
Im Adipositaszentrum im Hohenloher
Krankenhaus Öhringen behandelt Prof. Dr. Wenger und sein Team Patienten mit
krankhaftem Übergewicht
– unter anderem durch die bewährte Schlauchmagen-OP im Rahmen eines multimodalen Therapiekonzepts. Magier Enzo Paolo ist einer von ihnen.
Wenn Enzo Paolo
in seinem stahlblauen Anzug die Bühne betritt, dauert es keine zwei Minuten und
seine Zuschauer sind verzaubert – im wahrsten Sinne des Wortes. In wenigen
Sekunden löst er einen völlig verdrehten Zauberwürfel, ein 10-Euro-Schein
verwandelt sich vor aller Augen durch mehrfaches Falten in einen 50-Euroschein,
mehr als 20 Würfel stapeln sich durch lässiges Schütteln zu einem senkrechten
Würfelturm, unglaubliche Kartentricks lassen das Publikum staunend zurück. Nur
an einer Stelle versagt bislang sein magisches Können: seit fast 30 Jahren
kämpft der deutsche Vize-Meister in Close-Up-Magic und mehrfache
Weltrekordhalter im Guinness-Buch der Rekorde vergeblich gegen sein
Übergewicht. Mehrere diverse Diäten hat er hinter sich, doch die Gewichtsabnahme
war immer nur von kurzer Dauer und bald darauf stieg der Zeiger der Waage noch
ein bisschen höher als zuvor – zuletzt waren es 145 kg bei einer Körpergröße
von 1,82 m. Mit einer Adipositas Behandlung im Adipositaszentrum am Hohenloher Krankenhaus
in Öhringen will er jetzt endlich die Wende schaffen und zu seinem
Wunschgewicht zurückkehren.
„Wenn ich
zuletzt zwei Etagen hochgegangen bin, musste ich schnaufen wie ein Walross“,
gibt der 58-Jährige unumwunden zu. Sein entwaffnendes Lachen lässt dabei die
Anstrengung dahinter fast vergessen. „Als ob ein Normalgewichtiger immer drei
Wasserkisten mit sich rumschleppen würde.“ Doch damit soll nun Schluss sein.
„Bei einer Geburtstagsparty im vergangenen Jahr habe ich eine Frau getroffen,
die mir von ihrer Schlauchmagen-Operation und der erfolgreichen Gewichtsabnahme erzählt
hat. Das will ich auch, habe ich mir gedacht.“ Auf Empfehlung sei er dann zu
Prof. Dr. Frank A. Wenger ins Adipositaszentrum am Hohenloher Krankenhaus in
Öhringen gekommen. Schon beim ersten Beratungstermin mit dem Spezialisten für Adipositaschirurgie ist für Enzo – mit
bürgerlichem Namen Jens aus Neudenau – klar: „Das ist mein Weg. Das Vertrauen
zu Prof. Wenger war sofort da.“
Von einer morbiden Adipositas oder auch krankhaftem Übergewicht spricht man bei Patient*innen mit einem Bodymass-Index (BMI) von über 40. Liegt eine zusätzliche Diabetes-Erkrankung vor, genügt schon ein BMI von 35. Ein Großteil der Betroffenen hat dabei schon viele erfolglose Diäten hinter sich. Der Leidensdruck ist oft groß – körperlich wie psychisch. Daher ist auch die Schlauchmagen-OP ein guter Ausweg für Patient*innen mit morbider Adipositas.
Und auch für
Prof. Dr. Wenger ist nach dem ersten Gespräch klar: „Jens oder besser Enzo
Paolo wird es schaffen.“ Vor gut zwei Jahren hat der Facharzt für Allgemein-,
Viszeral-, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie das Adipositaszentrum am
Hohenloher Krankenhaus in Öhringen gegründet und seither mehr als 160
Betroffenen zu ihrem Wunschgewicht verholfen. „Dabei geht es um Patienten, die
an morbider Adipositas, also krankhaftem Übergewicht, leiden mit einem BMI
(Bodymass-Index) von mehr als 40 bzw. mehr als 35, wenn zusätzlich eine
Diabetes-Erkrankung vorliegt. Die meisten Betroffenen haben schon viele Diäten
erfolglos hinter sich, sehen oft keinen Ausweg mehr, ziehen sich zurück, werden
depressiv, bewegen sich noch weniger und nehmen weiter zu – ein Teufelskreis.“
Zu den psychischen Problemen kommen dann oft körperliche Folgeschäden hinzu.
„Das erhöhte Gewicht bedeutet zugleich ein erhöhtes Risiko für
Folgeerkrankungen wie Gelenkschmerzen, Bluthochdruck, Schlafapnoe, Diabetes und
damit auch ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall oder Herzinfarkt“, macht Prof.
