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Geriatrie: Fit für den Alltag

Was Altersmedizin leisten kann

Eine geriatrische Station ist nicht wie jede andere Abteilung im Krankenhaus. Ähnlich wie in einer Reha, werden hier ältere Patienten nach einer Erkrankung wieder fit für das Leben zuhause gemacht. Dabei arbeiten Medizin, Physiotherapie, Ergotherapie und einige andere Fachdisziplinen eng zusammen.

 
 

Patienten bleiben mindestens zwei Wochen

Wir – das ist ein Team aus Ärzten und geriatrischen Fachpflegern, Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden, Neuropsychologen und Ernährungsberatern. Jeden Morgen treffen sich alle zu einem „Blitzlicht“, bei dem jeder einzelne Patient besprochen wird. Dank dieser Verzahnung von ärztlicher Behandlung, Pflege und Therapie gelingt auf der Geriatrie immer wieder Überraschendes. Unlängst erst habe er einen solchen Patienten gehabt, erzählt der Chefarzt. Der betagte Herr habe einen Schlaganfall erlitten, sei dabei gestürzt und habe sich den Oberschenkelhals gebrochen. „Da sah alles nach Pflegebedürftigkeit aus.“ Dem Team aber sei es gelungen, ihn wieder so weit zu mobilisieren, dass er schließlich zu seiner Frau in die eigene Wohnung zurückkehren konnte. „Ohne geriatrische Behandlung wäre das mit Sicherheit nicht gelungen“, sagt Bradtke.

Gute Therapierfolge

Dank der geschickten Verzahnung von ärztlicher Behandlung, Pflege und Therapie gelingt auf der Geriatrie immer wieder Überraschendes. Unlängst erst habe er einen solchen Patienten gehabt, erzählt der Chefarzt. Der betagte Herr habe einen Schlaganfall erlitten, sei dabei gestürzt und habe sich den Oberschenkelhals gebrochen. „Da sah alles nach Bettlägerigkeit und Pflegebedürftigkeit aus.“ Dem Team aber sei es gelungen, ihn wieder so weit zu mobilisieren, dass er letztendlich zu seiner Frau in die eigene Wohnung zurückkehren konnte. „Ohne geriatrische Behandlung wäre das mit Sicherheit nicht gelungen“, sagt der Chefarzt.

Auch Bradtke selbst wünscht sich fürs Alter, möglichst lange selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben zu können. Wo nötig, werde er aber auch auf Hilfen zurückgreifen. Ob das dann schon der Pflegeroboter ist, könne er heute noch nicht sagen. „Technische Assistenzsysteme werden dann aber sicher schon eine Rolles spielen.“ Allein von der Technik will sich Bradtke aber nicht abhängig machen. Stattdessen hofft er, dass ihn das Netzwerk, über das er als Arzt verfügt, dann einmal als Patient auffangen werde.

 
 

Alles, was Sie über eine geriatrische Behandlung wissen müssen

Norbert Bradke
Den ganzen Mensch im Blick zu haben, ist für die medizinische Behandlung nie von Nachteil. Im Alter jedoch ist das sehr entscheidend.
 

Seit Herbst 2012 ist Dr. Norbert Bradtke Chefarzt für Innere Medizin am St.-Marien-Hospital im sauerländischen Marsberg und leitet dort auch die Ende 2013 eröffnete geriatrische Station. Alte Menschen, die – etwa nach einem Sturz oder einer Operation – aus akutmedizinischer Sicht wieder gesund sind, aber noch mit Einschränkungen zu kämpfen haben, werden dort wieder fit für den selbstversorgenden Alltag gemacht. Im Interview beantwortet er die wichtigsten Fragen zu dem Konzept.

Was ist eine geriatrische Station?

Was ist das Hauptziel der geriatrischen Behandlung?

Wie sieht die Zusammenarbeit der verschiedenen Fachrichtungen in einer geriatrischen Abteilung aus?

Welche konkreten Aufgaben haben die einzelnen Fachrichtungen in einer geriatrischen Abteilung?

Können Sie ein Beispiel nennen, wie die kognitiven, die geistigen Fähigkeiten der Patienten getestet werden?

Was sind sogenannte „vertrauensbildende Maßnahmen“ während der Behandlung?

