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Delir: Bewährte Expertise wird auf Normalstationen ausgeweitet

Delir: Bewährte Expertise wird auf Normalstationen ausgeweitet

Das Delir zählt zu den häufigsten und zugleich herausforderndsten Komplikationen im Krankenhausalltag. Besonders ältere, schwer erkrankte und multimorbide Patienten sind betroffen. Umso wichtiger sind eine frühzeitige Erkennung, gezielte Prävention und ein strukturierter Umgang mit dieser akuten Bewusstseins- und Wahrnehmungsstörung. Am Katholischen Klinikum Koblenz · Montabaur wird das Thema Delir systematisch und interdisziplinär bearbeitet – mit wachsender Bedeutung auch über die Intensivmedizin hinaus.

Bereits im Jahr 2015 wurde für die Intensivstationen eine interdisziplinäre Delirgruppe ins Leben gerufen. Diese setzt sich kontinuierlich mit Prävention, Diagnostik und Therapie des Delirs im intensivmedizinischen Kontext auseinander. Ziel ist es, Risikopatienten frühzeitig zu identifizieren, Delirverläufe zu reduzieren und betroffene Patienten bestmöglich zu begleiten. Im Rahmen dieser Arbeit wurden zentrale Instrumente entwickelt, die heute fest im klinischen Alltag verankert sind.

Strukturierte Instrumente für mehr Patientensicherheit

Ein wichtiger Baustein ist der Deliranamnesebogen. Dieses strukturierte Erfassungsinstrument macht bereits bei der Aufnahme relevante Risikofaktoren und Vorerkrankungen sichtbar. So können präventive Maßnahmen frühzeitig eingeleitet werden. Ergänzt wird dies durch das Intensivtagebuch, das den Behandlungsverlauf dokumentiert und Abläufe verständlich erklärt. Es unterstützt Patienten und Angehörige dabei, die oftmals fragmentarischen Erinnerungen an die Intensivzeit einzuordnen und zu verarbeiten, und kann nach einem Delir zur Orientierung und Stabilisierung beitragen.

Durch den demografischen Wandel, steigende Fallschwere und zunehmende Multimorbidität gewinnt das Thema Delir auch auf den Normalstationen zunehmend an Bedeutung. Vor diesem Hintergrund wurde ein Projekt gestartet, um die Delirkompetenz gezielt auf periphere Stationen auszuweiten und Mitarbeitende für das Thema zu sensibilisieren. Als erste Pilotstation hat sich die Station Innere 5/6 am Marienhof bereit erklärt, diesen Weg mitzugehen. Hier werden neue Ansätze erprobt, darunter:

  • die Umsetzung präventiver Maßnahmen im Stationsalltag, etwa durch Orientierungshilfen, klare Tagesstrukturen und Mobilisation
  • Schulungen von Multiplikatoren
  • ein enger Austausch zwischen Intensivstationen und Normalstation

Die gewonnenen Erkenntnisse sollen perspektivisch auf weitere Stationen übertragen werden.

Fortbildung als Startschuss

Der offizielle Start des Pilotprojekts erfolgte mit einer Fortbildungsveranstaltung im Dezember 2025. Linda Minge und Sebastian Nicolay vermittelten dabei praxisnahes Grundlagenwissen rund um das Delir. Thematische Schwerpunkte waren unter anderem:

  • Formen und Ursachen des Delirs
  • Screening- und Assessmentverfahren
  • präventive Maßnahmen im Stationsalltag
  • die Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit

Zunehmend in den Fokus rückt auch das sogenannte Snoezelen. Dieser multisensorische Ansatz nutzt Licht, Klänge, Düfte und taktile Reize, um eine beruhigende Umgebung zu schaffen. Bei delirgefährdeten oder desorientierten Patienten kann Snoezelen dazu beitragen, Stress und Angst zu reduzieren, Überreizung zu vermeiden und Orientierung sowie Wahrnehmung sanft zu stabilisieren. Damit stellt es eine wertvolle Ergänzung zu pflegerischen und medizinischen Maßnahmen dar.

Mit der Ausweitung der Delirarbeit auf die Normalstationen verfolgt das Katholische Klinikum Koblenz · Montabaur das Ziel, Delir frühzeitig zu erkennen, präventiv zu handeln und die Versorgungsqualität für Patienten nachhaltig zu verbessern. Die Delirgruppe leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Patientensicherheit und zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der klinischen Versorgung.

 
 

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