Dr. Wenger die gesundheitlichen Gefahren deutlich.
Sozialer
Rückzug war für den professionellen Zauberkünstler und TV-erfahrenen Magier
Enzo Paolo kein Problem; aber zunehmend nervten ihn Kommentare wie, er solle
doch einfach ein paar Kilos wegzaubern. „Ich wollte diese dummen Sprüche
einfach nicht mehr hören. Ich wünsche mir ganz einfach wieder normal
auszusehen, mein Wohlfühlgewicht zu bekommen mit rund 50 Kilo weniger.“ Damit
dies gelingt, bietet das Adipositaszentrum in Öhringen ein spezielles
multimodales Therapiekonzept an, bei dem die Patienten auch nach der Operation
über zwei Jahre lang intensiv begleitet werden. „Schon vor der Operation
beginnen wir mit einem wöchentlichen Bewegungstraining und einer
kontinuierlichen Ernährungsberatung, auch um zu testen, ob die Patientinnen und
Patienten zu einer Umstellung ihrer Lebens- und Ernährungsgewohnheiten bereit
sind“, stellt Prof. Dr. Wenger klar. Der Chirurgie-Chefarzt ergänzt: „Auch nach
der Schlauchmagenoperation geht die intensive Betreuung in meiner Adipositas-Sprechstunde
sowie durch Ernährungsberatung und Bewegungstherapie weiter. Außerdem empfehlen
wir die Treffen bei der Öhringer Selbsthilfegruppe, denn der
Erfahrungsaustausch unter Betroffenen kann dazu beitragen, die eigene
Motivation zu stärken.“ Diese intensive multimodale Betreuung führe dazu, dass
die Patientinnen und Patienten nachhaltig und dauerhaft an Gewicht verlieren.






Das haben auch
die Krankenkassen anerkannt und finanzieren die Operation im Hohenloher
Krankenhaus bei Patienten mit morbider Adipositas, bei denen andere Wege der
Gewichtsreduktion bisher erfolglos blieben. Auch ein psychologisches Gutachten
ist erforderlich, das bestätigt, dass keine Essstörung vorliegt. Vor der OP
untersucht außerdem der Gastroenterologe und Chefarztkollege Dr. Detlef Marx
die Patienten bei einer Magenspiegelung, um mögliche Risiken auszuschließen.
Für Enzo Paolo
trafen alle Voraussetzungen zu. Ihm hat Prof. Dr. Wenger eine sog.
„Schlauchmagen-OP“ empfohlen, die minimalinvasiv, also in der sog.
„Schlüssellochtechnik“ durchgeführt wird. „Das bedeutet ein geringeres
OP-Risiko und die Patienten sind anschließend schneller wieder fit“, erläutert
der Chirurg die Vorteile dieser OP-Technik. Dabei wird über fünf kleine
Hautschnitte ca. 60 % des Magens entfernt, so dass aus dem ballförmigen Magen
ein schlauchförmiger Magen gebildet wird. „Dies führt auch dazu, dass die
Produktion des Hungerhormons Ghrelin reduziert und auf diese Weise der Appetit
gezügelt wird. Außerdem ist über den schlauchförmigen Magen zunächst nur eine
deutlich geringere Nahrungsaufnahme möglich.“
An Tag zwei
nach dem Eingriff sitzt Enzo Paolo schon wieder lachend in seinem Bett im
Hohenloher Krankenhaus. „Es zippt hier und da noch ein wenig, aber es geht mir
gut. Wenn’s sein muss, kann ich morgen schon wieder auftreten“, sagt er
augenzwinkernd und strahlt über das ganze Gesicht. Damit er nicht aus der Übung
kommt, packt er ein Kartenspiel aus und gibt für seine Mitpatienten und Prof.
Dr. Wenger bei der Visite eine kleine Extra-Vorstellung. Zur Verblüffung seiner
Zuschauer lässt er aus dem Kartenstapel immer exakt die Karte erscheinen, die sein
Gegenüber zuvor heimlich angeschaut, zurückgesteckt und die Karten neu gemischt
hat. „Meine Wissenschaft ist da am Ende“, gibt Prof. Dr. Wenger staunend zu.
Aber Enzo Paolo feilt schon weiter an neuen Tricks für seinen nächsten
Auftritt. Und auf eines freut er sich dabei besonders: „Ich werde mir dafür
einen neuen Anzug schneidern lassen, denn mein alter wird dann viel zu weit
sein.“
Text & Fotos: Ute Emig-Lange