Was ist das besondere an der geriatrischen Station in Marsberg?

Warum wird eine geriatrische Versorgung immer wichtiger?

 

Nochmal auf die guten Dinge im Leben blicken

Altern ist nicht nur ein körperlicher, sondern auch ein psychischer Prozess. Viele Menschen leiden darunter, wenn die körperliche oder geistige Leistungsfähigkeit abnimmt. Dr. Bernd Balzer, Chefarzt der BBT-Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Saffig, und Seelsorger Alwin Hoffmann begleiten solche Menschen. Welche Möglichkeiten es gibt, das Unvermeidliche anzunehmen, erklären sie im Interview.

 
 
Dr. Bernd Balzer - Chefarzt der Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Dr. Bernd Balzer - Chefarzt der Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Herr Dr. Balzer, Herr Hoffmann, alt zu sein oder alt zu werden, ist in unserer Gesellschaft nicht gerade positiv besetzt. Propagiert wird das Bild der fitten Senioren, die auch in hohem Alter noch uneingeschränkte Lebensfreude ausstrahlen. Was macht das mit Menschen, wenn Sie merken: Oje, ich werde alt?

Dr. Bernd Balzer: Zunächst tauchen natürlich viele Sorgen auf. Die Menschen haben Angst, dass sie nicht mehr zurechtkommen im Leben, weil die körperliche oder psychische Leistungsfähigkeit nachlässt. Hinzu kommt die Angst vor Krankheiten wie Demenz und natürlich auch die Angst vor dem Tod.

Alwin Hoffmann: Ich möchte da noch die Angst vor dem Alleinsein ergänzen. Auch das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden, belastet viele ältere Menschen.

Jetzt ist oft das Wort Angst gefallen. Ist Altern also ein Angstthema?

Dr. Bernd Balzer: Bei vielen Menschen ist das Wort Angst sicher zu hoch gegriffen. Da sollte man besser von Sorge sprechen. Andererseits ist ein gewisses Maß an Angst vor diesen essentiellen Veränderungen durchaus normal. Es wäre ja blauäugig zu denken, dass alles einfach so bleibt, wie es war. Aus therapeutischer Sicht finde ich es sogar wichtig, dass sich die Menschen aktiv mit dem Thema Alter und Tod auseinandersetzen, indem sie etwa ein Testament machen oder eine Vorsorgevollmacht aufsetzen. Wenn sie das vor sich herschieben oder die ganze Problematik einfach verdrängen, dann beginnen oft erst die Probleme. Natürlich darf eine solche Angst nicht pathologische Züge annehmen, sie würde dann den Menschen lähmen. Aber meist ist das ohnehin nicht der Fall.

Nun ist das Altern ja nicht nur ein körperlicher Prozess, den wir psychisch verarbeiten müssen. Auch die Psyche eines Menschen verändert sich im Alter. Wie muss man sich das vorstellen?

Dr. Bernd Balzer: Die Psyche altert ganz ähnlich wie der restliche Körper. Das Gehirn schrumpft nämlich im Alter, so wie auch Muskeln schrumpfen. Dadurch lässt seine Leistungskraft nach, was wiederum Auswirkungen auf das Gedächtnis und die Konzentrationsfähigkeit hat. Aber nicht nur das Denken, auch das Fühlen ist davon betroffen. So tun sich alte Menschen oft deutlich schwerer, wenn es darum geht, Krisen zu bewältigen oder mit Problemen klarzukommen. Wie weit diese Einschränkungen gehen, ist allerdings individuell sehr unterschiedlich.

Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle?

Dr. Bernd Balzer: Entscheidend ist zum einen die genetische Disposition, das haben etwa Studien mit Alzheimerpatienten ergeben. Dann spielt die Krisenerfahrung eine Rolle, also die Frage, ob der Patient im Laufe seines Lebens gelernt hat, mit schwierigen Lebenssituationen umzugehen. Schließlich ist das soziale Umfeld wichtig. Menschen, die mit ihren Problemen alleine sind, tun sich oft viel schwerer damit als Menschen, die gut in ihre Familie eingebunden sind.

 
 

Das Thema Demenz ist in der öffentlichen Diskussion derzeit sehr präsent. Dadurch bekommt man den Eindruck, dass die Zahl der Erkrankten in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat. Ist das tatsächlich so?

