Am Morgen versammeln
sich auf dem Petersplatz Zehntausende Gläubige und etliche Staatsgäste, um der
Amtseinführung von Leo XIV. beizuwohnen. Am Abend landet auf dem Flughafen
Fiumicino eine 78-köpfige Pilgergruppe aus Mitarbeitenden von Einrichtungen der
BBT-Gruppe, darunter des Trierer Brüderkrankenhauses sowie der Seniorenzentren
in Trier und Alf und des Schönfelderhofs. Die Begegnung mit dem neuen Papst
wird zum Highlight einer Reise nach Rom, die Teil des Jubiläumsprogramms "175
Jahre Barmherzige Brüder von Maria-Hilf" war.





Der
Tag ist erst wenige Stunden alt, als sich Kristina Nadvornyj, Eliane Knobloch,
Ruben Adam und die 75 weiteren Pilgerinnen und Pilger von ihrem nur wenige
Fußminuten von der Vatikanstadt gelegenen Hotel auf den Weg machen. Ihr Ziel:
die Generalaudienz des Papstes. Immer wieder mittwochs spricht das Oberhaupt
der katholischen Kirche zu den Menschen auf dem Petersplatz. Inmitten der
Massen platziert sich die Gruppe aus Deutschland und wartet auf den Pontifex.
Als Leo XIV. eintrifft, bricht sich Begeisterung Bahn. „Das war unheimlich
spannend mitzuerleben, was dieser Mann bei den Menschen auslöst“, erinnert
Kristina Nadvornyj und beschreibt die Euphorie auf dem Platz schmunzelnd mit
einem nicht ganz ernst gemeinten Vergleich: "Da hätte Taylor Swift einpacken
können."
Für
die 36-Jährige war es das erste Mal, dass sie in Rom war. Als evangelische
Gläubige habe sie sich eher "in einer Beobachterrolle" gesehen, erzählt die
Juristin; mittendrin und doch mit einer gewissen Distanz. Gleichwohl habe sie
sich auf das umfangreiche Programm voll eingelassen, also auch auf die
regelmäßigen Andachten und auch Gottesdienste, etwa am Petrusgrab in der Krypta
von St. Peter oder in den Domitilla-Katakomben. Gerade diese spirituellen
Impulse empfand Kristina Nadvornyj, die als Datenschutzbeauftragte der
BBT-Gruppe, Region Trier tätig ist, als sehr bereichernd.

