BBT-Gruppe
 
 
 
 
 
Qualität in der BBT-Gruppe
Qualitätsmanagement
im katholischen Krankenhaus

Es tut sich etwas - das Gesundheitssystem im Umbruch

Das Gesundheitssystem ist im Umbruch: Patienten werden immer selbstbewusster und recherchieren selbst nach Behandlungswegen, der besten Therapie und wo sie zu finden ist. Zugleich hat die Politik mit der Krankenhausreform 2016 die Weichen für eine bessere Behandlung und ein wirtschaftlicher agierendes Gesundheitssystem gestellt – dabei dreht sich vieles um Qualität.

Die Zahl ist erschreckend: Wechsel- oder Nebenwirkungen von Medikamenten führen nach Angaben des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums jährlichzu rund 4.300 Todesfällen in den Krankenhäusern an Rhein und Ruhr. „Stellen Sie sich vor, jeden dritten Tag würde ein Flugzeug abstürzen. Im gleichen Verhältnis erleiden Patienten in Deutschland täglich schwere, unerwünschte Arzneimittelwirkungen“, beschreibt Dr. Ralf Beyer, Ärztlicher Direktor im St.-Marien-Hospital Marsberg, die Dimension der Zahlen. Grund genug für das Krankenhaus im sauerländischen Marsberg, einen Arzneimittelcheck einzuführen. Seit Dezember prüft eine Fachapothekerin alle von den Patienten eingenommenen Medikamente. Neben- und Wechselwirkungen, Kontraindikationen oder auch Nierenbelastungen sollen so verhindert werden.

Professor Dr. Christoph Eingartner, Ärzlicher Direktor am Caritas-Krankenhaus in Bad Mergentheim
Qualität ist jenseits aller Daten aber auch das, was der Patient im Krankenhaus erlebt. Hier bemühen wir uns alle, vom Reinigungsdienst bis zum Chefarzt, alltäglich und für jeden einzelnen Patienten um die bestmöglichen Abläufe und das bestmögliche Ergebnis.
Patientenbeauftragter der Bundesregierung Karl-Josef Laumann
Wir müssen endlich konsequent aus Fehlern lernen. Aber dazu müssen wir erst mal offen über Fehler reden. Nur so kann eine offene Fehlerkultur, ähnlich wie in der Luftfahrt, entstehen.
 

Wie in Marsberg gibt es in vielen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen der BBT-Gruppe Initiativen, um die Qualität der Versorgung und Pflege zu verbessern. Qualität ist in aller Munde. Denn Krankenhäuser, Ärzte und Pflegeeinrichtungen stehen massiv im Wettbewerb; Patienten verstehen sich verstärkt als selbstbewusste Kunden, die vergleichen und hohe Ansprüche haben. 

Zeitschriften wie der FOCUS veröffentlichen Ranglisten der vermeintlich besten Ärzte und Kliniken. Qualitätsmessung ist allerdings nichts Neues: Seit 2005 müssen die Kliniken alle zwei Jahre Qualitätsberichte veröffentlichen. Auf Internetseiten wie „Krankenhausnavi“ oder „Klinikfinder“ schaffen die Krankenkassen Vergleichsmöglichkeiten. Allein die Techniker Krankenkasse hat vergangenes Jahr 300.000 Besuche bei ihrem „Klinikführer“ registriert.

WIE GUT SIND DIE BEHANDLUNGEN?

Auch das unabhängige Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (AQUA) analysiert bundesweit klinische Daten. 2013 etwa untersuchte es unter anderem die Daten von fast 40.000 Patienten in 78 herzchirurgischen Kliniken in Deutschland und begutachtete Bypassoperationen und Aortenklappenersatz. Der Herz- und Thoraxchirurgie im Brüderkrankenhaus in Trier etwa bescheinigten die Prüfer, zu den Besten in Deutschland zu gehören. Aber auch intern führen Krankenhäuser zunehmend Instrumente zur Qualitätsmessung ein und lassen sich zertifizieren. Dabei legen die kirchlichen Häuser zusätzlich besonderes Augenmerk auf Merkmale, die aus ihrer Werteorientierung heraus prägend sind: etwa die Palliativversorgung oder die Behandlung von Demenzkranken. Ziel ist es, auch die religiös-spirituelle Dimension von Krankheit wahrzunehmen.

Patientenbefragungen sind mittlerweile für alle Häuser Pflicht. Gefragt wird etwa nach Wartezeiten und Atmosphäre der Klinik, nach der Qualität der Informationen und dem Einfühlungsvermögen von Ärzten und Pflegekräften. Auch Fehlermeldesysteme sind Bestandteil des Risikomanagements: OP-Checklisten, Meldesysteme und Besprechung kritischer Fälle, Hygienekonzepte oder Qualitätskonferenzen sind auch in den Krankenhäusern der BBT-Gruppe etabliert und werden ständig weiterentwickelt. „Wir können doch nicht von den Ärzten fordern, dass sie Patienten partnerschaftlich gegenübertreten und gleichzeitig erwarten, dass sie als Halbgötter in Weiß keine Fehler machen“, lobt der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, die Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen.

