10.06.2026
GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz
Versorgungssicherheit braucht Handlungsspielräume statt pauschaler Kürzungen
Die BBT-Gruppe fordert vor dem parlamentarischen Verfahren eine Reformpolitik, die Finanzierung, regionale Versorgung und Transformation gemeinsam denkt.
Vor Beginn der parlamentarischen Beratungen zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz warnt die BBT-Gruppe vor zusätzlichen Belastungen für Krankenhäuser und fordert eine stärkere Ausrichtung der Reformen an der tatsächlichen Versorgungssituation vor Ort. Ziel müsse es sein, die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung zu stabilisieren, ohne die wirtschaftliche Grundlage der Krankenhäuser weiter zu schwächen.
„Eine stabile GKV-Finanzierung ist wichtig. Aber sie darf nicht dadurch erreicht werden, dass Krankenhäuser weiter unter Druck geraten und ihnen die Spielräume genommen werden, die sie für die Umsetzung der Krankenhausreform dringend brauchen“, sagt Dr. Frank Zils, Sprecher der Geschäftsführung der BBT-Gruppe. „Wer Versorgung sichern will, muss Krankenhäuser in die Lage versetzen, Zukunft zu gestalten.“

Die Krankenhäuser in Deutschland stehen bereits
heute unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Gleichzeitig müssen sie
tiefgreifende Transformationsaufgaben bewältigen: die Umsetzung der
Krankenhausreform, Investitionen in Digitalisierung, Nachhaltigkeit,
Krisenresilienz und die Sicherung von Fachkräften. Aus Sicht der BBT-Gruppe
greifen pauschale Einsparvorgaben zu kurz, wenn sie diese Aufgaben nicht
mitdenken.
Freigemeinnützige Träger sind besonders betroffen
Besonders betroffen sind freigemeinnützige
Träger. Anders als kommunale Krankenhäuser können sie Defizite nicht über
öffentliche Haushalte ausgleichen. Zugleich tragen sie vielerorts Verantwortung
für eine verlässliche regionale Versorgung – medizinisch, pflegerisch und
sozial. Dazu gehören auch personalintensive und gesellschaftlich besonders
wichtige Bereiche wie Geriatrie, Palliativversorgung, Geburtshilfe, Psychiatrie
und Pflege.
„Freigemeinnützige Träger arbeiten nicht für
Gewinnmaximierung. Überschüsse fließen zurück in Versorgung, Pflege und soziale
Aufgaben. Diese besondere Rolle muss in der politischen Debatte stärker
berücksichtigt werden“, so Dr. Frank Zils.
Die BBT-Gruppe unterstützt deshalb die Kampagne
des Katholischen Krankenhausverbands Deutschland (KKVD), die auf die besondere
Situation freigemeinnütziger Krankenhäuser aufmerksam macht. Gleichzeitig setzt
die BBT-Gruppe auf einen konstruktiven und lösungsorientierten Dialog mit der
Politik. Beim Besuch von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken anlässlich des
60-jährigen Jubiläums des Krankenhauses Tauberbischofsheim konnte sich die
BBT-Gruppe bereits über zentrale Punkte austauschen – insbesondere über die
Bedeutung unternehmerischer Handlungsspielräume für Krankenhäuser.












Krankenhäuser brauchen Freiräume für Entwicklung
Aus Sicht der BBT-Gruppe braucht es eine
Reformpolitik, die stärker auf Zielregulierung statt Detailsteuerung setzt.
Entscheidend sei nicht eine weitere Verdichtung von Prüf-, Nachweis- und
Kontrollmechanismen, sondern klare Versorgungsziele, verlässliche Finanzierung
und ausreichende Freiräume für regionale Lösungen.
„Krankenhäuser brauchen Räume für Innovation. Wir
müssen vor Ort Wege entwickeln können, wie Versorgung künftig besser,
vernetzter und effizienter organisiert werden kann. Weitere Detailkontrollen
oder zusätzliche Prüfverfahren schaffen keine Versorgungssicherheit und sparen
kein Geld, wenn sie vor allem Personal binden, das in der Patientenversorgung
gebraucht wird“, betont Dr. Frank Zils.
Die BBT-Gruppe fordert daher:
- eine faire und ausgewogene Lastenverteilung im Gesundheitssystem,
- eine verlässliche Refinanzierung tariflicher Personalkosten,
- den Abbau bürokratischer Belastungen,
- die Finanzierung versicherungsfremder Leistungen durch den Bund,
- ausreichende unternehmerische Handlungsspielräume für Krankenhäuser,
- und eine stärkere Berücksichtigung der besonderen Situation freigemeinnütziger Träger.
Mit Blick auf das diese Woche beginnende parlamentarische Verfahren appelliert die BBT-Gruppe an Bundestag und Bundesrat, den Gesetzentwurf entsprechend nachzubessern.
„Es geht jetzt nicht nur um kurzfristige
Einsparungen. Es geht darum, ob Krankenhäuser auch künftig ihren Auftrag für
die Menschen in den Regionen erfüllen können. Dafür bringen wir uns als
BBT-Gruppe aktiv ein – konstruktiv, klar und mit dem Anspruch, Gesundheitsversorgung
nah am Menschen langfristig zu sichern“, so Zils.
Interview: Versorgung neu denken – bevor Strukturen wegbrechen
Krankenhäuser zwischen Reformdruck, Sparvorgaben und regionaler Verantwortung – Christian Weiskopf, Geschäftsführer Finanzen und Unternehmenssteuerung der BBT-Region Trier-Rilchingen, und Jérôme Korn-Fourcade, Geschäftsführer Finanzen und Unternehmenssteuerung der BBT-Region Koblenz-Saffig, ordnen ein, wie Finanzstabilität und regionale Versorgung zusammen gedacht werden müssen – und wo Potenziale im deutschen Gesundheitswesen liegen.
Die Website www.frei-gemeinnützig.de der Katholischen Krankenhäuser informiert umfassend über die Auswirkungen des geplanten Gesetzes zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) auf die Kliniken.



