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Deutsche Gesellschaft für Neurologie ehrt KKM-Mediziner Dr. Werner

Auszeichnung für KKM-Mediziner Ralph Werner: Dem Oberarzt der Klinik für Neurologie & Stroke Unit am Katholischen Klinikum Koblenz · Montabaur ist in Kassel der renommierte Robert Wartenberg-Preis 2019 verliehen worden. Die Kommission „Leitende Krankenhausärzte“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN) zeichnete damit die „herausragenden klinischen Forschungsarbeiten von Dr. Werner zum Thema Angioödeme bei akutem Schlaganfall“ aus.

„Beispielhafte Forschungsarbeit“

Dr. Werner hatte demographische, klinische und bildgebende Daten gesammelt und Risikofaktoren identifiziert. Ein besonderer Fokus seiner Arbeiten lag bei der Frage, warum diese Angioödeme meist kontralateral (an der entgegengesetzten Körperseite) zum Infarkt auftreten. Dazu wurden – auch mittels automatisierter Bildverarbeitung – MRT-Daten analysiert. „Dr. Werner hat diese Ergebnisse mehrfach international vorgetragen und in der Zeitschrift `Cerebrovascular Diseases´ hochrangig publiziert“, erklärt Prof. Dr. med. Karl Wessel, Chefarzt der Neurologischen Klinik am Städtischen Klinikum Braunschweig und Mitglied des Preiskuratoriums. „Er steht beispielhaft für die hohe Qualität der neurologischen, klinischen Forschung in Deutschland, die auch jenseits der Universitätskliniken geleistet wird.“

„In den Arbeiten ging es um das Phänomen des Angioödems, einer plötzlichen Schwellung der unteren Gesichtshälfte, die auch die Lippen und die Zunge betreffen kann und dann manchmal sogar lebensgefährlich ist“, sagt Dr. Werner. „Meist treten solche Angioödeme als allergische Reaktionen auf, in seltenen Fällen aber auch zeitgleich mit einem Schlaganfall. Aus der Tatsache, dass die Gesichtsschwellungen dann fast immer auf der dem Schlaganfall gegenüberliegenden Seite auftreten (genau wie typische Halbseitenlähmung), haben wir abgeleitet, dass es sich in diesen Fällen nicht bloß um eine allgemeine allergische Reaktion handelt, sondern dass das Gehirn selbst (bzw. die in diesem Moment durch den Schlaganfall verursachte Störung im Gehirn) für die Symptomatik verantwortlich sein muss.“

Umfangreiche Auswertung von MRT-Bildern

Diesen Ansatz hat Dr. Werner in seinen Forschungsarbeiten weiter verfolgt: „Wir haben aus den MRT-Bildern aller Patientinnen und Patienten mit einem solchen Angioödem, die vom Schlaganfall betroffenen Bereiche herauskopiert, übereinander projiziert und daraus eine Art „Schnittmenge“ berechnet, die wir zuletzt am Computer auf ein gesundes Gehirn übertragen haben. So konnten wir das Hirnareal einkreisen, das offenbar vom Schlaganfall betroffen sein muss, damit es zu dieser besonderen Symptomatik kommt.“

„Die wissenschaftliche Arbeit von Dr. Werner ist aus der klinischen Tätigkeit heraus entstanden“, sagt Prof. Dr. med. Johannes Wöhrle, Chefarzt der Klinik für Neurologie & Stroke Unit am KKM. „Sorgfältige Beobachtung und Betreuung der uns anvertrauten Menschen mit akuten Schlaganfällen hat zu neuen Erkenntnissen in der Anwendung der intravenösen Thrombolysetherapie geführt. Dr. Werners Verdienst ist, dass er diese auch für die wissenschaftlich interessierte Fachwelt zusammengefasst und in einer international sehr renommierten Fachzeitschrift publiziert hat. Dr. Werner zeichnet ein ausgeprägt analytisches Denken und die Freude an der klinischen Forschung in der Neurologie aus. Für sein Engagement bin ich ihm außerordentlich dankbar, denn die erhaltene Auszeichnung der deutschen neurologischen Chefärzte gilt zwar in erster Linie seiner persönlichen Leistung, gleichzeitig steht sie für die Wissenschaftlich geprägte klinische Tätigkeit, die wir als Team in unserer Klinik für Neurologie & Stroke Unit an jedem Tag mit Begeisterung erbringen.“

Hintergrund

Robert Wartenberg war ein 1886 in Russland geborener deutscher Neurologe, der in Hamburg, Breslau und Freiburg arbeitete und 1936 in die USA emigrierte, wo er an der University of California in San Francisco Professor wurde. Er starb 1956. Nach ihm wurden das Wartenberg-Rad, das Wartenberg-Syndrom und das Wartenberg-Zeichen benannt. Zur Erinnerung an ihn verleiht die Kommission der Chefärzte der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) seit dem Jahr 2000 den gleichnamigen Preis. Ausgezeichnet werden wissenschaftlich tätige Neurologen aus nicht-universitären Einrichtungen, deren Arbeiten Bezug zur klinischen Neurologie haben und konkret im klinischen Alltag Anwendung finden können.

Robert Wartenberg-Preis 2019

„Neue Forschungsarbeit wird im Mai in den USA vorgestellt“

Herr Dr. Werner, wie lange haben die Forschungsarbeiten gedauert?

Insgesamt habe ich über einen Zeitraum von zehn Jahren die Daten von Patientinnen und Patienten mit solchen Angioödem gesammelt, die ich zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen im Brüderhaus behandelt habe. Insbesondere die Auswertung und Bearbeitung der MRT-Bilder am Computer war sehr zeitaufwändig. Unsere Erkenntnisse habe ich zum einen bei mehreren Kongressen (u. a. bei der Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft für Neurologie AAN in New Orleans, der DGN in München und bei der Europäischen Schlaganfallkonferenz in Athen) präsentiert und 2014 als wissenschaftliche Arbeit in der Fachzeitschrift „Cerebrovascular Diseases“ veröffentlicht.

Haben Sie damit gerechnet, für diese Forschungsarbeit mit einem solch renommierten Preis ausgezeichnet zu werden?

Nein, ich habe überhaupt nicht damit gerechnet. Wenn nicht mein Chef, Prof. Wöhrle, die Idee gehabt hätte, die Arbeiten einzureichen, dann hätte ich mich nicht einmal für den Preis beworben. Aber dafür habe ich mich dann umso mehr gefreut, als ich erfahren habe, dass ich von der Preiskommission ausgewählt worden bin.

Haben Sie aktuell neue Forschungsideen?

Ja, gerade habe ich eine große klinische Beobachtungsstudie mit mehr als 200 Patienten mit transienter globaler Amnesie abgeschlossen, einer neurologischen Störung, bei der Menschen plötzlich nur noch eine Merkfähigkeit von ein paar Minuten haben, sich nach wenigen  Stunden aber wieder komplett erholen. Was genau während einer solchen Episode im Gehirn passiert ist unter Neurowissenschaftlern noch ziemlich umstritten. Wir haben diesbezüglich aus unseren Daten spannende neue Erkenntnis gewonnen und werden erste Ergebnisse im Mai dieses Jahres beim AAN-Meeting in Philadelphia präsentieren.

(Titelfoto Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie)

 
 
 
 
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