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Schmerztherapie
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Endlich schmerzfrei

Wie eine Schmerztherapie helfen kann

Haben Sie es auch im Rücken? Oder am Knie? Dann sind Sie in guter Gesellschaft. Für mehr als eine Million Deutsche sind Schmerzen zu einem ständigen Begleiter geworden. Chronische Schmerzkarrieren können mit einer individuellen­ Therapie, die sehr unterschiedliche Ansätze vereint, beendet werden.

 
 

Schmerzfrei leben - Wie eine Schmerztherapie helfen kann

„Oh, da kommt was …“ – Wenn Melanie Gruna heute spürt, dass wieder ein Schmerzschub naht, ist sie vorbereitet und bleibt gelassen. Die 38-jährige Paderbornerin hat gelernt, mit ihren Kopfschmerzen und dem unangenehmen Kribbeln in ihren Beinen umzugehen. Gegen das Pochen im Kopf helfen ihr oft schon auf die Schläfen geträufeltes Pfefferminzöl und entspannende Musik, gegen das Kribbeln gezielte Übungen oder ein kleines Gerät, das die Nerven in den Beinen stimuliert. All das hat Melanie Gruna bei ihrem stationären Auf- enthalt in der Schmerztherapie im Brüderkrankenhaus St. Josef gelernt. Während der zwei Wochen wurde sie dort nicht nur medikamentös neu eingestellt, sondern hat dank der interdisziplinären Zusammenarbeit mehrerer Experten viele maßgeschneiderte schulmedizinische, naturheilkundliche und alternative Therapieangebote – etwa Akupunktur und Behandlung mit ätherischen Ölen – nutzen können. Sie brachten endlich die ersehnte Linderung. „Ich war vorher schon mal fünf Wochen in Reha – die 14 Tage hier haben mir viel mehr gebracht“, freut sie sich.  

Erste Station: Schmerzambulanz

Hinter Gruna liegt eine halbe Odyssee, als sie nach drei Jahren voller Schmerzen und einem Arztwechsel in die Schmerzambulanz im Brüderkrankenhaus überwiesen wird. Die zweifache Mutter leidet seit Jahren unter einer Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise auch gegen gesunde, körpereigene Zellen kämpft. „Ich stelle mir die Krankheit wie Pac-Man vor“, sagt die junge Frau – jene Spielfigur, die alles auffrisst, was ihr in den Weg kommt. Durch eine neurologische Schädigung hat sie zudem häufig Schmerzen in Füßen und Waden sowie chronische Spannungskopfschmerzen. Nach dem Termin in der Schmerzambulanz mit ausführlichen Vorgesprächen mit einem Arzt und einer Psychologin wird ihr ein stationärer Aufenthalt empfohlen.

„Wir sind für viele unserer Patienten oft der letzte Strohhalm“, weiß Dr. Bernd Schlei, Leitender Oberarzt in der Schmerztherapie des Brüderkrankenhauses St. Josef. Viele haben zuvor einen Facharzt nach dem anderen auf- gesucht – immer in der Hoffnung, nun endlich Hilfe zu bekommen. „Häufig haben die Patienten schon resigniert.“ Denn anders als bei einem akuten Schmerz, der sich schnell beheben las- se, sei beim chronischen Schmerz oft keine Ursachenbeseitigung möglich.

Rückzug aus dem Alltag

Schmerztherapie - endlch schmerzfrei leben
Ich bin auch privat gehandicapt und überlege drei Mal, ob ich zu einer Feier gehe, weil die Schmerzen wieder­ kommen können.
 

„Chronische Schmerzen finden jeden Tag in gleicher Intensität statt – alles dreht sich für die Patienten nur noch um den Schmerz“, beschreibt Dr. Schlei den Teufelskreis. „Sie konzentrieren sich darauf, er wird zum Mittelpunkt im Leben.“ Die Folge: Rückzug von alltäglichen Aktivitäten, von der Arbeit, von Freunden und Freizeitaktivitäten.

So war es auch bei Melanie Gruna. „Man kann nicht mehr so wie vorher“, erinnert sich die Schmerzpatientin. „In der einen Stunde spiele ich noch mit meinem Sohn auf der Wiese Fußball, eine Stunde später geht gar nichts mehr, und ich muss mich hinlegen“, schildert sie die Folgen ihrer Erkrankung. „Ich bin auch privat gehandicapt und überlege drei Mal, ob ich zu einer Feier gehe, weil die Schmerzen wiederkommen können.“ Ihre Umschulung im Bereich Lagerlogistik musste sie abbrechen, jetzt kümmert sie sich ausschließlich um den Haushalt und ihre beiden sieben- und 18-jährigen Kinder. Aber dank des Klinikaufenthaltes weiß sie sich nun zu helfen, wenn die Schmerzen kommen.

Denn von den Spezialisten hat sie auch wichtige Informationen zu ihrer Erkrankung bekommen. Etwa, dass ihre Schmerzen im Bein auf eine Überaktivität im Nerv zurückzuführen sind, der da- mit versucht, sich zu reparieren. Auch die Klinikpsychologin gab ihr wertvolle Tipps. „Ich bin nie zur Ruhe gekommen – wenn ich mir selbst Stress mache und aufgeregt bin, wird es schlimmer“, weiß Melanie Gruna. So kommt es dann häufig zu den Spannungskopfschmerzen.

Lernen, den Schmerz zu beherrschen

Solche Kopfschmerzen zählten zu den häufigsten Schmerzarten und seien oft auf psychische Belastungen zurückzuführen, erklärt Neurologin Tatjana Richter, die zum Team der sogenannten multimodalen Schmerztherapie gehört. „Innere Anspannung  schlägt auf die Halsmuskulatur.“ Die Fachärztin behandelte Gruna unter anderem mit Akupunktur. Mehrmals während des stationären Aufenthaltes setzte sie die feinen Nadeln an sensible Punkte an. Auch Entspannungstechniken können das Auftreten von Schmerzen abfedern. Außerdem gelte es, die „Spielregeln“ umzudrehen, erklärt die Fachärztin: „Nicht der Schmerz beherrscht den Patienten, sondern der Patient soll lernen, die Schmerzen zu beherrschen“, so die Medizinerin. 

Melanie Gruna hat besonders das sogenannte Tens-Gerät geholfen, ein Stromimpulsgeber, der an schmerzende Körperregionen angeschlossen werden kann. Mehrmals täglich wurde sie bei ihrem Klinikaufenthalt damit verkabelt und je nach Schmerzlage mit unterschiedlich starken Stromimpulsen stimuliert. „Danach habe ich immer ein besseres Gefühl in den Beinen“, freut sich die Patientin. Denn durch die Impulse wird das Gehirn vom Schmerz abgelenkt, „das Kribbeln übertönt sozusagen den Schmerz“, erklärt Dr. Schlei den Wirkmechanismus. Deshalb nutzt die Paderbornerin das Gerät nun auch zu Hause.

 
 
 
 
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