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Saubere Sache - Hygiene im Krankenhaus

Für das bloße Auge sind sie unsichtbar, doch können sie gehörigen Schaden anrichten. So schaffen es Krankheitserreger auch immer wieder in die Schlagzeilen. Mit Wissen und Konsequenz rückt man ihnen am wirksamsten zu Leibe – im Katholischen Klinikum Koblenz · Montabaur  ist das ein Fall für das Team des Hygiene- und Umweltmanagements.

 
 

Eine saubere Sache - Hygiene im Krankenhaus

Es ist Montagmorgen, 8.30 Uhr. Der erste Griff von Renate Petry gilt wie immer den Faxnachrichten, die seit dem frühen Morgen eingegangen sind. Das Labor meldet einen MRSA-Fall auf Station 4b. Eine Patientin wurde positiv auf einen multiresistenten Erreger getestet. Für Hygienefachfrau Renate Petry und ihr Team ist das kein Grund zur Aufregung. Vielmehr setzt ein genau festgelegter Ablauf ein: Noch auf dem Weg in das Nachbargebäude des Brüderkrankenhauses in Montabaur ruft Renate Petry ihren Kollegen Joachim Siebel an. Der erfahrene Krankenpfleger und Stationsleiter hat die 40-stündige Fortbildung zum Hygienebeauftragten absolviert. Die entscheidenden Maßnahmen, berichtet Siebel, seien bereits eingeleitet worden. Die betroffene Patientin wurde isoliert, ebenso ihre Zimmernachbarin. Diese sei etwas beunruhigt, ob sie sich auch angesteckt haben könnte –schließlich sei in den Medien oft von sogenannten Krankenhauskeimen zu hören. „Sie werden wir nun gleich besuchen und über alles aufklären“, sagt Renate Petry zu ihrem Kollegen. Seit vier Jahren leitet sie den Bereich Hygiene- und Umweltmanagement am Katholischen Klinikum Koblenz · Montabaur.

Patienten aufklären und informieren

Eine isolierte Patientin zu besuchen, bedeutet zunächst einmal Schutzkleidung anlegen. In kaum einer Minute sind die beiden ausgestattet mit Kittel, Haube, Mund-Nasen-Schutz und Handschuhen. Freundlich begrüßen sie die Patientin, erklären ihr, dass die Isolation zunächst nur eine Vorsichtsmaßnahme darstellt. „Ihre Zimmernachbarin war kolonisiert, nicht infiziert“, erläutert Renate Petry. Das bedeutet, dass sie den Erreger auf der Haut trug, ohne deshalb krank zu sein. „Wie ein Mieter, der nicht zahlt“, scherzt sie. Eine Ansteckung ist höchst unwahrscheinlich. Schließlich waren die beiden nur wenige Stunden zusammen. Dennoch müsse ein Abstrich durchgeführt werden. „Wir machen einen Schnelltest. In wenigen Stunden haben Sie das Ergebnis“, verspricht die Hygienefachkraft.

Was sind Krankenhauskeime?

Als Krankenhauskeime werden sogenannte multiresistente Erreger (MRE) bezeichnet, die auf gängige Antibiotika nicht reagieren und häufig in Krankenhäusern oder Einrichtungen des Gesundheitswesens auftreten, in denen viele kranke Menschen auf engem Raum zusammenkommen. Sie werden meist mit Abkürzungen wie MRSA, MRGN, VRE oder ESBLbezeichnet. „Der Begriff Krankenhauskeime darf mittlerweile aber als überholt gelten, denn multiresistente Erreger stellen nicht nur Krankenhäuser vor Herausforderungen“, erklärt Renate Petry. „Auch Tiermastbetriebe haben zum Beispiel häufig damit zu kämpfen.“ Viele Menschen sind von solchen Keimen besiedelt, ohne es zu wissen. Die Ursache ist der oftmals unkontrollierte Umgang mit Antibiotika. So lange diese Keime nicht über eine Wunde oder die Schleimhäute in die Blutbahn gelangen, erkranken die Menschen nicht. Es ist Aufgabe der Krankenhaushygiene, genau das zu verhindern. „Hierfür muss der Patient über mehrere Tage eine antiseptische Waschlotion, eine antiseptische Nasensalbe und eine antiseptische Mundspülung anwenden.“ Dies bringt meist den Keim zum Verschwinden.

