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28.03.2019

Niemand soll alleine sein

Sich Zeit nehmen, ein netter Plausch oder einfach nur zuhören: Grüne Damen und Herren besuchen ehrenamtlich Patienten im Krankenhaus und übernehmen auch kleine Botengänge.

Heide Hoepfner

Die rote Windjacke bereits über den Schultern und die Handtasche in der linken Hand steht sie abfahrtbereit am Fußende ihres Krankenbettes. Für Marianne Wolters* muss es jeden Moment so weit sein, bis sich die Türe öffnet und sie abgeholt wird. Nach Hause. Zu ihrem Freund, wie sie sagt. „Heute ist doch Freitag, oder?“ Heide Hoepfner legt behutsam den Arm um die 88-Jährige. Ein warmes Lächeln, die Stimme ruhig: „Wie geht es Ihnen denn heute? Darf ich Ihnen ein Glas Wasser einschenken?“

Seit 17 Jahren ist sie als Grüne Dame nun schon ehrenamtlich für die Patienten am Brüderkrankenhaus in Montabaur im Einsatz. „Wir sind einfach da, hören zu, helfen, haben Zeit.“ Für Patienten wie Marianne Wolters.
Die ältere Dame hoffte, es sei schon Freitag. Dabei ist erst Mittwoch. Und der letzte Besuch ist auch schon eine Weile her. Endlich mal wieder mit jemandem reden. Heide Hoepfner war nicht der erhoffte Fahrdienst, und doch kam sie genau zur rechten Zeit.

Warum grün?

Die Kleidung brachte den Namen: Traditionell tragen die Ehrenamtlichen grüne Kittel, daher die Bezeichnung „Grüne Damen“. Sie sind nicht nur in Krankenhäusern unterwegs, sondern auch in Alten- und Pflegeheimen. Die Idee zu diesem Dienst kam auf einer USA-Reise: 1969 gründete Brigitte Schröder, angeregt durch den dortigen Volunteer Service, also Freiwilligendienst, in Deutschland die Evangelische Krankenhaus- Hilfe. Die lokal tätigen Gruppen sind bundesweit inzwischen zur Evangelischen Kranken- und Alten-Hilfe e. V. zusammengeschlossen.
Nach Angaben des Vereins sind mehr als 9.000 ehrenamtliche Grüne Damen und Herren im Einsatz.

Zeit schenken

„Ich liebe Menschen und bin gerne mit ihnen zusammen“, sagt Heide Hoepfner. Die ehemalige Bankangestellte leitete 14 Jahre lang die Ökumenische Krankenhaus- Hilfe (ÖKH) am Brüderkrankenhaus des Katholischen Klinikums Koblenz · Montabaur. Im Herbst gab sie die Verantwortung an eine Nachfolgerin weiter. Als Grüne Dame aber bleibt sie an Bord, besucht auch weiterhin Patienten. „Niemand soll hier alleine sein, sich verloren fühlen. Und das ist unabhängig vom Alter. Wir schenken diesen Menschen unsere Zeit. Und die Patienten beschenken uns mit ihrer Dankbarkeit.“

Eine andere Station, ein anderes Patientenzimmer. Angela Klumpp öffnet die Türe. „Guten Morgen!“ Ein Lächeln,
ein kurzer Händedruck. „Wie geht es Ihnen? Kann ich Ihnen bei etwas behilflich sein? Benötigen Sie etwas?“
Für Angela Klumpp begann vor zwei Jahren ihre aktive Zeit bei den Grünen Damen und Herren. Mittlerweile
hat sie die Leitung von Heide Hoepfner übernommen. „Ich habe in einer Arztpraxis gearbeitet und habe sehr gerne
mit Menschen zu tun. Für mich stand immer fest, dass ich mich nach meiner aktiven Berufszeit ehrenamtlich engagieren möchte. Als mein Mann als Patient hier im Brüderkrankenhaus lag und er Besuch bekam von der ÖKH, war es auch für mich Zeit, aktiv zu werden.“

Zusammen reden, zusammen schweigen

Niemand soll hier alleine sein, sich verloren fühlen. Und das ist unabhängig vom Alter. Wir schenken diesen Menschen unsere Zeit. Und die Patienten beschenken uns mit ihrer Dankbarkeit

Die Patientin, die sie heute früh besucht, freut sich über den Besuch. „Das ist eine tolle Sache“, sagt Petra Dörr*.
Die 70-Jährige wurde bereits operiert, bekommt auch regelmäßig Besuch von der Familie. „Es ist dennoch sehr schön, einfach mal mit jemandem zu sprechen und zu sehen, dass sich hier so liebevoll um einen gekümmert wird.“
Nach ein wenig Smalltalk geht es für Angela Klumpp weiter ins nächste Patientenzimmer. „Ganz wichtig ist, sich
auf den Patienten einzulassen und auch mal loszulassen. Den Menschen den Raum geben, den sie benötigen“, sagt sie. „Selbst die jungen Menschen freuen sich, wenn wir bei Ihnen vorbeischauen. Natürlich sind die mit ihrer Kommunikation beschäftigt auf dem Smartphone oder dem Tablet. Trotzdem ist es für sie etwas Besonderes, wenn wir vorbeischauen und unsere Hilfe anbieten.

Die Grünen Damen und Herren helfen dabei mit Worten und Taten, erledigen auch mal kleinere Besorgungen oder
holen Geld am Bankautomaten. „In der Vorwoche haben wir einem Patienten aus Berlin, der wegen eines medizinischen Notfalls in Montabaur war, frische Unterwäsche gekauft. Auch solche Aufgaben erledigen wir sehr gerne, wenn wir den Menschen damit helfen können.“
„Manchmal gehe ich natürlich auch nach dem Gespräch aus dem Zimmer und bin traurig“, sagt Heide Hoepfner.
„Mal ist es eine Diagnose, die betroffen macht oder eine Erzählung von der Familie und Freunden. Wenn Menschen
sich einsam fühlen, macht auch mich das sehr betroffen. Immer die richtigen Worte zu finden, ist nicht leicht. Und manchmal ist Schweigen wertvoller als reden.“

*Name von der Redaktion geändert.

 
 

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