Klinikatlas führt in die Irre
Fehlende Transparenz
Der Klinikatlas der Bundesregierung ist Mitte Mai öffentlichkeitswirksam gestartet – als Orientierungshilfe für Patient*innen taugt er allerdings kaum, findet Michael Schuler, Kaufmännischer Direktor des Brüderklinikums Julia Lanz in Mannheim. Er schreibt in einem Kommentar für die "Neue Caritas", das Magazin des Deutschen Caritasverbandes für Sozial-Profis, über seine Erfahrungen mit dem neuen Klinikatlas.
Das Versprechen „Mehr Transparenz für alle“ hat sich damit allerdings noch nicht erfüllt. Denn der „Transparenzatlas“ zieht teilweise veraltete Daten heran. Zwar stimmten diese Daten – zumindest annähernd – für die Vergangenheit, sie geben aber nicht die aktuelle Leistungssituation an vielen Krankenhäusern wieder. Diese Diskrepanz ist für Patient*innen nicht ersichtlich und führt in die Irre.
Diese Erfahrung machen wir nicht nur an unseren Häusern in Mannheim: In der BBT-Gruppe versorgen wir jährlich über 700.000 Patient*innen ambulant und stationär in über 100 Einrichtungen. Auch andere BBT-Regionen berichten von ähnlichen Problemen. Es fehlen zum Teil sogar Fachbereiche, etwa weil der Klinikatlas diese unter einem Sammelbegriff abbildet. So ergibt sich manchmal ein komplett falsches Bild: Der Nutzer gewinnt den Eindruck, die gesuchte medizinische Leistung existiere schlichtweg an besagtem Krankenhaus nicht.
Die aktuelle Darstellung unserer Krankenhäuser im Klinikatlas führt dazu, dass ratsuchende Patient*innen zu falschen Schlüssen kommen müssen, da sie sich ohne Expertenwissen auf der Plattform nicht ausreichend zurechtfinden. Sucht ein Patient zum Beispiel nach dem Stichwort „Schwindel“, liefert das System eine Liste mit medizinischen Fachbegriffen und Diagnosen. Der Suchende muss sich nun für eine exakte Diagnose entscheiden, ihm dürfte dazu aber in der Regel das Fachwissen fehlen, um ein für ihn relevantes Suchergebnis zu erhalten.
Ich gehe allerdings davon aus, dass der Atlas als „lernendes System“ eines Tages auch allgemeingültigere Begriffe in der Suche mit korrekten Ergebnissen verknüpfen kann. Dass dieses System lernt, lässt sich bereits feststellen: Werden Suchanfragen mit einem Abstand von mehreren Tagen wiederholt, ändern sich die Suchergebnisse.
Wenn sich diese Hoffnung erfüllt, kann sich der Klinikatlas durchaus etablieren. Denn gerade bei elektiven stationären Behandlungen investieren Patient*innen oftmals sehr viel Zeit in die Auswahl der für sie mutmaßlich besten Klinik. Mit objektiven und richtigen Daten könnte der Klinikatlas dafür ein gutes Instrument werden.
Aktuell aber kann man Patient*innen nur raten, auf das bewährte Deutsche Krankenhausverzeichnis(www.deutsches-krankenhaus-verzeichnis.de) zurückzugreifen und das Gespräch mit ihren behandelnden Ärzt*innen zu suchen.
Update: "Wir unterziehen den Klinik-Atlas einem umfassenden Update, machen ihn für Patientinnen und Patienten sehr viel leichter verständlich", sagte Lauterbach der "Rheinischen Post". Bisher mache der Atlas für 23.000 verschiedene Eingriffe detaillierte Angaben, was für viele Bürger und Hausärzte unübersichtlich sei. "Nun wollen wir zunächst für die 20 wichtigsten Eingriffe zeigen, wie gut welches Haus hier ist." Dazu fasse man Gruppen von Krankheiten zusammen. "Der neue Atlas soll schon in wenigen Tagen starten", kündigte der SPD-Politiker an.
Der Kommentar erschien in die "Neue Caritas", das Magazin des Deutschen Caritasverbandes für Sozial-Profis.
2Kommentare
- Richard Emmerich08.12.2024 04:05 Uhr
„Dass dieses System lernt, lässt sich bereits festgestellt: Werden Suchanfragen mit einem Abstand von mehreren Tagen wiederholt, ändern sich die Suchergebnisse.“
Das ist kein korrekter deutscher Satz. Können Sie diesen korrigieren? - Julia Pawlik09.12.2024 10:08 Uhr
Vielen Dank für Ihren Hinweis, Herr Emmerich. Wir haben den Satz umgehend angepasst.


