12.06.2026 | Krankenhaus Tauberbischofsheim
AKTIONSTAG
Verlässliche Versorgung nah am Menschen sicherstellen

Mit Absperrbändern und einem Infostand am Haupteingang haben sich das Krankenhaus Tauberbischofsheim und das Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim am landesweiten Aktionstag der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft beteiligt. Unter dem Motto „Versorgung sichern. Zukunft ermöglichen“ machten Direktoriumsmitglieder und weitere Mitarbeitende auf die Folgen des geplanten Gesetzes zur Beitragsstabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) aufmerksam. Mit dem Gesetz will die Bundesregierung weitere Beitragserhöhungen für Versicherte und Arbeitgeber vermeiden und die Finanzen der GKV stabilisieren. Für die Krankenhäuser bedeuten die Vorschläge jedoch erhebliche Herausforderungen und Einbußen in einer ohnehin angespannten wirtschaftlichen Lage.
„Grundsätzlich unterstützen auch wir das Ziel, Beitragssteigerungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung möglichst zu vermeiden. Eine stabile und solidarisch finanzierte Krankenversicherung ist eine wichtige Grundlage für eine verlässliche Gesundheitsversorgung“, betont Timo Sonntag, Regionalleiter Unternehmenssteuerung und Finanzen der BBT-Gruppe. „Allerdings darf das nicht zu Lasten einer sicheren Patientenversorgung vor Ort gehen.“

Nach
Berechnungen der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft führt der
vorliegende Gesetzentwurf im Jahr 2027 zu Einschnitten bis zu 1,7 Milliarden
Euro für die Krankenhäuser in Baden-Württemberg. Schon jetzt schreiben rund 75
Prozent der Krankenhäuser im Land Verluste.
Gute Versorgung braucht Verlässlichkeit
„Mit dem
Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim und dem Krankenhaus Tauberbischofsheim sind
wir bei der Stabilisierung und wirtschaftlichen Konsolidierung auf einem
insgesamt positiven Weg“, erläutert Timo Sonntag. Mit den Vorschlägen aus dem
GKV-Stabilisierungsgesetz werde Planungssicherheit und verlässliche
Finanzierung wieder in Frage gestellt. „Gute Versorgung braucht Verlässlichkeit
und dafür brauchen die Krankenhäuser verlässliche Rahmenbedingungen. Mit dem
jetzt geplanten GKV-Beitragsstabilisierungsgsetz würde der wirtschaftliche
Druck auf die Krankenhäuser weiter ansteigen und dies in einer Phase, in der Krankenhäuser
gleichzeitig die Krankenhausreform, mehr Digitalisierung, Fachkräftesicherung
und neue Versorgungsstrukturen umsetzen sollen. Für solche wichtigen
Zukunftsaufgaben und Innovationen brauchen wir den notwendigen
Handlungsspielraum für gute Lösungen in der Region.“
Das ist im Gesetzentwurf geplant
Der
Gesetzentwurf der Bundesregierung sieht u.a. vor, Vergütungssteigerungen von
Kliniken stärker zu deckeln, das heißt, Einnahmen zu begrenzen. Krankenhäuser
können Kostensteigerungen – etwa durch Inflation oder höhere Sachkosten – dann
nicht mehr vollständig refinanzieren. Auch Lohnsteigerungen für das
Klinikpersonal sollen nicht mehr vollständig refinanziert werden. Außerdem ist
geplant, das Pflegebudget für Mitarbeitende in der Pflege zu kürzen. Zugleich
müssen Krankenhäuser aber immer striktere gesetzliche Personalvorgaben
erfüllen.
Frei gemeinnützige Krankenhäuser übernehmen Verantwortung
Frei
gemeinnützige Krankenhäuser sind von diesen geplanten Kürzungen besonders
betroffen, denn sie dürfen nur begrenzt Rücklagen bilden und müssen Defizite
selbst tragen, während öffentliche Häuser ihre Defizite über die
Kommunalhaushalte – also über Steuergelder – ausgleichen können. „Als
freigemeinnützige Träger sichern wir vielerorts, wie hier in unserer Region,
einen großen Teil der regionalen Versorgung – häufig auch in Bereichen, die
wirtschaftlich besonders anspruchsvoll und personalintensiv sind wie z.B.
Geburtshilfe, Palliativversorgung, Psychiatrie oder Geriatrie. Und
selbstverständlich zahlen wir Tarifgehälter. Wir übernehmen hier zentral
Verantwortung für die hochwertige medizinische Versorgung vor Ort“,
unterstreicht Timo Sonntag.
Weniger Bürokratie und mehr Zeit für die
Menschen
Für die beiden
Ärztlichen Direktoren Dr. Jochen Selbach und Dr. Mathias Jähnel ist ein
weiterer Aspekt des Gesetzentwurfes von zentraler Bedeutung: „Statt Bürokratie
abzubauen, sieht das Sparpaket zusätzliche Bürokratie vor, noch mehr
MD-Prüfungen und verschärfte Prüfmechanismen. Das heißt, wir müssen noch mehr
Zeit mit Dokumentation und Bürokratie verbringen, statt uns um unsere
Patientinnen und Patienten zu kümmern. Schon jetzt kostet die Dokumentation
Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte rund drei Stunden täglich. Wir brauchen
weniger Bürokratie und mehr Zeit für die Menschen.“
Zukunftsfrage Gesundheitsversorgung
Die aktuelle
Diskussion drehe sich deshalb längst nicht nur um wirtschaftliche Kennzahlen.
Es gehe auch um die Frage, wie Gesundheitsversorgung künftig vor Ort
verlässlich organisiert werden kann. Aus Sicht der Verantwortlichen der
BBT-Gruppe braucht es dafür tragfähige Lösungen, die Finanzierung und
Versorgung gemeinsam denken. Entscheidend sind aus ihrer Sicht folgende Punkte:
- eine faire Lastenverteilung im Gesundheitssystem
- verlässliche Refinanzierung von Personalkosten
- ausreichende unternehmerische Handlungsspielräume für Kliniken
- weniger Bürokratie
- Planungssicherheit für die Umsetzung der Krankenhausreform
- stärkere Berücksichtigung regionaler Versorgungsrealitäten
Reformen konstruktiv gestalten
Auch
beim Besuch von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) anlässlich des
60-jährigen Jubiläums des Krankenhauses Tauberbischofsheim Anfang Mai konnten
Dr. Frank Zils und Sabine Anspach von der BBT-Geschäftsführung diese
Forderungen direkt bei der Bundesgesundheitsministerin ansprechen. „Als
BBT-Gruppe bringen wir uns konstruktiv in die Debatte ein. Es geht nicht darum,
notwendige Reformen zu verhindern. Es geht darum, sie so zu gestalten, dass
Versorgung nah am Menschen auch in Zukunft möglich bleibt“, sagt Dr. Frank
Zils, Sprecher der Geschäftsführung der BBT-Gruppe.
Die Website www.frei-gemeinnützig.de der Katholischen Krankenhäuser
informiert umfassend über die Auswirkungen des geplanten Gesetzes zur
Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)
auf die Kliniken.
www.frei-gemeinnuetzig.de