Unterstützt durch sein Team, lag die Federführung der Organisation der Pilgerfahrt bei Markus Leineweber, Direktor Unternehmenskultur des Brüderkrankenhauses Trier und Kenner der "Ewigen Stadt". Anfang der 1990er hatte der Diplom-Theologe an der Päpstlichen Universität Gregoriana studiert und war zu diesem Zweck vom "Rom des Nordens" in den Norden Roms gezogen. Wie oft er seither von Trier an den Tiber reiste? Leineweber muss passen, seine Trips in die italienische Kapitale hat er nicht gezählt. Jede für sich genommen war ein Ereignis, berichtet der 57-Jährige, doch diese Pilgerreise sei noch einmal ganz besonders gewesen.
Das hatte allen voran mit jenem Mann zu tun, dessen Name den meisten noch wenige Tage vor ihrem Abflug gen Süden kein Begriff war: Robert Francis Prevost. Als Leineweber in der ersten Mai-Woche vor Ort letzte Vorbereitungen für die bevorstehende Pilgerreise traf, fand das Konklave statt. Wie 2005, als Benedikt XVI. auf der Loggia des Petersdoms erschien, ließ Leineweber sich auch dieses Mal nicht die Chance entgehen, die Verkündung des neuen Papstes live mitzuerleben. Und er hatte Glück: Am Tag vor seiner Abreise stieg weißer Rauch auf und erschallte das „Habemus Papam“. Klar war für ihn damit auch: die zehn Tage später beginnende Pilgerreise werde unter kirchenhistorisch bedeutsamen Umständen stattfinden.
Peter Friedhofen war nie in Rom, und es ist auch nicht überliefert, dass der gelernte Schornsteinfeger je mit jemandem dort korrespondiert hätte. Erstmals einer breiteren römischen Öffentlichkeit bekannt wurde der Gründer der Barmherzigen Brüder von Maria-Hilf wohl erst am 23. Juni 1985. An diesem Tag strömten Tausende in den Petersdom, um die Seligsprechung des Westerwälders mitzufeiern, darunter der heutige stellvertretende Generalobere des Ordens, Bruder Peter Berg. Er wie auch sein Mitbruder Alfons Maria Michels waren auch jetzt mit unter den Pilgern.
Der Jahrestag der Seligsprechung ist so etwas wie der höchste Feiertag der Gemeinschaft, und dass der Orden und das von ihm getragene Unternehmen, die BBT-Gruppe, besondere Ereignisse zu feiern wissen, auch dafür steht das Jubiläumsjahr 2025, das unter dem Motto „Mit Mut und Freude weiter“ steht.
Die Reise, an der vor allem Mitarbeitende aus Einrichtungen
der BBT-Gruppe in der Region Trier, aber auch aus Koblenz sowie Angehörige
teilnahmen, war ein bedeutender Teil des Jubiläumsjahres. "Rom ist ein
Gesamtkonzept aus besonderer Atmosphäre und beeindruckender Baugeschichte. Die
Stadt bietet eine einzigartige Möglichkeit, in einer anderen Dimension der
Kirche zu begegnen, auch in ihrer Ambivalenz", sagt Leineweber und ergänzt: "In
besonderer Weise kommt hier auch der weltkirchliche Charakter der katholischen
Kirche zum Ausdruck, etwa beim Blick auf ungezählte Gläubige aus allen
Erdteilen, denen man in Rom begegnet."
Auf dem Programm der Pilgerreise standen neben dem Besuch des Petrusgrabs „Klassiker“ wie St. Paul vor den Mauern, der Lateran oder Santa Maria Maggiore. Ein besonderer Ausflug führte nach Frascati in den Albaner Bergen, wo die Gruppe im schlichten Gemeindesaal der Pfarrei ganz traditionsgemäß bei Porchetta, Schinken, Salami, Käse und Oliven auch den berühmten Wein Frascatis kostete, was einmal mehr zur Gemeinschaftsbildung beitrug.



Man war viel zu Fuß unterwegs und unternahm auch Spaziergänge abseits touristischer Hotspots, etwa durch die Gässchen der "Ewigen Stadt". In die Domitilla-Katakomben in der Via delle Sette Chiese ging es derweil mit dem Bus. Mehr als sieben Jahrzehnte wirkten die Barmherzigen Brüder hier. Für Ruben Adam ein eindrucksvoller Ort, an dem sich ein bedeutendes Kapitel des frühen Christentums erleben lässt, wie der Trainee der BBT-Gruppe erzählt. Überhaupt zogen den 29-jährigen die Stationen der Reise in Bann. Es gebe wohl keinen zweiten Ort, wo die Präsenz der Kirche greifbarer sei, ist Adam überzeugt.
Für Kollegin Eliane Knobloch vom Personalmanagement zählt die Generalaudienz mit dem neuen Papst zu den bleibenden Eindrücken dieser Reise: "Die Begeisterung so vieler Menschen aus aller Welt, wie sie diesen Menschen feiern wollen – das zu erleben, das war schon Wahnsinn; eigentlich kann man nicht beschreiben, wie sich das anfühlt." Sie wie auch Kristina Nadvornyj und Ruben Adam schwärmen unisono vom Zusammenhalt der Pilgergruppe. Die Kolleginnen und Kollegen in einem ganz anderen Kontext kennenzulernen, sei für sich genommen schon ein Erlebnis gewesen.
Das sieht auch Markus Leineweber so. Eine derartige Reise
verbinde ungemein, und von seinen vorherigen Pilgertouren wisse er, dass die
Teilnehmer auch nach ihrer Rückkehr innerhalb der Dienstgemeinschaft dauerhaft
verbunden seien. Der Direktor Unternehmenskultur des Brüderkrankenhauses zieht
ein positives Fazit der Reise: "Im Sinne des ‚Heiligen Jahres‘ waren wir als
Pilgerinnen und Pilger der Hoffnung unterwegs, und getreu dem Motto des
Jubiläumsjahres der Barmherzigen Brüder von Maria-Hilf konnten wir allesamt Mut
und Freude für den Alltag schöpfen."
Fotos: Franz-Josef Ott