BBT-Gruppe
 
 
 
 
 

26.03.2016

Genau mein Ding! - Arbeiten in der Pflege

Für viele stand der Berufswunsch schon lange fest, andere packte es bei einem Praktikum oder Freiwilligen Sozialen Jahr: Eine Ausbildung in der Pflege eröffnet heute viele Perspektiven. Mit der Kampagne „Genau mein Ding!“ stellt die BBT-Gruppe Mitarbeitende vor, die einen Beruf in der Gesundheits- und Krankenpflege in einer der BBT-Einrichtungen erlernen oder nach vielen Jahren immer noch voller Überzeugung ausüben. 

 
 

Lennart Mills, 21 Jahre

Auf die Idee, Krankenpfleger zu werden, ist Lennart Mills erst nach dem Abitur gekommen. Wie viele in seinem Alter war er ein wenig orientierungslos. „Aber dann“, sagt er, „bin ich im Krankenhaus gelandet und wusste: Da will ich arbeiten.“ 

Lennart Mills, 21 Jahre
Lennart Mills, 21 Jahre

Dreieinhalb Jahre ist es her, dass Lennart Mills sich – eher aus Verlegenheit – für ein FSJ, ein Freiwilliges Soziales Jahr, im Brüderkrankenhaus Paderborn bewarb. „Mir war schon damals klar, dass ein Bürojob nicht infrage kommt“, sagt er, „und dass ich mit Menschen, nicht mit Maschinen arbeiten wollte.“ Aber die Arbeit im Krankenhaus sei einfach ein Volltreffer gewesen. 

Schon während des FSJ bewarb sich Lennart Mills für die Ausbildung am Brüderkrankenhaus Paderborn. „Freunde und Bekannte rieten mir davon ab, weil Krankenpfleger ein stressiger Beruf sei“, erzählt er. „Aber die haben auch keine Ahnung, wie unglaublich interessant und abwechslungsreich die Arbeit ist.“ Allein die Lebensgeschichten und die verschiedenen Charaktere, die man kennenlerne, seien es wert. Hinzu komme die fachliche Seite: „Ich kann mir kaum einen Beruf vorstellen, in dem man sein Wissen so unmittelbar einsetzt und so direktes Feedback für seine Arbeit bekommt.“ 
Natürlich trage man eine Verantwortung, vor der viele zurückschrecken. Den Satz „Ich könnte das nicht!“ hört Lennart Mills immer wieder. In dieser Haltung, glaubt er, schwinge eine Angst vor Krankheit und Tod mit. Dabei gehe es viel mehr um Heilung und Trost: „Wir helfen Menschen, gesund zu werden. Und wenn das nicht geht, erleichtern wir ihnen das Sterben. Das ist etwas sehr Schönes.“ 

Wenn mehr Menschen – wie er selbst – die Arbeit im Krankenhaus einfach mal ausprobieren würden, ist Lennart Mills überzeugt, dann würden viele merken, wie bereichernd sie ist. „Ich gehe fast immer zufrieden vom Dienst nach Hause“, sagt er. „Wer kann das schon von sich behaupten?“ 

 
 

Anja Kaiser, 48 Jahre

Sie ist mit Leib und Seele Krankenschwester, und das seit 30 Jahren. Wenn Anja Kaiser zwischendurch einmal etwas anderes ausprobierte, bestätigte sich nur immer wieder: „Krankenpflege ist einfach genau mein Ding!“ 

Anja Kaiser, 48 Jahre
Anja Kaiser, 48 Jahre

Man kann sich gut vorstellen, dass es kranken Menschen gleich ein bisschen besser geht, wenn Anja Kaiser sich um sie kümmert: Die hochgewachsene Frau ist ein Energiebündel und eine Frohnatur. Seit 30 Jahren pflegt sie Patienten auf der Station für Innere Medizin im Brüderkrankenhaus Paderborn. Und sie tue es immer noch mit Elan, sagt sie: „Wenn ich auf mein Rad steige, um zur Arbeit zu fahren, verspüre ich immer noch die gleiche Freude wie kurz nach dem Examen.“ 