Je älter ein Mensch wird, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er an Demenz erkrankt

Dr. Bernd Balzer: Ja. Dadurch, dass die Lebenserwartung steigt, erkranken auch mehr an Demenz. Denn je älter ein Mensch wird, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er an Demenz erkrankt. Zusätzlich hat sich aber auch der Demenzbegriff geändert. So wird heute in Fällen Demenz diagnostiziert, in denen man früher allenfalls von Vergesslichkeit gesprochen hätte.

 
 

Was kann einem Betroffenen helfen, sich der unangenehmen Wahrheit zu stellen, sich einzugestehen, dass mit dem Alter die Kräfte nachlassen, dass man auf Hilfe angewiesen ist?

Alwin Hoffmann - Seelsorger in Saffig.
Alwin Hoffmann - Seelsorger in Saffig.

Alwin Hoffmann: In meiner Arbeit ist das Gespräch entscheidend. Ich spreche mit den Menschen über ihre Sorgen – und ich höre ihnen zu. Ich versuche, im Gespräch den wunden Punkt zu finden, das, was die Menschen wirklich belastet. Oft lernen sie so, das Unvermeidliche anzunehmen, also die Lasten und Beschwerden des Alters. Sie zu drängen, doch jetzt endlich Hilfe anzunehmen, hat sicher wenig Sinn. Denn auch ein alter Mensch hat das Recht darauf, sein Leben selbstbestimmt zu leben.

Dr. Bernd Balzer: Das möchte ich unterstützen. Man kann und soll niemanden zu etwas zwingen. Man kann Patienten über Hilfsangebote informieren, kann ihnen das Gespräch über ihre Probleme anbieten, aber letztlich muss jeder selbst wissen, wie er damit umgeht.

Auch für Angehörige ist es oft nicht leicht, wenn sie mit ansehen müssen, dass der Partner oder ein Elternteil langsam abbauen – körperlich oder geistig. Was kann ihnen helfen?

Alwin Hoffmann: Solchen Menschen muss man zunächst einmal zuhören. Man muss im Gespräch herausarbeiten, wo der Schmerz ist und dann Wege aufzeigen, wie er sich lindern lässt.

Im Alter neigen viele Menschen dazu, Rückschau zu halten und Bilanz zu ziehen. Aber nicht immer war die Vergangenheit nur rosig. Ist es sinnvoll, alte Wunden noch einmal aufzureißen?

Dr. Bernd Balzer: Aus psychotherapeutischer Sicht muss ich das mit einem klaren Nein beantworten. Alte Wunden wieder aufzureißen, aktiv in der Vergangenheit zu bohren, ist nie sinnvoll. Aber wenn ein Patient seinerseits ein Thema aus der Vergangenheit ins Gespräch bringt, dann gehört es zur Therapie, dieses Thema aufzuarbeiten. Die Tatsache, dass er es angesprochen hat, beweist schließlich – um im Bild zu bleiben –, dass die Wunde noch nicht geschlossen ist. Als Therapeut reiße ich da also nichts auf.

Alwin Hoffmann: In solchen Situationen bemühe ich mich immer, bei diesem Menschen schöne Erinnerungen zu wecken. Gerade im Alter tendieren viele Leute dazu, sich an den schlechten Erinnerungen festzubeißen, das Leben quasi durch eine graue Brille zu sehen. Da bringe ich das Gespräch gerne auf positive Themen, denn niemand hat im Leben nur Schlechtes oder Trauriges erlebt.

Dr. Bernd Balzer: So arbeiten wir Therapeuten natürlich auch. Man nennt das in der Fachsprache den ressourcenorientierten Ansatz. Natürlich muss ich Probleme aufgreifen, die ein Patient anspricht. Aber nur dabei zu verharren, führt oft nicht weiter. Da muss man den Patienten dann bewusst in eine andere Richtung lenken.

So weit scheinen also Therapie und Seelsorge nicht auseinander zu liegen.

In der Seelsorge gibt es natürlich noch eine Dimension, die in der Therapie zunächst keine entscheidende Rolle spielt, nämlich die Frage des Glaubens.

