. Die Batterie eines Herzschrittmachers hält ca. 10 Jahre nach der Implantation. Danach muss er ausgetauscht werden.

TEXT UTE EMIG-LANGE | FOTO: CHRISTIANE JANSEN

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