Dabei freut sie sich auf die Kollegen wie auf die Arbeit mit den Patienten: Blutdruck und Temperatur messen, Patienten bei der Körperpflege helfen oder Verbände wechseln gehören genauso zur abwechslungsreichen Routine wie der Austausch mit Kollegen und das gemeinsame Anpacken im Team. Die schönsten Momente, sagt sie, erlebe sie, wenn sie sich einmal richtig Zeit am Krankenbett nehmen kann, um Patienten Trost zu spenden: „Mit ein paar ruhigen Worten und einer Hand an der Wange kann man so manche Tablette ersetzen“, ist sich Anja Kaiser sicher. 
Die Mutter zweier erwachsener Kinder hat fast immer in Teilzeit gearbeitet. „Das erleichtert es schon sehr, den fordernden Beruf mit der Familie zu vereinbaren“, sagt sie. Am Brüderkrankenhaus Paderborn habe sie immer sehr gut das Arbeitspensum an ihre jeweilige Lebenssituation anpassen können. Im Gegenzug, sagt sie, habe sie schon oft Überstunden gemacht, wenn Kollegen ausfielen: „Die zusätzliche Arbeitszeit kann man sich auszahlen lassen oder später wieder abfeiern. Das geht bei uns ziemlich flexibel.“ 

Obwohl Krankenschwester schon immer zu ihren Traumberufen gehörte, hat Anja Kaiser – neben ihrer Teilzeitstelle – auch andere Jobs ausprobiert: im Altenheim und als Tagesmutter. „Das waren tolle Erfahrungen, aber jedes Mal ist mir wieder klar geworden, dass die Krankenpflege das einzig Wahre für mich ist.“

 
 

Eveline Löseke, 54 Jahre

Karriere sei nie ihr Ziel gewesen, sagt Eveline Löseke: „Was mich seit jeher antreibt, ist der Wunsch, Patienten immer noch besser zu versorgen.“ Ziel oder Schicksal: Inzwischen ist die examinierte Krankenschwester verantwortlich für 150 Mitarbeiter im Pflegedienst des Brüderkrankenhauses Paderborn. 

Eveline Löseke (l.), 54 Jahre
Eveline Löseke (l.), 54 Jahre

„Wenn Not am Mann ist, helfe ich auch noch im OP, klar!“ Eveline Löseke arbeitet gerne mit Patienten, die medizinischen Geräte bedient sie nach wie vor aus dem Effeff: „Technik hat mich immer fasziniert.“ Aber ihr Arbeitsalltag sieht inzwischen anders aus: Als Bereichsleiterin Anästhesie, Intensiv, OP und Zentralsterilisation setzt sie Hygienerichtlinien um, begleitet Zertifizierungen, prüft Dienstpläne und organisiert Arbeitsabläufe und die Abstimmung der Pflegeteams mit den Ärzten. Oder sie hat einfach mal ein offenes Ohr für die Sorgen ihrer Mitarbeiter. Kurz gesagt: Sie arbeitet im mittleren Management des Brüderkrankenhauses Paderborn. 
Möglich wurde ihr das, weil sie sich stetig weitergebildet hat: im Fachgebiet Intensivpflege und Anästhesie, zur Stationsleiterin und mit dem Universitätsstudium Gesundheitsmanagement und -wissenschaft. „Das war ganz schön zeitintensiv, aber als Belastung habe ich es nie empfunden“, sagt Eveline Löseke. Sie sei eben eine typische Westfälin: „Nicht unbedingt spontan, aber wenn ich mich für etwas entscheide, dann weil ich es wirklich will.“ 

Neben dem Beruf ist sie in der Deutschen Schmerzgesellschaft engagiert und hat mehrere Bücher über alternative Schmerztherapien in der Pflege mitgeschrieben. Ansonsten treibt die Mittfünfzigerin am liebsten Sport: Schwimmen, Radfahren, Joggen oder Gartenarbeit. „Hauptsache bewegen!“ Aber zum Abschalten genügt ihr meist die Autofahrt nach Hause. Wenn sie auf ihre gut 30 Berufsjahre im Brüderkrankenhaus Paderborn zurückblickt, bezweifelt Eveline Löseke keine Sekunde, den richtigen Beruf auszuüben. „Wenn man Veränderungen mitgestaltet, durch die sich Therapie und Wohlbefinden der Patienten, aber auch die Moral der Mitarbeiter verbessern, dann ist das jede Mühe wert.“

 
 

Ein breites Spektrum

Neue Behandlungsmethoden, wachsende Patientenzahlen und die Einbindung wissenschaftlicher Erkenntnisse in den Berufsalltag verlangen Pflegekräften viel ab. Matthias Hansjürgens, Leiter der Schule für Gesundheitsfachberufe am Brüderkrankenhaus St. Josef Paderborn, sieht darin aber auch eine große Chance für die Berufsgruppe und das Fach Gesundheits- und Krankenpflege. 