Alwin Hoffmann: In der Seelsorge gibt es natürlich noch eine Dimension, die in der Therapie zunächst keine entscheidende Rolle spielt, nämlich die Frage des Glaubens. Gerade ältere Menschen bringen oft noch diesen religiösen und kirchlichen Hintergrund mit. Da kommen dann Fragen nach dem Übergang vom Leben zum Tod, nach Gott und nach dem Jenseits auf. Solche Themen mögen manchmal auch in einer Therapie angesprochen werden, aber in der Seelsorge nehmen sie doch einen ganz anderen Stellenwert ein. Oder nehmen Sie das Thema Trauer. Viele ältere Menschen sind ja damit konfrontiert, dass immer mehr Menschen aus ihrem Umfeld sterben. Ihnen versuche ich zu vermitteln, dass Trauer etwas Wichtiges ist, ein ganz entscheidender Prozess, der zum Leben dazugehört, und den man deshalb auch zulassen soll.

Tun sich denn gläubige Menschen leichter mit der Bewältigung schwieriger Lebenssituationen?

Dr. Bernd Balzer: Es gibt in der Tat wissenschaftliche Untersuchungen, dass Menschen mit einer starken religiösen Bindung besser gegen Depressionen geschützt sind. Das trifft sicher nicht auf alle Menschen und auch nicht auf alle Arten von Depression zu, aber statistisch nachweisbar ist dieser Effekt allemal.

Alwin Hoffmann: Natürlich begegne ich in meiner Arbeit vielen Menschen, denen der Glaube Kraft gibt und die im Gebet Ruhe finden. Es gibt aber auch Menschen, die gerade in solchen schwierigen Situationen Glaubenszweifel bekommen, die mir sagen, dass sie sich von Gott verlassen fühlen und plötzlich nicht mehr beten können.

Gerade Ihre Arbeit, Herr Hoffmann, wird sich wohl in den nächsten Jahren verändern, denn auch unter den älteren Menschen wird die Zahl derer abnehmen, die noch eine intensive religiöse Bindung haben.

Alwin Hoffmann: Meine Arbeit verändert sich schon jetzt. Die Fragen, über die wir im Seelsorgegespräch sprechen, sind natürlich dieselben: Wo stehe ich? Wie ist mein Leben verlaufen? Wo geht es hin? Aber Gott spielt bei der Beantwortung nicht mehr immer eine Rolle. Dennoch sind das für mich zutiefst religiöse Fragen. Es ist eben nur eine andere Art der Religiosität.

Eine praktische Frage zum Schluss: Wohin kann ich mich wenden, wenn ich spüre, dass mir mein Alter psychisch zusetzt oder wenn ich einen Angehörigen habe, der in dieser Situation ist?

Dr. Bernd Balzer: Erster Ansprechpartner ist immer der Hausarzt. Er kann dann entscheiden, was zu tun ist, ob etwa eine fachärztliche Behandlung vonnöten ist. Informationen bekommt man natürlich auch bei den Gesundheitsämtern. Und auch viele Seniorenheime bieten Hilfe an.

Das Gespräch führte Andreas Laska.

 

Geriatrie & Psychiatrie in der BBT-Gruppe

St. Marien-Hospital Marsberg

Bradtke, Norbert

Chefarzt Innere Medizin
Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie, Diabetologie und Geriatrie

Tel: 02992 605-1590
Fax:02992 605-1595
n.bradtke@bk-marsberg.de

Gemeinschaftskrankenhaus Bonn

Otten, Frank

Chefarzt Geriatrie

Haus St. Elisabeth
Tel: +49 228 508-1221
Fax: +49 228 508-1222
geriatrie@gk-bonn.de

Barmherzige Brüder Saffig

Chefarzt der Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Pöschstraße 18
56648 Saffig
Tel: 02625-31501
info.fachklinik@bb-saffig.de

Krankenhaus Tauberbischofsheim

Jähnel, Mathias

Chefarzt Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Ärztlicher Direktor
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Neurologie, Geriatrie, Suchtmedizin

Tel: 09341 800-1410
Fax:09341 800-1317
mathias.jaehnel@khtbb.de

Sekretariat:
Jutta Forster
Tel: 09341 800-1410 oder -1411
Fax: 09341 800-1317
psychiatrie@khtbb.de

 
 
 
 
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