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22.09.2017

Mehr Menschlichkeit!

Mehr Menschlichkeit!

Gesundheits- und Sozialpolitik spielten im vergangenen Bundestagswahlkampf kaum eine Rolle. Also alles im grünen Bereich? Mitnichten. Doch mit Gesundheits- und Sozialpolitik sind eben keine Wahlkämpfe zu gewinnen. Aber viel zu verlieren, meint BBT-Geschäftsführer Bruder Alfons Maria Michels.

Die Agenda der gesundheits- und sozialpolitischen Herausforderungen ist lang. Sie reicht von der Finanzierbarkeit der Gesetzlichen Krankenversicherung über den demografischen Wandel bis zum Anspruch, mit den Entwicklungen in Medizin und Technik auf hohem Niveau Schritt zu halten. Und immer geht es um die Frage, wie zukünftig die Finanzierung sichergestellt werden kann, ohne dass die Versorgungsqualität leidet. Was viele in der Diskussion um klamme Kassen und kostenintensive Krankenhäuser und Sozialeinrichtungen vergessen: Es geht um die Sicherstellung eines im Grundgesetz nach Art 20 I verbrieften Auftrages der Daseinsvorsorge des Sozialstaates für seine Bürger. Diesen Auftrag teilen sich zahlreiche Akteure der Zivilgesellschaft und im Gesundheits- und Sozialwesen eine Vielzahl privater, frei gemeinnütziger und staatlicher Träger.
Wie wichtig hier die Angebote der Caritas und Diakonie sind, fällt spätestens dann auf, wenn man sich nur einmal kurz vorstellt, sie gäbe es nicht mehr. Allein die Caritas leistet mit ihren rund 25.000 Einrichtungen und Diensten für über eine Million Menschen einen zentralen Beitrag zur Daseinsvorsorge.

Zeit für Zuwendung

Es ist richtig: Ohne eine ausreichende Finanzierung und einen verantwortlichen Umgang mit den zur Verfügung stehenden Mitteln könnten wir als Teil der Caritas diese Angebote nicht aufrechterhalten. Aber es wäre fatal, würden wir in der politischen Diskussion "Daseinsvorsorge" ausschließlich unter dem Wirtschaftlichkeitsvorbehalt verstehen. Denn jeder, der einmal mit einer ernsten Erkrankung ins Krankenhaus musste oder auf die Unterstützung in der
Betreuung von Angehörigen angewiesen war, weiß, dass es auch um die Art und Weise der Zuwendung geht - obwohl die Rahmenbedingungen immer schwieriger werden. Der Fachkräftemangel ist schon lange im personalintensiven Gesundheitsund Sozialwesen angekommen; die Auflagen zur Dokumentation von Qualität führen paradoxerweise dazu, dass die Qualität von "Zeit für Zuwendung" schlechter wird - denn für die Zeit, die sich ein Arzt, ein Betreuer oder eine Pflegekraft für ein einfühlsames Gespräch, einen Plausch über die Enkelkinder oder die Sorgen der Angehörigen nimmt, gibt es keinen Kostenschlüssel.
Wenn in den kommenden Wochen die Koalitionsverhandlungen beginnen, dann wünsche ich mir, dass es wieder etwas mehr menschelt: Dass Politiker sich an ihren letzten Krankenhausaufenthalt erinnern oder an den Besuch ihrer Verwandten in einem Seniorenheim. Dass sie erfahren haben, wie es ist, wenn die eigene Mutter dement wird, oder ein Kind haben, das durch eine psychische Erkrankung fürs Leben gezeichnet ist. Ich wünsche mir, dass sich alle daran erinnern, wie gut es ihnen tat, als sich jemand Zeit für sie und ihre Nöte genommen, fachlich professionell geholfen und Lösungen gefunden hat. Auch das macht aus meiner Sicht den Sozialstaat, in dem wir leben dürfen, so großartig. Es sind letztlich Menschen, die sich um einen jeden von uns kümmern, wenn wir Unterstützung benötigen. Das sollte der Maßstab sein. Denn hiervon hängt ab, in welcher Gesellschaft wir zukünftig leben wollen.

Es geht alle an

Als einer der großen Träger von Krankenhäusern und Sozialeinrichtungen in Deutschland wissen wir um die enormen Herausforderungen, die politisch und gesellschaftlich auf uns zukommen: der medizinische Fortschritt, die mit der Digitalisierung verbundenen neuen Möglichkeiten auch für Diagnose und Therapie, die Bewältigung hoher Investitionskosten und vor allem der Fachkräftemangel. All das sind Themen, für die in der 19. Legislaturperiode
des Deutschen Bundestages politische Lösungen gesucht werden müssen. Hier ist auch der Beitrag der zivilgesellschaftlichen Akteure gefragt, selbst Verantwortung zu übernehmen und nicht mit dem Finger auf andere zu zeigen. Denn die Zukunft der Daseinsvorsorge ist ein gemeinsamer Auftrag, bei dem es auch um die Finanzierung, zuerst aber immer um den Menschen gehen muss!

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