Mehr als 200.000 Menschen leiden in Deutschland an der Parkinson-Krankheit. Eine Heilung ist nicht möglich, doch lässt sich mithilfe der tiefen Hirnstimulation die Lebensqualität vieler Betroffener spürbar verbessern. Die Abteilung für Neurochirurgie wie auch die Abteilung für Neurologie und Neurophysiologie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier verfügen über umfassende Expertise und langjährige Erfahrung auf diesem Gebiet. Oberärztin Dr. med. Theresa Blaß spricht von einem „äußerst wirksamen“ Eingriff und empfiehlt Parkinson-Patienten, die Möglichkeit einer Hirnschrittmacher-OP in jedem Fall abklären zu lassen.

Tief im Innern unseres Mittelhirns, in der sogenannten Schwarzen Substanz („Substantia Nigra“), sorgen Zellen dafür, dass Dopamin produziert wird. Dieser wichtige Botenstoff ist notwendig, um die elektrischen Impulse vom Gehirn über die Nerven zu den Muskeln weiterzuleiten. Bei Parkinson-Patienten sterben die Zellen jedoch ab mit der Folge, dass nicht mehr genügend Dopamin produziert werden kann. Muskelsteifigkeit, verlangsamte Bewegung und extremes Zittern („Tremor“) sind einige der typischen Symptome, die auf Parkinson hindeuten können.
Die Diagnose ist für die Betroffenen meist ein starker Einschnitt in der Lebensqualität und mit großen Sorgen verbunden. Schließlich ist die Erkrankung bislang unheilbar und schreitet auch bei optimaler Behandlung weiter fort. Zwar können Medikamente und nichtmedikamentöse Behandlungsmethoden wie Krankengymnastik oder Logopädie Symptome deutlich lindern und Patienten in mancherlei Hinsicht zum möglichst langen Erhalt ihrer Selbstständigkeit verhelfen. Doch bei nicht wenigen Parkinson-Erkrankten kommt es weiterhin zu extremen Aufs und Ab der Beweglichkeit, so genannten Fluktuationen, etwa infolge heftiger Schwankungen der Wirksamkeit der Medikamente innerhalb eines Tages, erläutert Dr. med. Theresa Blaß. Zudem haben die medikamentösen Therapien im späteren Verlauf auch zunehmend Nebenwirkungen, die eine weitere Erhöhung der Dosis der Medikamente einschränken.
Die Oberärztin der von Chefarzt Professor Dr. med. Alexander Grote geleiteten Abteilung für Neurochirurgie im Brüderkrankenhaus Trier hat schon sehr vielen Patientinnen und Patienten mithilfe der Implantation eines Hirnschrittmachers zu mehr Lebensqualität und weniger Symptomen verholfen. Sie behandelte bereits Menschen um die 40, doch im Schnitt sind die von ihr operierten Patienten zwischen 55 und 65 Jahre alt, beziffert die Medizinerin. Doch unabhängig vom Alter betont sie: Die tiefe Hirnstimulation vermag den Betroffenen wirklich zu helfen und sollte nicht erst in Betracht gezogen werden, wenn die Krankheit weit fortgeschritten ist. Zumal sich mit steigendem Lebensalter auch Risiko und Belastung durch die OP erhöhen.
Bei diesem neurochirurgischen Eingriff werden zwei winzige Elektroden präzise im Bereich der sogenannten Stammganglien platziert und dann mit einem im Bereich des Schlüsselbeins unter der Haut implantierten Hirnschrittmacher verbunden. Die optimalen Stimulationspunkte für die beiden Elektroden wurden zuvor – allen voran auf Basis von MRT-Aufnahmen – definiert und geplant. Über die externe digitale Steuerung des Hirnschrittmachers wird die Stimulation so gesteuert, dass in das durch Morbus Parkinson erzeugte Durcheinander im Hirn wieder eine gewisse Ordnung gebracht wird. Dies geschieht, indem die permanenten und chaotischen Fehlleitungen der elektrischen Impulse quasi unterbrochen werden, erläutert Christian Höfner, klinischer Systemingenieur in der Neurochirurgie des Brüderkrankenhauses.
Der Erfolg lässt sich unmittelbar belegen und auch demonstrieren: Wird die Neurostimulation ausgestellt, setzten Symptome wie der Tremor meist unmittelbar wieder ein und die Hände binnen beginnen weniger Sekunden wieder zu zittern. Wird der Hirnschrittmacher erneut aktiviert, verschwindet der Tremor augenblicklich wieder. „Die Patienten erfahren sofort nach der Implantation der tiefen Hirnstimulation eine deutliche Verbesserung ihrer Motorik und können oftmals wieder ihren Hobbys nachgehen oder ihren Alltag bewältigen – etwas, das ihnen zuvor aufgrund ihrer Erkrankung und deren Symptome nicht mehr möglich war“, berichtet Dr. Theresa Blaß. Es handele sich um ein ebenso bewährtes wie sicheres Operationsverfahren, das im Brüderkrankenhaus mit einer intensiven Vorbereitung und umfassenden Nachsorge einhergehe.

Die Neurochirurgie arbeitet hierbei insbesondere eng mit der von Chefarzt Professor Dr. med. Matthias Maschke geleiteten Abteilung für Neurologie, Neurophysiologie und neurologische Frührehabilitation zusammen. Hier findet auch die mehrtägige Voruntersuchung statt, bei der unter anderem abgeklärt wird, ob Gründe gegen diese Behandlung bestehen und ob noch Optimierungsmöglichkeiten bezüglich der medikamentösen Einstellung der Parkinson-Krankheit vorhanden sind. Liegt beispielweise eine psychiatrische Erkrankung oder eine fortgeschrittene Demenz vor, ist eine tiefe Hirnstimulation keine Option.
Für die weitaus meisten Betroffenen eröffne ein Hirnschrittmacher jedoch die Möglichkeit, mit deutlich gelinderten Symptomen und spürbar geringerer Medikation wieder mehr Lebensqualität zu erlangen. Von einem „äußert wirksamen“ Eingriff für mehr Lebensqualität schwärmt Neurochirurgin Dr. Theresa Blaß.
Text: Marcus Stölb Fotos: Marcus Stölb und Christian Höfner
Wer übernimmt die Kosten für die Behandlung? Welche Risiken birgt die Operation? Und komme ich für diese Art der Behandlung überhaupt infrage? Wir geben Antworten auf wichtige Fragen rund um die tiefe Hirnstimulation bei Parkinson-Patienten.