Die Qualität der medizinischen Versorgung ist auch Leitthema der Gesundheitspolitik. Jährlich werden in Deutschland mehr als 290 Milliarden Euro für Gesundheit ausgegeben, darunter weit mehr als 60 Milliarden für Krankenhäuser. Dennoch urteilte die Unternehmensberatung KPMG 2014 in einer internationalen Vergleichsstudie, das deutsche Gesundheitswesen zeichne sich durch ein vergleichsweise hohes Ausgabenniveau bei „zu wenig Qualität“ aus. Zugleich stehen die Krankenhäuser wirtschaftlich massiv unter Druck. Rund 42 Prozent schrieben 2013 Verluste, viele erwarten keine Besserung. Um über die Runden zu kommen, haben viele Häuser ihren Personalstand drastisch runtergefahren. Andere haben die Zahl der Operationen gesteigert. Und zwar so stark, dass nach Meinung von Kritikern Patienten befürchten müssen, auch aus wirtschaftlichen Gründen auf dem OP-Tisch zu landen.

BUNDESWEITE STANDARDS IN DEN KLINIKEN

Deshalb verstärkt auch der Staat den Druck zur Verbesserung der Qualität. Ende des letzten Jahres hatte eine Bund-Länder-Kommission Eckpunkte für eine Krankenhausreform 2016 vorgelegt. Das Ziel: eine „qualitätsorientierte Vergütung“ der Kliniken. Glaubt man Gesundheitsexperten, könnte das die gesamte Krankenhauslandschaft verändern. Ein Paket von Maßnahmen ist geplant. Indem Patienten das Recht auf ein Zweitgutachten erhalten, soll die Zahl unnötiger Eingriffe verringert werden. 660 Millionen Euro sollen Bund und Länder in den nächsten drei Jahren für zusätzliche Pflegestellen bereitstellen. Zentral aber ist die Absicht, bundesweite Qualitätsstandards festzulegen – eine heikle Angelegenheit. In Deutschland finden pro Jahr etwa 19 Millionen Krankenhausbehandlungen statt, bei denen rund 50 Millionen oft komplizierte Prozeduren an immer älteren Patienten durchgeführt werden. Ein neues „Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen“ soll dafür sorgen, dass Daten einheitlich definiert, ausgewertet und „leicht verständlich“ veröffentlicht werden.

Nach den Plänen der Politiker sollen die Krankenhäuser in Zukunft auch nach Qualität bezahlt werden. Für unterdurchschnittliche Qualität soll es Abschläge geben. Doch das Vorhaben ist umstritten. Durch schlechtere Vergütung werde die Qualität nicht verbessert, sagt Rudolf Henke, Präsident der Ärztekammer Nordrhein. „Im Gegenteil – dann wird doch nur der Spardruck erhöht: weniger Sachmittel, weniger Personal.” Auf Kritik stößt auch der zunehmende Aufwand für Qualitätsmessung. „Seit einigen Jahren sind wir dabei, in der Medizin eine Parallelwelt zu schaffen, die sehr viel Zeit, Arbeitskraft und Geld in Anspruch nimmt, ohne zu einem wirklichen Fortschritt beizutragen“, schreibt der Leiter der Universitäts-Frauenklinik in Magdeburg, Serban-Dan Costa. Verfahren aus der Industrie ließen sich nicht einfach auf Krankenhäuser übertragen. Thomas Vortkamp, Geschäftsführer des Katholischen Krankenhausverbandes Deutschland, fordert deshalb Rahmenbedingungen, die Qualität auch ermöglichten. So drückten sich die Bundesländer seit Jahren davor, ausreichende Investitionsmittel für die Kliniken zur Verfügung zu stellen. Nur wenn das System Krankenhaus ausreichend finanziert ist, sind Qualitätsverbesserungen wie der Medikamentencheck im Marsberger St.-Marien-Hospital möglich.

Behandlungsqualität
 

TEXT: CHRISTOPH ARENS

 

Qualitätsmanagement im katholischen Krankenhaus

Internes Qualitätsmanagement ist auch bei katholischen Krankenhäusern ein unverzichtbares Führungsinstrument geworden. Sie setzen dabei auf die ökumenische Zertifizierungsgesellschaft proCum Cert, die Gesundheits- und
andere soziale Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft überprüft. Bundesweit haben katholische Krankenhäuser zudem die Möglichkeit, an Projekten zur Messung der Ergebnisqualität teilzunehmen. Ein Beispiel ist der Verein „Qualitätsindikatoren für Kirchliche Krankenhäuser – QKK“. 

Ein besonderes Augenmerk liegt auf den Merkmalen, die für christliche Häuser prägend sind, etwa die Palliativversorgung oder die Behandlung von Demenzkranken. Zudem führen kirchliche Häuser regelmäßig Befragungen zur Patientenzufriedenheit durch. Die Ergebnisse können in Internetportalen wie der sogenannten Weißen Liste der Bertelsmann Stiftung verglichen werden. Gefragt wird unter anderem nach dem Umgang der Ärzte und des Pflegepersonals mit den Patienten und dem wahrgenommenen Behandlungserfolg.

 
 
 
 
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