Ob als Führungskraft, mit dem Patienten oder in der Wissenschaft – die Möglichkeiten im Pflegeberuf sind vielfältiger denn je, sagt Matthias Hansjürgens.
Ob als Führungskraft, mit dem Patienten oder in der Wissenschaft – die Möglichkeiten im Pflegeberuf sind vielfältiger denn je, sagt Matthias Hansjürgens.

Herr Hansjürgens, Fachkräftemangel, Arbeitsverdichtung und die Anforderungen steigen – wie attraktiv ist ein Beruf in der Pflege noch? 
Dass die Anforderungen steigen, macht den Beruf aus unserer Sicht noch attraktiver. Wenn Ausbilder und Arbeitgeber adäquat darauf reagieren, ist das eine große Chance für den Beruf und die Patienten. 


Inwiefern? 
Neben der klassischen Ausbildung bieten wir einen ausbildungsbegleitenden Studiengang an. Nach drei Jahren können die Schüler examinierte Krankenpfleger sein und nach zwei weiteren Jahren einen Bachelor of Science in der Tasche haben. Der hilft nicht nur beim Weg in leitende Positionen, sondern ermöglicht auch eine akademische Karriere bis hin zur Promotion. Das sind attraktive Perspektiven für ambitionierte Berufseinsteiger. 


Entfernt sich die Pflege durch die Akademisierung nicht von den Patienten? 
Die Gefahr sehe ich derzeit nicht. Mittelfristig wird bundesweit etwa jede zehnte Pflegekraft einen Bachelor haben. Die meisten von ihnen dürften – wie bei uns – neben der akademischen auch eine praktische Ausbildung absolvieren. Die Arbeit mit den Menschen bleibt also zentral.


Was bringt es Patienten, wenn die Pflegekraft einen Bachelor-Abschluss hat?
Wie gut eine Krankenschwester einen Patienten versorgt, hängt – unter gegebenen Umständen – vor allem von ihrer Persönlichkeit ab. Aber je mehr sich die Gesundheits- und Krankenpflege als eigenständiges Forschungsgebiet und universitäres Lehrfach durchsetzt, umso stärker fließen wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis ein. Das dürfte die Qualität der Pflege insgesamt weiter steigern, und Pflegekräfte können innerhalb der Therapieteams auf Augenhöhe mit den Ärzten sprechen. 


Werden also auch Pflegekräfte ohne Studium besser? 
Ja, da die ständig wachsenden Forschungsergebnisse auch langjährigen Mitarbeitern im Rahmen von Fort- und Weiterbildungen vermittelt werden. Am Brüderkrankenhaus Paderborn käme das nicht nur neuen Ausbildungsjahrgängen zugute, sondern auch langjährigen Mitarbeitenden im Rahmen von Fort- und Weiterbildungsangeboten. 


Was motiviert erfahrene Pflegekräfte zu einer Weiterbildung? 
Viele nutzen das Angebot, weil sie eine verantwortungsvollere Position innerhalb des Pflegeteams anstreben. Zum Beispiel bieten wir eine 250-stündige Weiterbildung zum Praxisanleiter an. Das sind die Ansprechpartner für unsere Pflegeschülerinnen und -schüler auf den Stationen, die praktischen Ausbilder sozusagen. Andere bilden sich in Bereichen wie Wundversorgung oder Schmerztherapie weiter, um eine noch aktivere Rolle im Therapieprozess der Patienten zu übernehmen. 


Welche Gründe gibt es noch für eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger? 
Sie eröffnet ein breites Spektrum an Arbeitsbereichen: Im OP hat man ganz andere Aufgaben als auf einer regulären Station oder in der Psychiatrie. Ich selbst habe auch damit angefangen und bin nun Schulleiter. Aber wenn man mit Kolleginnen oder Kollegen spricht, die wirklich am Krankenbett arbeiten, dann ist es immer wieder die Arbeit mit Menschen: Jeder Tag ist anders, weil sich der Zustand von Patienten verändert, weil neue Patienten kommen, weil jeder Mensch anders ist. Und es gibt wohl wenige Berufe, in denen man Wirkung und Wert des eigenen Handelns direkter erlebt, als wenn man einen geheilten 

Text: Jan D. Walter | Fotos: André Loessel

 
 
 
 

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