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Individualisierte MS-Therapie möglich

Beim 10. MS-Tag im Caritas-Krankenhaus zogen die Referenten vor mehr als 350 Besuchern eine Bilanz der Entwicklung bei der Therapie der chronisch-entzündlichen Nervenerkrankung Multiple Sklerose (MS) in den vergangenen zehn Jahren. Ihr Fazit: Die Vielzahl inzwischen zugelassener Medikamente sowohl in Form von Tabletten wie in Form von Injektionen macht heute eine individualisierte Therapie der MS möglich. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Möglichkeiten für die Betroffenen, die Symptome selbst positiv zu beeinflussen

In seinem Vortrag gab der Chefarzt der Klinik für Neurologie im Caritas-Krankenhaus Privatdozent Dr. Mathias Buttmann einen Überblick über die seit 2009 neu zugelassenen Medikamente, deren Wirkweisen, aber auch deren Nebenwirkungen. „Während vor zehn Jahren fast nur Injektionstherapien über Spritzen und Infusionen möglich waren, haben wir heute viele Medikamente, die auch als Tablette eingenommen werden können und somit für die Betroffenen einfacher zu handhaben sind“, erläuterte der Neurologe und national anerkannte MS-Spezialist.

Elf Wirkstoffe zur Therapie zugelassen
Inzwischen seien insgesamt elf verschiedene Wirkstoffe zugelassen, eine weitere Zulassungsempfehlung sei zwei Tage zuvor erteilt worden. „Die Wirkstärken der Medikamente unterscheiden sich“, erläuterte Buttmann, „wie es auch bei deren Verträglichkeit und Sicherheit wichtige Unterschiede gibt“. Leider gebe es bislang kaum einfache Tests, die bei der Entscheidung für oder gegen den Beginn einer medikamentösen Therapie und bei der Auswahl des geeigneten Präparats helfen. Bei der individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung seien die Erfahrungen und der Rat von MS-Experten wichtiger denn je. Buttmanns Empfehlung für die Betroffenen: „Suchen Sie sich, gerade falls Sie eine aktivere MS haben, eine Klinik oder einen Neurologen mit viel Erfahrung und Spezialwissen, der Sie bei der MS-Therapie mit begleitet.“ Auf diese Weise könne die Vielzahl inzwischen verfügbarer Medikamente bestmöglich genutzt werden für eine individualisierte Therapie.

Positive Entwicklung beim Thema Schwangerschaft mit MS
Auch für chronisch voranschreitende Krankheitsverläufe gebe es neue Medikamente, deren Einsatz allerdings eine besonders sorgfältige Einzelabwägung erfordere. Während sich die schubförmige MS inzwischen meist sehr gut behandeln lasse, bestehe nämlich trotz wichtiger Fortschritte gerade bei der chronisch-progredienten MS noch wichtiger Entwicklungsbedarf. Die derzeit verfügbaren Medikamente kämen nur für einen Teil der Betroffenen in Betracht. Eine ausgesprochen positive Entwicklung sieht Buttmann beim Thema Schwangerschaft. „Auch mit einer aktiven MS ist heute im Gegensatz zu vor zehn Jahren eine Schwangerschaft in spezialisierter Begleitung für Mutter und Kind risikoarm möglich“, so der MS-Experte. 

