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Offenes Forum Ethik sendet starke Signale 

„Es ist der Mensch, der bei uns im Mittelpunkt steht.“ Ein kurzer Satz, am Ende einer Veranstaltung ausgesprochen, die einmal mehr gezeigt hat: Bei aller Hektik und Belastung im Krankenhausalltag – das Katholische Klinikum Koblenz · Montabaur orientiert sich in der Patientenversorgung und in organisationalen Entscheidungen an einer ethischen Kompassnadel. Das KKM hatte intern zum ersten „Offenen Forum Ethik“ geladen, und rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kamen zum Dialog in die Aula des Bildungscampus.

Bereits im November 2018 hatten sich Kolleginnen und Kollegen aus allen Berufsgruppen bei der Veranstaltung „THERAPIE(BE)GRENZEN“ intensiv mit der Frage beschäftigt, welche Therapie am Lebensende angemessen und richtig ist. Die Rückmeldungen der Teilnehmer damals war eindeutig: Wir brauchen diesen Dialog und wollen ihn in unterschiedlichen Formaten weiter fortführen. So entstand das „Offene Forum Ethik“, zu dem das Klinische Ethikkomitee in den Bildungscampus des Klinikums geladen hatte.

Moderiert von Peter Egenolf, Schulseelsorger am Bildungscampus und Mitglied des Ethikkomitees, stellten zunächst drei Mitarbeiter aus dem Katholischen Klinikum drei unterschiedliche Fälle vor, bei denen es galt, ethische Entscheidungen zu treffen. Alle Fälle waren nicht konstruiert, sondern hatten sich so tatsächlich zugetragen. Tanja Assmann (Palliative Care) skizzierte den Fall eines Patienten, der im persönlichen Umgang mit den Pflegekräften sehr abwertend und fordernd war und der so viele Kräfte band, dass für alle Beteiligten die Belastungsgrenzen erreicht waren. Annette Schaade (Leiterin Kaufmännisches Controlling) berichtete von einem Patienten, dessen Operation prinzipiell am KKM hätte stattfinden und damit abgerechnet werden können. In enger Abstimmung mit Medizinern, Kaufmännischer Leitung und Controlling wurde jedoch entschieden, den Patienten in ein noch spezialisierteres Zentrumsklinikum zu verlegen und dabei - so, wie es am KKM Grundsatz ist - den Patienten in den Mittelpunkt zu stellen und nicht Geld die Welt regieren zu lassen. Thomas Müller (Krankenhausseelsorger) erläuterte zum Thema „Interdisziplinäre Zusammenarbeit“ an einem Beispiel Spannungsfelder zwischen verschiedenen Abteilungen, wie sie immer wieder im Krankenhausalltag vorkommen können.

Im Anschluss an die Vorstellung der drei Fälle beschäftigten sich die Teilnehmenden  in drei Arbeitsgruppen mit jeweils einem der Fälle. Diskutiert wurde in den Gruppen sehr engagiert über die ethische Relevanz der einzelnen Fälle sowie über die Möglichkeiten des Handelns. „Darf ich den Patienten auch mal in seine Schranken weisen, weil er nur sich selbst sieht, dabei all meine Kräfte absorbiert und ich mich deshalb anderen Patienten nicht mit der gebotenen Aufmerksamkeit zuwenden kann? Diese Frage haben wir uns in unserer Arbeitsgruppe gestellt“, berichtete Werner Hohmann. Der Hausobere hatte sich für den skizzierten Fall von Tanja Assmann entschieden,  der von den Teilnehmern der Gruppe intensiv bearbeitet wurde.

Die Besprechung der drei ganz unterschiedlichen Fälle machte erlebbar, dass und wie in unserem Klinikalltag um ethisch verantwortbares Handeln gerungen wird. Im Mai 2019 hatte sich das Klinische Ethikkomitee am Katholischen Klinikum neu aufgestellt. In der Präambel der neuen Satzung des Komitees ist festgehalten,  dass das KKM als christliches Unternehmen dem Leben und der unantastbaren Würde des Menschen verpflichtet ist. Um die gewachsene Komplexität ethischer Spannungsfelder abbilden zu können, wurde die Satzung an die gesamte Handlungsebene des Klinikums angepasst. Damit sich der Blick nicht mehr nur auf medizinische, therapeutische oder pflegerische Problemstellungen beschränkt, sondern auch die unternehmensstrategischen und ökonomischen Rahmenbedingungen des Krankenhausalltages in den Blick nimmt, arbeitet das Ethikkomitee in den beiden Teilgremien Medizin- und Organisationsethik.

In Letzterem geht es darum, aus ethischer Sicht dort Einschätzungen vorzunehmen, wo das Krankenhaus als Organisation handelt. Das Klinische Ethikkomitee bietet seine Arbeit jedem an, der sich Beratung und Unterstützung gerade aus ethischer Sicht wünscht: Ärzten und Pflegekräften, Patienten, Angehörigen sowie Mitarbeitern in allen Funktionen des Klinikums. 

Zum Abschluss des Offenen Forums wurde noch einmal im Plenum über die drei Fälle sowie das Thema Ethik am KKM diskutiert. Der Grundtenor bei allen Beteiligten war eindeutig: Dieser Austausch ist wichtig. Der Patient soll bei uns weiterhin, auch unter den schwierigen Bedingungen eines durchökonomisierten Gesundheitssystems, im Mittelpunkt stehen. Auch wurde erörtert, wie das Arbeitsinstrument der ethischen Fallbesprechungen noch intensiver genutzt werden kann. „Vielleicht brauchen wir auch noch weitere  Formate für den ethischen Diskurs in unserem beruflichen Alltag“, gibt Irmgard Layes, Palliativmedizinerin und Vorsitzende des Teilgremiums Medizinethik, zu bedenken. Und Claudia Stork (QM / RM), Vorsitzende des Teilgremiums Organisationsethik ergänzt: „Für mich hat sich an dem Abend erneut gezeigt, wie eng medizin- und organisationsethische Fragestellungen am Patientenbett miteinander verbunden sind. Deshalb müssen wir diesen abteilungs- und berufsgruppenübergreifenden Dialog unbedingt fortsetzen.“

 
 
 
 

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