15.10.2024
In vielen gesellschaftlichen Bereichen und so auch im Gesundheitswesen ist die binäre Aufteilung der Geschlechter in Frau und Mann noch immer die Norm. Um diese Norm herum werden üblicherweise alle geschlechterbezogenen Fragestellungen wie etwa die Aufteilung der Sanitäranlagen oder aber die Belegung der Zimmer geordnet. Für geschlechter-nonkonforme und transgeschlechtliche Menschen, die in der klassischen, binären Geschlechternorm nicht repräsentiert werden, bedeutet dies oftmals, dass sie mit Benachteiligungen bis hin zu Diskriminierungen konfrontiert werden. Um dieses Thema ging es in einer trägerübergreifenden Fortbildung.
Diese Diskriminierungen reichen von der Unerfahrenheit oder Nicht-Akzeptanz der geschlechtlichen Identität dieser Patient*innen, Klient*innen oder Bewohner*innen durch die behandelnden Mitarbeitenden über fehlende Prozesse zur bedarfsgerechten Unterbringung bis hin zu Zugangshürden zu gesundheitlichen Leistungen. Solche Benachteiligungen und Diskriminierungen entsprechen weder dem fachlichen Anspruch der bestmöglichen Versorgung noch einer Wertehaltung, die das Wohl der einzelnen Patient*innen, Klient*innen und Bewohner*innen in den Mittelpunkt stellt.
Wie im Alltag in den Einrichtungen des Gesundheitswesens damit umgehen? Damit beschäftigten sich die Teilnehmer*innen einer Veranstaltung, die Anfang Oktober im Rahmen des diesjährigen trägerübergreifenden Fortbildungsprogramms „Angewandte Ethik“ von Barmherzige Brüder Trier gGmbH (BBT-Gruppe), Caritas Trägergesellschaft Saarbrücken mbH (cts), Elisabeth Vinzenz Verbund GmbH (EVV), cusanus trägergesellschaft trier mbH (ctt), Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen, Malteser Deutschland gGmbH, Marienhaus-Gruppe und Ethik-Institut Vallendar-Trier stattfand. Dabei ging es zunächst um die Klärung von Begrifflichkeiten und den Wissensaufbau rund um das Thema. Im zweiten Teil tauschten sich die Teilnehmer*innen zu konkreten Fragestellungen aus: Wie kann eine angemessene Zimmerbelegung aussehen? Welche Lösungen gibt es für Umkleideräume? Wie können Mitarbeitende über die Themen noch besser aufgeklärt werden?
Am Ende des Tages hatten alle Teilnehmer*innen weiterhin großes Interesse, sich mit dem Thema zu beschäftigen und in ihren Einrichtungen nach Möglichkeiten zu schauen, wie auch im Kleinen ein Umfeld geschaffen werden kann, in dem sich Menschen egal welchen Geschlechts akzeptiert und aufgehoben fühlen. Das fängt vielleicht schon mit der Frage an: Wie darf ich Sie ansprechen?
Begleitet wurde die Gruppe von Prof. Dr. Gabriele Dennert, die mit viel Fingerspitzengefühl einen Raum schuf, in dem die Themen der Gruppe offen besprochen werden konnten. Gabriele Dennert ist Ärztin und Wissenschaftlerin und forscht an der FH Dortmund zu Themengebieten aus der Sozialmedizin und Public Health mit Schwerpunkt Geschlecht und Diversität. Im Rahmen des Forschungsprojekts InTraHealth wurde empirisch fundiert eine Lernplattform entwickelt, „um Diskriminierungserfahrungen und psychosoziale Belastung von inter* und trans Personen in der Gesundheitsversorgung zu vermindern“.
Wer sich intensiver mit dem Thema beschäftigen möchte, kann kostenfrei unter www.intrahealth.de die verschiedenen Inhalte nutzen.
Zum Thema findet am 4.12.2024 ein Workshop online statt: „Trans-, Inter-, und non-konforme Geschlechtlichkeit im Gesundheitswesen“
Nähere Informationen und Anmeldung sowie weitere Veranstaltungen gibt es im Fortbildungsprogramm "Angewandte Ethik"