Die Patientin ist nun schon beruhigter. Patienten und Angehörige aufzuklären, das gehört für Renate Petry zum Alltag. „Nachfragen zum Thema Hygiene sind in den vergangenen Jahren massiv gestiegen“, erzählt die Expertin. Das liege nicht zuletzt an der oft dramatisierenden Medienberichterstattung über Krankenhaus- und Killerkeime.„Viele Menschen fühlen sich dadurch verunsichert.“ Diese Ängste abzubauen, darin sieht die 41-Jährige eine der wichtigsten Aufgaben für ihr Team.

Hände desinfizieren - aber richtig

Hände desinfizieren - aber richtig

Regelmäßig kontrollieren

Doch nicht nur der Kontakt zu den Patienten liegt der Hygienefachfrau am Herzen. „Früher ging es beim Thema Hygiene vor allem um Kontrollen. Natürlich gibt es die auch heute noch.“ Wie die sogenannten Abklatschuntersuchungen. Dabei wird eine Petrischale mit einem Nährboden auf die zu prüfende Oberfläche gedrückt. Wächst dann im Labor eine Erregerkolonie, war die Oberfläche verunreinigt. Bei einem anderen Verfahren werden beispielsweise Türklinken mit einem Farbstoff „beimpft“. Dieser trocknet ein, bleibt aber unter Schwarzlicht sichtbar, falls die Klinke anschließend nicht ordnungsgemäß gereinigt wurde.

Solche Kontrollen stehen heute jedoch nicht mehr im Vordergrund. Stattdessen werden Prävention und Information großgeschrieben. „Wir erklären den Mitarbeitern, wie sie in der alltäglichen Arbeit hygienisch kritische Situationen richtig handhaben“, sagt Renate Petry. Die Hygieneabteilung will unterstützen: „Am sinnvollsten ist ein funktionierendes Hygienemanagement, wenn es im Stillen arbeitet und trotzdem für jeden Mitarbeiter präsent und nachvollziehbar ist.“

Ein Netzwerk für Hygiene

Um dieses Ziel zu erreichen, steht der Bereichsleiterin ein erfahrenes Team von drei Mitarbeitern zur Verfügung. Alle stammen ursprünglich aus dem Pflegebereich, ehe sie – wie Petry selbst – die zweijährige Ausbildung zur Hygienefachkraft absolviert haben. Darüber hinaus gibt es am Katholischen Klinikum Koblenz · Montabaur ein Hygienenetzwerk von 80 Hygienebeauftragten aus sämtlichen Bereichen – Ärzte, Pfleger, Küchenmitarbeiter, verschiedene Funktionsabteilungen und Einkaufsspezialisten. In regelmäßigen Treffen bespricht die Expertin mit ihnen aktuelle Entwicklungen. Neue gesetzliche Vorgaben zählen ebenso dazu, wie die Auswertung statistischer Erhebungen aus den drei Standorten.

Eine Botschaft ist Renate Petry bei ihrer Arbeit besonders wichtig: Hygiene im Krankenhaus und Hygiene zu Hause unterscheiden sich fundamental, auch wenn die Werbung oft anderes suggeriert. „Mikroorganismen sind für uns Menschen sehr wichtig“, erklärt die Expertin. Wer zu Hause häufig mit Desinfektionsmitteln hantiert oder regelmäßig desinfizierende Seifen verwendet, zerstört die natürliche Keimflora auf der Haut und wird so letztlich anfälliger für Infektionen und Allergien. Jetzt aber muss Renate Petry los. Neben dem Tagesgeschäft steht für heute Abend noch eine Schulung für die Mitarbeiter der Notaufnahme auf dem Programm, die noch abschließend vorzubereiten ist. Hierbei wird es um Infektionskrankheiten bei Asylbewerbern gehen. „Ich habe eine sehr abwechslungsreiche Aufgabe: Trotz einem sehr routinierten Umgang mit den Mikroorganismen – langweilig wird’s nie“, lacht die Hygienefachfrau und ist auch schon wieder unterwegs.

TEXT: ANDREAS LASKA | FOTOS: ELISABETH SCHOMAKER

 
 
 
 
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