04.09.20261

Künstliches Kniegelenk: Robotik unterstützt erfahrene Operateure 

Seit Sommer dieses Jahres kommt im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier das Knie-Robotiksystem „ROSA“ zum Einsatz. Es unterstützt die Operateure bei der optimalen Implantation von Knie-Endoprothesen. Mit der Etablierung des „ROSA“ nimmt das Brüderkrankenhaus als zertifiziertes Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung in der Region eine Vorreiterrolle ein. Im Gespräch erklärt Professor Dr. med. Martin Ellenrieder, Chefarzt der Abteilung für Orthopädie,  die Vorzüge der roboterassistierten Chirurgie und warum diese den Patientinnen und Patienten zu einem noch besseren Behandlungserfolg verhelfen kann.

Chefarzt Professor Dr. med. Martin Ellenrieder bei der Implantation einer Knieendoprothese mit Unterstützung des Robotiksystems ROSA

Herr Professor Ellenrieder, das Kniegelenk gilt als außerordentlich belastbar und macht doch zugleich sehr vielen Menschen zu schaffen. Woher rührt die Anfälligkeit dieses Gelenks?

Professor Dr. Martin Ellenrieder: Unsere Kniegelenke werden täglich beansprucht – beim normalen Gehen, beim Sport und meist auch im beruflichen Alltag. Ein Kniegelenk kann das Mehrfache unseres Körpergewichts tragen und muss über viele Jahrzehnte stärkste Beanspruchungen abfedern. Knieverletzungen, aber auch ausgeprägte X- und O-Bein-Stellungen sowie starkes Übergewicht können den Gelenkverschleiß erheblich beschleunigen. Eine fortschreitende Kniearthrose führt zu Schmerzen bei Belastung und zu einer Verschlechterung der Kniebeweglichkeit. Sind gelenkerhaltende Maßnahmen ausgeschöpft, verspricht nur noch der Gelenkersatz eine Verbesserung der Lebensqualität.

Individuelle Erfordernisse für jedes Knie 

Sie und Ihr Team verfügen über reichlich Erfahrung und Expertise auf diesem Gebiet. Warum haben Sie sich dafür entschieden, mit dem „ROSA“ nun in die roboterassistierte Kniechirurgie zu starten und worin liegen die Vorteile dieses Systems für die Patientinnen und Patienten?

Professor Ellenrieder: Der „ROSA“ unterstützt uns Operateure bei der möglichst optimalen Implantation einer Knieendoprothese – und zwar im Hinblick auf die Position des Implantats, die Bandspannung und die Korrektur der Beinachse. Diese Erfordernisse unterscheiden sich von Knie zu Knie. Mit Unterstützung des Roboters erzielen wir ein optimales Ergebnis hinsichtlich der Beweglichkeit und langfristigen Haltbarkeit des Gelenkersatzes. Die Patientinnen und Patienten profitieren von dieser fortschrittlichen Technologie, da diese das Behandlungsergebnis weiter optimieren hilft.

Braucht es denn da noch auf lange Sicht Sie und Ihr Team, oder übernimmt der Roboter Ihre Aufgabe?

Professor Ellenrieder: Ja absolut, es braucht auch weiterhin die Erfahrung und Expertise unserer Operateure und des gesamten OP-Teams, und auf diese können sich unsere Patientinnen und Patienten auch künftig absolut verlassen.

EndoProthetikZentrum der Maximalversorgung

Bereits im Sommer 2013 wurde das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier als eine der ersten Kliniken bundesweit als EndoProthetikZentrum der Maximalversorgung zertifiziert. Die Zertifizierung geht auf eine Initiative der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) zurück. Durch diese externe Kontrolle soll die Qualität der endoprothetischen Versorgung an ausgewählten Kliniken verbessert werden. Dabei wird nicht nur die vorgehaltene Struktur, also bauliche und technische Möglichkeiten eines Krankenhauses, oder die Erfahrung des Operateurs beurteilt, sondern der gesamte Behandlungsprozess unter die Lupe genommen. Voraussetzung ist ein reibungsloses Ineinandergreifen der verschiedenen Berufsgruppen, die mit der Behandlung des Patienten betraut sind, aber auch die bewusste Zentrierung des Behandlungsablaufes auf den Patienten. In unserem Audit wurde der Abteilung für Orthopädie des Brüderkrankenhauses von der Zertifizierungsstelle eine hervorragende Arbeit bescheinigt. In der Stadt Trier verfügt das Brüderkrankenhaus bis dato über das einzige EndoProthetikZentrum der Maximalversorgung.  

Optimale Position für neues Knie 

Aber welchen Part übernimmt „ROSA“ konkret im Operationssaal?

Professor Ellenrieder: Zunächst werden im OP die anatomischen Daten sowie die Bewegungs-Daten des Beins mithilfe eines Videosystems ermittelt. Damit führt der Operateur dann die intraoperative Planung für die Prothesenposition durch und kontrolliert das Ergebnis der einzelnen OP-Schritte anschließend in Echtzeit. Der Roboterarm des „ROSA“ trägt Führungshilfen für das Schneiden und Bohren. Diese sogenannten Schnittblöcke positioniert „ROSA“ vor dem Kniegelenk so, dass der Operateur die Schnitte und Bohrungen exakt so durchführt, wie er sie selbst digital geplant hat. Damit ist die Position für das künstliche Kniegelenk präzise und eindeutig festgelegt.

Und wie sind Sie gefordert?

Professor Ellenrieder: Der Operateur analysiert die vom „ROSA“ erhobenen Messdaten und programmiert die Zielwerte für die Ausrichtung der Schnittblöcke. „ROSA“ hält diese Schnittblöcke gemäß dieser Vorgaben - sozusagen als hochpräziser Assistent. Der Operateur führt aber weiterhin alle chirurgischen Schritte der OP eigenhändig durch, bis zum Wundverschluss.

Faszinierende Technologie 

Welche Zwischenbilanz ziehen Sie nach den ersten umfassenderen Erfahrungen mit dem System und was bedeutet die Etablierung des „ROSA“ für die regionale Patientenversorgung?

Professor Ellenrieder: Alle bisherigen Eingriffe mit dem Knie-Robotiksystem verliefen erfolgreich. Es ist faszinierend, wie genau sich die Zielvorgaben des Operateurs direkt auf das Kniegelenk übertragen lassen. Mit dem „ROSA“ bieten wir nun die Kombination aus langjähriger operativer Expertise und hochpräziser Roboterassistenz an.

Die Fragen stellte Marcus Stölb  

Foto: Katrin Schaffrath

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