Ein Gesicht - eine Leidenschaft

Mitarbeiterporträt

Auf Blickkontakt mit Braunbär und Blauwal

Als Neurologe kennt sich Dr. Bernd Rohrschneider bestens mit Menschen und deren Eigenarten aus, doch auch über das Verhalten verschiedenster Wildtiere weiß der Oberarzt im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier Bescheid. Muss er auch, denn als Wildlife-Fotograf war der gebürtige Saarländer schon in fast allen Ecken der Erde auf der Jagd nach dem perfekten Motiv. Rohrschneider hat Blauwale vor die Linse bekommen und Braunbären im Nebel abgelichtet. Doch während er schon etliche Raubkatzen fotografieren konnte, machte ihm ein heimisches Tier mit unschöner Regelmäßigkeit einen Strich durch die Rechnung.

Dr. Bernd Rohrschneider, Oberarzt der Neurologie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier
Dr. Bernd Rohrschneider, Oberarzt der Neurologie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier

Es sei einer dieser „once in a lifetime“-Momente gewesen, berichtet Bernd Rohrschneider, einer dieser Augenblicke, von denen man wisse, dass sie sich so nie wiederholen werden. „Wir beobachteten eine Leoparden-Mutter mit ihren Jungen. Plötzlich kam der Leoparden-Papa hinzu, was extrem ungewöhnlich ist, weil sich männliche Leoparden eigentlich nicht um ihren Nachwuchs kümmern.“ Eine komplette Leoparden-Familie abgelichtet – das gelingt selbst geübte Wildtierfotografen höchst selten.

Leoparden-Junge beim spielen.
Leoparden-Junge beim spielen.

Zurückgekehrt von seinem jüngsten Trip mit einer britischen Fotoagentur, die ihn ins südafrikanische Botswana geführt hatte, erzählt der Mediziner von seiner Leidenschaft, die mehr ist als nur ein Hobby und die Rohrschneider professioneller ausübt als so mancher „Profi“. Obschon der in Dillingen aufgewachsene Saarländer nach dem Abitur kurzzeitig mit dem Gedanken spielte, die Biologenlaufbahn einzuschlagen, entschied er sich für die Humanmedizin – eine Entscheidung, die er nie bereute. Auch wenn sich beim Zuhören die Frage aufdrängt, wie denn der Vater zweier kleiner Kinder seinen herausfordernden Beruf und sein zeitaufwändiges Hobby unter einen Hut bekommt: „Darüber lade ich meinen Akku auf“, erklärt er mit Blick auf die Wildtierfotografie.

Schon als Jugendlicher ging Rohrschneider mit Vorliebe in den Wald, um Tiere zu beobachten. Anfangs mit Fernglas unterwegs, spürte er bald, dass er die Begegnungen mit Rehen und Eichhörnchen auch „festhalten“ wollte, weshalb er sich aufs Fotografieren verlegte. Und weil den Mediziner schon seit Kindesbeinen auch exotische Tiere faszinieren, reist er seit beinahe zwei Jahrzehnten durch die Welt. 16 oder 17 Mal, so genau weiß Rohrschneider es nicht, reiste er bereits nach Afrika, fünfmal auf den indischen Subkontinent. Er fotografierte in Australien und plant schon seit längerem eine Reise nach Chile. Die wurde wegen Corona zweimal verschoben, doch soll es 2022 endlich klappen. Dann will Rohrschneider dem südamerikanischen Puma auf die Schliche kommen.

Auch im heimisches Wald sucht er nach den perfekten Bildmotiven.
Auch im heimisches Wald sucht er nach den perfekten Bildmotiven.

Mehrere Wochen im Jahr ist er so mit Stativ und Objektiv auf Fernreisen. Dass der Familienvater trotzdem noch Zeit für seine Lebensgefährtin und die beiden kleinen Kinder samt Nordseeurlaub findet, ermöglicht ihm seine Teilzeitstelle im Brüderkrankenhaus: statt weniger Wochenarbeitszeit hat Rohrschneider sich für mehr Urlaubstage im Jahr entschieden.

Dabei zieht es ihn nicht immer in die Ferne, häufig legt sich Rohrschneider auch im näheren Umkreis von Trier auf die Lauer. Es ist besonders ein heimisches Tier, das es ihm angetan hat, obwohl oder weil es fast nicht vor die Kamera zu bekommen ist: „Es fällt mir leichter, einen Löwen in Afrika zu fotografieren als eine Wildkatze im Hochwald“, scherzt der Mann, der schon etliche Anläufe unternahm, um das extrem scheue und nachtaktive Tier abzulichten – ohne Erfolg. Doch Rohrschneider gab nicht auf, installierte stattdessen an einem umgestürzten Baumstamm eine Fotofalle und wartete ab. Wochen später, nachdem er schon etliche Male die Akkus der Kamera hatte austauschen müssen, zeigte sich gegen 3 Uhr in der Früh endlich eine Wildkatze. Die Fotofalle hatte funktioniert, ebenso die an einem Stamm angebrachten Blitze. So entstanden gestochen scharfe Aufnahmen einer weiblichen Wildkatze, wie sie anmutig über das von Pilzen und Moos bewachsene Totholz spaziert.

Sehr lange musste Bernd Rohrschneider auf sein erstes Bild einer Wildkatze im Hochwald warten.
Sehr lange musste Bernd Rohrschneider auf sein erstes Bild einer Wildkatze im Hochwald warten.

Es sind fotografische Kunstwerke. Bilder, wie sie auf Rohrschneiders Homepage zu sehen sind oder kürzlich im Rahmen der ersten „BK arT“, der Mitarbeiterausstellung des Kunst- und Kulturvereins am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier, gezeigt wurden. Aufnahmen, von denen schon einige in Büchern und Magazinen erschienen oder auf Kalenderblättern zu sehen waren.

Natürlich steige mit den Jahren der eigene Anspruch an die Fotos, sagt Rohrschneider. Doch die Freude am Entdecken der Wildtiere und dem Festhalten der „magischen Momente“ stünden weiter im Vordergrund. Dafür nimmt der Fotograf einiges auf sich, denn die besten Chancen, einem Wildtier zu begegnen, seien nun einmal spät abends oder früh morgens, sprich in der Dämmerung.

„Es gibt Situationen, da weiß ich sofort: diesen Moment werde ich so nicht mehr erleben. Und dieses Gefühl, das ist jetzt eine einmalige Situation, das berührt mich“, beschreibt Rohrschneider seine Leidenschaft. Eisbären oder Berggorillas, indische Tiger oder afrikanische Elefanten, Auerhähne im Berner Oberland oder Habichte im Hunsrück – ob es noch ein Tier gibt, das er unbedingt fotografieren möchte? Rohrschneider überlegt nicht lange: „Der Schneeleopard hat es mir sehr angetan“, antwortet er. Dafür müsste er in den indischen Teil des Himalaya reisen, auf über 4.000 Meter Höhe. Gut möglich, dass Rohrschneider über kurz oder lang die Reise antritt.

Text: Marcus Stölb

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