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02.04.2019 Brüderkrankenhaus Trier

Wenn der Zucker an die Nieren geht

Bundesweit wurde bei rund sieben Millionen Menschen ein Diabetes Mellitus diagnostiziert, und die Dunkelziffer dürfte bedenklich hoch sein. Experten schätzen, dass hierzulande weitere zwei Millionen Menschen an der „Zuckerkrankheit“ leiden, aber noch nichts von ihrer Erkrankung wissen. Umfassendes Wissen zu dieser Volkskrankheit und deren oft schwerwiegende Folgen vermittelte jetzt eine Patienteninformationsveranstaltung im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier.

Wenn der Zucker an die Nieren geht

Erbliche Faktoren, Übergewicht und Bewegungsmangel zählen zu den wichtigen Risikofaktoren für die Entstehung eines Diabetes Typ 2. Meist trete dieser erst nach dem 30. Lebensjahr auf, erläuterte Dr. med. Christina Schneider zum Auftakt, allerdings seien auch immer mehr junge Menschen betroffen. Dass die „Zuckerkrankheit“ weltweit auf dem Vormarsch ist und die Zahl der Betroffenen in den Schwellenländern Südamerikas und Afrikas deutlich steigt, sei ein Indiz dafür, dass die westliche Ernährungsweise ein wesentlicher Mitverursacher für die Erkrankung sei, so die Oberärztin der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie und Sektionsleiterin Gefäßchirurgie im Zentrum für Gefäßmedizin des Brüderkrankenhauses Trier.

Das hatte zu einer Veranstaltung rund um den Diabetes eingeladen. Zahlreiche Menschen nutzten die Gelegenheit, sich über unterschiedliche Facetten des weitverbreiteten Leidens zu informieren. So berichtete die Neurologin Dr. med. Annemarie Goldbecker über die diabetische Polyneuropathie, die häufigste Komplikation bei Diabetes. Bei dieser Schädigung des peripheren Nervensystems, welche sich unter anderem in Missempfindungen wie strumpfförmiger Taubheit an den Beinen oder ein gestörtes Temperatur- und Schmerzempfinden äußere, handele es sich mitnichten nur um ein Gefühlsproblem, betonte Dr. Annemarie Goldbecker und verwies auf spürbare Beeinträchtigungen in Lebensqualität und Sexualleben sowie schmerzlose Wunden im Rahmen des diabetischen Fußsyndroms.

Auf dieses ging Dr. med. Elke Lenz, Oberärztin der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, ein. Die Wahrscheinlichkeit, an einem diabetischen Fuß zu erkranken, liege bei Diabetikern zwischen 19 und 34 Prozent, bezifferte Dr. Elke Lenz und machte vor allem mit zwei Zahlen die Dimension dieser Diabetes-Komplikation deutlich: Jedes Jahr werden für Amputationen rund 50.000 Krankenhausaufenthalte notwendig, bei etwa 15.000 Patienten werden Ober- und/oder Unterschenkel amputiert; und 70 Prozent aller Amputationen werden bei Diabetikern durchgeführt. Ziel der Medizin sei es, eine Amputation zu verhindern, doch ob dieses erreicht werden könne, hänge von vielen Faktoren wie etwa Begleiterkrankungen oder der allgemeinen Lebenssituation ab. Liege beispielsweise eine Infektion vor, stehe deren Bekämpfung erst einmal im Vordergrund, so Dr. Lenz.

Ernst wird die Lage für die Betroffenen auch dann, wenn der Zucker an die Niere geht, warnte Dr. med. Bernd Liesenfeld, Oberarzt der Abteilung für Innere Medizin II. Täglich fließen rund 1.800 Blut durch die Nieren, werden etwa 150 Liter Primärurin filtriert und zu ein bis zwei Liter Urin verarbeitet, veranschaulichte er die Bedeutung des Organs. Da die diabetische Nierenerkrankung meist keine Symptome zeige und weder roter Urin noch Schmerzen auftreten müssten, rate er, einmal im Jahr seinen Urin untersuchen zu lassen. Enthalte dieser Eiweiß, sei dies ein wichtiger Hinweis auf das mögliche Vorliegen einer Nierenerkrankung. Dr. Liesenfeld appellierte, dass Diabetiker auf eine gute Einstellung ihres Blutdrucks achten; sei dieser dauerhaft erhöht, werde eine Nierenersatztherapie wie die Dialyse erfahrungsgemäß häufiger notwendig. Und noch einen Rat gab der Facharzt für Diabetologie seinen Zuhörern mit auf den Weg: Im Vergleich zu Nichtrauchern werden Raucher statistisch gesehen doppelt so schnell auf eine Dialyse angewiesen sein.

Im letzten Vortrag der Veranstaltung lenkte Dr. med. Johannes Luttke den Blick auf die Gefahren des Diabetes für das Sehvermögen. „Nach Feststellen eines manifesten Diabetes mellitus sind regelmäßige Untersuchungen des Augenhintergrundes durch einen Augenarzt unabdingbar“, stellte der Chefarzt des Zentrums für Augenheilkunde klar. Trete eine Sehverschlechterung ein, sollten die Patienten nicht abwarten und darauf hoffen, dass sich das Auge eigenständig erholt, sondern stattdessen sofort augenärztlichen Rat einholen. Eine Erblindung könne zwar nicht immer vermieden werden, doch in 98 Prozent der Fälle lasse sich mit Maßnahmen wie einer Laserbestrahlung oder einer Vitrektomie (Glaskörperentfernung), also mittels eines chirurgischen Eingriffes, das Risiko hierfür erfolgreich eindämmen.     

 
 
 
 
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