10.07.2026
GKV-Reform im Bundestag
Erste Nachbesserungen greifen zu kurz – nachhaltige Finanzierung der Krankenhäuser bleibt ungelöst

Kurz vor der Abstimmung des Deutschen Bundestages über das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz am heutigen Freitag zeichnet sich im parlamentarischen Verfahren Bewegung ab. Der aktuelle Änderungsvorschlag greift einzelne Kritikpunkte aus dem Gesundheitswesen auf. Die für Krankenhäuser entscheidenden Fragen bleiben aus Sicht der BBT-Gruppe jedoch weitgehend ungelöst.
„Es ist gut, dass im parlamentarischen Verfahren
Bewegung entstanden ist und zentrale Anliegen der Krankenhäuser noch einmal
aufgegriffen werden“, sagt Dr. Frank Zils, Sprecher der Geschäftsführung der
BBT-Gruppe. „Die bislang vorgesehenen Änderungen reichen jedoch bei Weitem
nicht aus. Solange die wirtschaftliche Grundlage der Krankenhäuser nicht
nachhaltig gesichert ist, fehlen die Voraussetzungen dafür, die
Krankenhausreform erfolgreich umzusetzen und die Gesundheitsversorgung
langfristig zu sichern.“
Im aktuellen Änderungsvorschlag werden einzelne
Anliegen der Krankenhäuser berücksichtigt, etwa bei der Weiterentwicklung der Finanzierung
von Pflegepersonalkosten oder bei den Regelungen zur Personalbemessung. Diese
Ansätze können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die zentralen
Herausforderungen weiterhin ungelöst bleiben.
Finanzierung bleibt das Kernproblem
Nach wie vor fehlt eine tragfähige Lösung für die
nachhaltige Finanzierung der Krankenhäuser. Auch die vollständige
Refinanzierung tariflicher Personalkosten sowie die besondere Situation
freigemeinnütziger Krankenhausträger finden im Gesetzentwurf weiterhin keine
ausreichende Berücksichtigung.

Mehr Handlungsspielräume statt mehr Bürokratie
Gleichzeitig bleibt ein grundlegender Widerspruch
bestehen: Während von Bürokratieabbau die Rede ist, sieht der Gesetzentwurf
weiterhin eine deutliche Ausweitung der Prüfungen durch den Medizinischen
Dienst vor. Zusätzliche Prüfquoten, Dokumentationspflichten und
Rechnungsprüfungen würden erhebliche personelle Ressourcen binden und den
wirtschaftlichen Druck auf die Krankenhäuser weiter erhöhen. Beides steht dem
Ziel entgegen, Krankenhäuser zu entlasten und ihnen die notwendigen Spielräume
für die Umsetzung der Krankenhausreform zu geben. Statt Entlastung drohen
zusätzliche Bürokratie und weitere finanzielle Belastungen.
„Politik sollte definieren, was erreicht werden
soll: Qualität, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit. Wie diese Ziele
vor Ort erreicht werden, muss aber in der gemeinsamen Verantwortung der
Krankenhäuser mit den anderen Akteuren und Verantwortlichen der
Gesundheitsversorgung liegen“, so Dr. Zils. „Weitere Detailsteuerung schafft
keine bessere Versorgung. Sie bindet Personal, verursacht zusätzliche
Bürokratie und verschärft die wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser.
Diese Ressourcen fehlen dort, wo sie gebraucht werden – in der Versorgung der
Patientinnen und Patienten und bei der Umsetzung der Krankenhausreform.“
Reform konsequent nachbessern
Die BBT-Gruppe appelliert an Bundestag und
Bundesrat, die begonnenen Nachbesserungen konsequent fortzuführen und die
weiterhin offenen Finanzierungsfragen tragfähig zu lösen. Aus Sicht der
BBT-Gruppe braucht es Reformen, die Finanzierung, Versorgungssicherheit und
Transformation gemeinsam denken. Dazu gehören vor allem eine verlässliche
Finanzierung der Krankenhäuser, weniger Bürokratie, ausreichende
Handlungsspielräume und faire Rahmenbedingungen für freigemeinnützige Träger.
„Unser Ziel ist es nicht, Reformen zu verhindern.
Im Gegenteil: Wir wollen sie konstruktiv mitgestalten. Gerade deshalb erwarten
wir, dass die berechtigten Hinweise aus dem Gesundheitswesen konsequent
berücksichtigt werden. Ein Gesetz mit so weitreichenden Folgen für die
Gesundheitsversorgung verdient eine sorgfältige parlamentarische Beratung und
tragfähige Nachbesserungen – insbesondere solange zentrale Fragen der
Krankenhausfinanzierung weiterhin offen sind. Denn am Ende geht es nicht um
Krankenhausbilanzen, sondern um die Versorgung der Menschen“, so Zils.
Interview: Versorgung neu denken – bevor Strukturen wegbrechen
Krankenhäuser zwischen Reformdruck, Sparvorgaben und regionaler Verantwortung – Christian Weiskopf, Geschäftsführer Finanzen und Unternehmenssteuerung der BBT-Region Trier-Rilchingen, und Jérôme Korn-Fourcade, Geschäftsführer Finanzen und Unternehmenssteuerung der BBT-Region Koblenz-Saffig, ordnen ein, wie Finanzstabilität und regionale Versorgung zusammen gedacht werden müssen – und wo Potenziale im deutschen Gesundheitswesen liegen.
Die Website www.frei-gemeinnützig.de der Katholischen Krankenhäuser informiert umfassend über die Auswirkungen des geplanten Gesetzes zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) auf die Kliniken.



