05.04.2023

Ostergruß der Geschäftsführung

Die österliche Gestalt der Maria Magdalena kann uns Mut machen: In der klaren und einfachen menschlichen Geste, die weiter trägt als viele Worte. In ihrem Aushalten, auch wenn der Boden unter den Füßen gerade wankt, und in dem Mut, sich der Dynamik des Lebens anzuvertrauen, das weiter gelebt und erfüllt werden will.

Glasfenster von Jean Bazaine

Ganz im Westen der Bretagne findet man, etwas versteckt, eine kleine Kapelle mit einer langen und wechselvollen Geschichte. Ihre Patronin ist Maria Magdalena, die Frau, die in den Evangelien ganz in die Nähe Jesu gerückt wird. Einmal wird sie als die Frau identifiziert, die Jesus die Füße salbt. Eine Sünderin – so sagen die Männer, die dabei sind. Maria Magdalena wird genannt als eine der Frauen, die unter dem Kreuz stehen – und nach der Auferstehung Jesu begegnet sie dem Auferstandenen als erste Zeugin. Jean Bazaine, ein wichtiger französischer Künstler des 20. Jahrhunderts, hat diese Begegnung vor rund vierzig Jahren in einem Glasfenster der Kapelle festgehalten. Zwei Gestalten, auf Augenhöhe, die eine, Maria Magdalena, eher in der gedämpften Farbe, der auferstandene Jesus lichtvoll und in einer Bewegung, die über die Erde hinausgeht, angedeutet in den hellen Feldern am oberen Rand des Glasfensters. Eine Osterbegegnung.

"Halte mich nicht fest", sagt Jesus zu ihr, als sie ihn erkennt. Ein Wort, das durch die Jahrhunderte bis heute nachklingt. Maria Magdalena legt eine Spur. Sie begegnet Jesus anders als die Gelehrten, die damals mit Jesus gestritten haben. Sie salbt ihm die Füße. Macht keine großen Worte. Es ist die einfache Geste, die zählt. Das bleibt als ihr Vermächtnis. Die ehrliche Geste, die aus der Liebe zum Menschen geschieht, trägt weiter als viele Worte. Unter dem Kreuz ist Maria Magdalena eine der wenigen, die nicht davonläuft, auch wenn alles zum Davonlaufen ist. Sie hält aus, bleibt dabei, auch wenn alles sich verdunkelt. Was für eine Kraft spricht aus diesem Bleiben! Und schließlich, als sie Jesus nach seiner Auferstehung begegnet, ist sie diejenige, die versteht: Den wunderbaren Moment, das Leben selbst, kein noch so schönes "Hier und Jetzt" kann man festhalten. Von Maria Magdalena kann man lernen, weiterzugehen, dem Leben zu trauen, den Blick nach vorne zu wenden, das Ungewisse anzunehmen und sich der guten Dynamik des Lebens anzuvertrauen. Mit der Osterbotschaft heißt das: Dieses Leben trägt.

Dass die gegenwärtige Zeit anstrengend ist, braucht man nicht eigens zu betonen. Das weiß und erlebt jeder. Auch in der BBT-Gruppe stehen wir alle miteinander vor enormen Herausforderungen. Viele spüren das. Die österliche Gestalt der Maria Magdalena kann uns Mut machen: In der klaren und einfachen menschlichen Geste, die weiter trägt als viele Worte. In ihrem Aushalten, auch wenn der Boden unter den Füßen gerade wankt, und in dem Mut, sich der Dynamik des Lebens anzuvertrauen, das weiter gelebt und erfüllt werden will.

Wir wünschen Ihnen und allen Menschen, mit denen Sie verbunden sind, ein gesegnetes und lebensvolles Osterfest.

Für die BBT-Geschäftsführung

Dr. Albert-Peter Rethmann