Positiver Effekt von Sport auf MS-Betroffene
Dass jeder MS-Betroffene auch selbst etwas zu seinem Wohlbefinden beitragen kann, machte Prof. Dr. Mathias Mäurer, Chefarzt der Klinik für Neurologie im Juliusspital Würzburg, in seinem Vortrag „Sport und Bewegung bei MS“ deutlich. „Schon leichte körperliche Aktivität hat eine positive Wirkung auf die Lebensqualität und die Symptomkontrolle und senkt die Sterberate – egal bei welchen Vorerkrankungen. Dies belegen große Studien“, so Prof. Mäurer.  Ältere Empfehlungen, sich als MS-Betroffener zu schonen, seien überholt. „Es gibt inzwischen wissenschaftliche Belege, dass Sport und körperliche Aktivität positive Effekte auf den Krankheitsverlauf haben. Es gibt sogar Hinweise, dass bei Menschen mit körperlicher Aktivität möglicherweise die Schubrate sinkt.“ Sport sollte daher fester Bestandteil der MS-Therapie sein. Der Facharzt für Neurologie und MS-Spezialist empfiehlt eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining – abgestimmt auf die individuellen Möglichkeiten. „Die Intensität sollte etwas anstrengend sein und noch als angenehm empfunden werden.“ Gut geeignet seien z.B. Aquasport und Aquatherapie und vor allem Sport in einer Gruppe, um auch den sozialen Kontakt zu fördern. Er verwies außerdem auf die aktuelle Studie „ms-BEWEGT“, die mithilfe einer speziell entwickelten App MS-Betroffene bei ihren sportlichen Aktivitäten unterstützen soll. Sein Fazit: „Sport ist ein Medikament mit hoher Wirkung – eigentlich sollte man es verschreiben“.

Naturheilkunde bei MS
Neben Sport setzen viele Betroffene auf weitere ergänzende Ansätze, um die medikamentöse MS-Therapie zu unterstützen. Einen Überblick über die Möglichkeiten der „Naturheilkunde bei MS“ gab Prof. Dr. Roman Huber, Leiter des Zentrums für Naturheilkunde an der Universitätsklinik Freiburg. Durch Studien belegt sei die Wirksamkeit von Entspannungstraining, das nachweislich die Depressivität und Müdigkeit bei MS verbessert. „Auch aufmerksamkeitsbasierte Bewegungstherapien wie Yoga oder Tai Chi haben einen großen Nutzen für Menschen mit MS“, so der Mediziner. Kritischer sieht er die Wirksamkeit von zusätzlichen Vitaminen und Spurenelementen. „Vitamin D hat wahrscheinlich eher keinen Einfluss auf den Verlauf und die Symptome einer bestehenden MS.“ Viele Details seien hier allerdings noch unklar. „Ein Vitamin D-Mangel sollte bei Patienten mit MS allerdings vermieden werden, eine Kontrolle des Wertes ist sinnvoll“, betonte Prof. Huber. Für die Vitamine B1, B6, B12 und C sowie für  Omega 3-Fettsäuren sei kein signifikanter Nutzen bei MS nachgewiesen. Ernährung bei MS sei ein weiteres spannendes Thema, eine spezielle MS-Diät gebe es jedoch nicht. „Vor allem der  enge Zusammenhang zwischen der Darmflora und dem Immunsystem ist zurzeit ein interessantes Forschungsgebiet und intensiv im Fokus.“ Insgesamt biete die Naturheilkunde verschiedene Möglichkeiten, um die medikamentöse Therapie zu ergänzen und das Allgemeinbefinden zu verbessern. „Allerdings haben wir keinen Nachweis, dass dadurch die Schubhäufigkeit bei MS reduziert werden kann“, machte er deutlich.

Workshops mit praktischer Anleitung
Viele Aspekte aus den Vorträgen wurden in der anschließenden Fragerunde mit Neurologen aus dem Caritas-Krankenhaus sowie den niedergelassenen Neurologen Dr. Jürgen Lang (Tauberbischofsheim) und Dr. Herbert Hock (Bad Mergentheim) weiter vertieft. An den zahlreichen Infoständen in der Halle des Caritas-Krankenhauses konnten sich die Besucher außerdem über verschiedene Hilfsmittel und Beratungsangebote für Betroffene informieren. Konkrete Anleitung für Bewegungsübungen und Sturzprophylaxe sowie Hilfe bei Schluckstörungen vermittelten die Therapeuten in den gut besuchten Workshops.

 
 
 
 

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